Handelsverband: Täuschendes Wachstum
 
Handelsverband

Täuschendes Wachstum

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Der LEH konnte stark anziehen, kämpft aber wie andere Branchen auch mit steigenden Ressourcenkosten.
Der LEH konnte stark anziehen, kämpft aber wie andere Branchen auch mit steigenden Ressourcenkosten.

Beim Jahrbuch Handelsdaten Österreich des Handelsverbandes schneidet die heimische Wirtschaft gut ab - doch der Schein trügt, denn viele Branchen haben immer noch massive Probleme.

Die zusammen mit der KMU Forschung Österreich erhobenen Zahlen wirken auf den ersten Blick positiv: 77.700 Handelsunternehmen (Einzelhandel, Großhandel, Kfz-Handel) mit 598.000 Mitarbeitern haben vergangenes Jahr für 266,3 Milliarden Euro Umsatz gesorgt. Der Einzelhandel kommt auf 41.990 Unternehmen mit insgesamt 330.680 Beschäftigten und einem Umsatz von 74,8 Milliarden Euro (2021). Davon entfallen 35 Prozent auf den Lebensmitteleinzelhandel.

Ein Vergleich der Zahlen mit den vergangenen Jahren zeigt einen Anstieg von 70 Milliarden Euro in 2019 auf 71,3 Milliarden in 2020 und schließlich die 74,8 Milliarden. Dabei handelt es sich aber um Werte, die nicht inflationsbereinigt sind - real entspricht die Entwicklung also einer leichten Stagnation. Zudem sind die Gewinnspannen der Händler aufgrund von steigenden Rohstoffpreisen in vielen Sektoren geringer geworden. Ein deutlicher Trend war das enorme Wachstum des Lebensmittel-Onlinehandels, der von 2019 auf 2020 um rund 17 Prozent gewachsen ist, im Zeitraum von 2020 auf 2021 jedoch nur ein knappes Prozent zulegen konnte.

Wolfgang Ziniel, Projektleiter der KMU Forschung Austria, zu den weiteren Erhebungen: "2021 hat sich die wirtschaftliche Situation wieder verbessert. Sowohl die Zahl der Beschäftigten als auch die Umsätze im Handel sind über das Vor-Corona-Niveau geklettert. Dabei müssen allerdings die hohen Preissteigerungen (+10 %) im Großhandel beachtet werden."

Schlechte Stimmung, ambitionierte Pläne

Vier "Bremsklötze" des Handels wurden genannt: Da wäre zunächst die negative Stimmung, deren Ursache in der Pandemie und dem Ukraine-Krieg zu finden ist. Das dämpft die Kauflaune der Konsumenten, genauso wie die als zweiten Punkt genannte Omikron-Variante. Ebenfalls ungünstig ist die Inflation und die mit ihr einhergehende Steigerung der Lebenskosten. Schließlich werden ungeimpfte Personen genannt, die dem Handel die Schuld an den Maßnahmen der Bundesregierung geben. Um dem Handel wieder Wind in die Segel zu pusten, schlägt der Handelsverband drei Empfehlungen vor. Kurzfristig wichtig ist die Auszahlung der Corona-Entschädigung für betroffene Unternehmen.

Langfristig woll das "wirtschaftliche Long-Covid" durch zusätzliche eigenkapitalstärkende Maßnahmen bekämpft werden. Ein "new Deal" zur steigerung der Kaufkraft der Bevölkerung und der Entlastung der Unternehmen wird ebenfalls empfohlen, darin enthalten sollen die Abschaffung der kalten Progression, eine substanzielle Senkung der Lohnnebenkosten sowie strukturelle Einsparungen im staatlichen und staatsnahen Bereich als Gegenfinanzierung sein.

Abschließend hat der Handelsverband noch eine Blitz-Umfrage rund um die Auswirkungen des Ukraine-Krieges gemacht. Weniger als 10 Prozent der Unternehmen haben Geschäfte in der Ukraine oder Russland, allerdings haben 21 Prozent in einem der beiden Länder wichtige Geschäftspartner. 13 Prozent bemerken bereits Verzögerungen in der Lieferkette und 17 Prozent melden gestiegene Preise. Die Hälfte der Unternehmen erwartet massive Probleme bei der Supplychain oder den Handelspreisen.

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