Handelsverband/WKO/ÖPG: Kreislaufwirtschaft: ...
 
Handelsverband/WKO/ÖPG

Kreislaufwirtschaft: 10 oder 3 Punkte?

Steve Johnson - unsplash.com

Der Handelsverband hält am Vorschlag fest, die Entsorgungs-Infrastruktur auszubauen und das Pfandsystem zu vermeiden.

Der 3-Punkte-Plan des Umweltministeriums hat für Unmut bei vielen Interessensvertretungen des Handels gesorgt - besonders die verpflichtende Mehrweg-Quote wurde kritisiert. Um konstruktive Lösungsvorschläge musste nicht lange gebeten werden, schließlich hat Karlheinz Kopf, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich, bereits Anfang August ein Maßnahmenpaket zur Förderung der Kreislaufwirtschaft mit 10 Punkten vorgeschlagen.

Der Handelsverband geht von jährlichen Mehrkosten von 10.500 Euro pro Unternehmen aus, wenn ein Pfandsystem etabliert und die Vorschläge der WKO nicht umgesetzt werden. Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will dazu: "Der 10-Punkte-Plan ist insgesamt um mindestens 60 Millionen Euro kostengünstiger als das Modell der Ministerin, vermeidet die Belastung von Konsumenten und Unternehmen und erfüllt darüber hinaus alle abfallpolitischen Zielvorgaben – nicht nur die Sammelquote für Kunststoffflaschen. Österreich sammelt ja bereits sehr erfolgreich in 8 Bundesländern Plastikflaschen. Ein Pfand würde, außer in Wien, keine Verbesserung bringen. Wien braucht nur jene Potenziale heben, welche die anderen Bundesländer und Ballungszentren bereits im funktionierenden System leben. Einwegpfand ist daher ein Weg, aber aus kreislaufwirtschaftlicher Perspektive der Holzweg."

Als Vorbild-Regionen zieht Will Vorarlberg, Tirol und das Burgenland her, wo bereits die bis 2029 angestrebte Kunststoffflaschen-Sammelquote von 90 Prozent erreicht werden. Die durch ein Pfandsystem anfallenden Mehrkosten kritisiert der Handelsverband auch, da der Gebinde-Anteil des in Österreich produzierten Plastikmülls lediglich 15 Prozent beträgt - hier stimmt für die Interessensvertretung die Kosten-Nutzen-Rechnung einfach nicht.

Dem entgegnet Christian Abl von der Österreichischen Pfandsystemgesellschaft (ÖPG): "Pfand ist keine Raketenwissenschaft, sondern inzwischen gelebte Praxis. Das Problem des Händlersterbens sehen wir im internationalen Vergleich nicht." Sein Ansatz: Nicht nur der LEH soll die Rücknahme der leeren Gebinde übernehmen - durch Annahmestellen an Infrastrukturpunkten oder bei Gemeindeeinrichtungen bräuchten etwa kleine Händler keine eigene Sammelstelle. Aus Ländern und Regionen, in denen es bereits länger Pfandsysteme gibt, etwa in Skandinavien, weiß Abl, dass nur das Pfand nicht alle Probleme der Materialwirtschaft löst. Wichtig sind ebenso die flächendeckenden Sammelsysteme für Kunststoff.
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