IHaM: Lockdown für Ungeimpfte trifft Modehand...
 
IHaM

Lockdown für Ungeimpfte trifft Modehandel am stärksten

Andreas Röbl
Ernst Gittenberger und Christoph Teller vom IHaM der Johannes Kepler Universität Linz
Ernst Gittenberger und Christoph Teller vom IHaM der Johannes Kepler Universität Linz

Laut dem Linzer IHaM-Institut geht dem Non-Food-Handel durch den Lockdown für Ungeimpfte ein Viertel des Umsatzes verloren. Ein kompletter Lockdown würde den Handel 115 Mio. Euro täglich kosten.

Seit Montag, 15. November, ist es für "Ungeimpfte" ohne 2G-Nachweis nicht mehr erlaubt im stationären Einzelhandel (mit Ausnahme zur Deckung der Grundversorgung) einzukaufen. Es ist bereits der fünfte Lockdown seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor mittlerweile 600 Tagen und gleichzeitig der bisher mildeste. Denn die Geschäfte im Non-Food-Einzelhandel bleiben geöffnet und dürfen nur von Personen ohne 2G-Nachweis nicht mehr betreten werden. Wie das IHaM (Institut für Handel, Absatz und Marketing) der Johannes Kepler Universität Linz berechnet, werden die durchschnittlichen Ausgaben der Kunden im stationären Non-Food-Einzelhandel aufgrund von dieser Maßnahme im Durchschnitt um rund 30 Millionen Euro pro Tag sinken. Das entspricht einem Ausfall von 26 Prozent des Umsatzes.

Damit fallen die Auswirkungen deutlich geringer als in den vorangegangenen Lockdowns. So kostete der erste harte Lockdown vor Ostern 2020 den Handel rund 110 Millionen Euro täglich, der zweite Lockdown vor Weihnachten 2020 sogar 130 Millionen Euro pro Tag.Berücksichtigt wurde vom IHaM in seiner Berechnung das zur aktuellen Jahreszeit übliche Umsatzniveau, der Anteil der nicht geimpften Bevölkerung in den jeweiligen Alterskategorien sowie die durchschnittlichen Ausgaben im Non-Food-Einzelhandel nach diesen Alterskategorien differenziert. "Diese Differenzierung ist deshalb von Belang, da z. B. die Impfrate unter jüngeren Alterskohorten (noch) unterdurchschnittlich ist, gleichzeitig aber die einzelhandelsrelevanten Ausgaben in dieser Gruppe geringer als in älteren Konsumentengruppen ausfallen", erklärt Ernst Gittenberger, Forscher am IHaM. Ausgeklammert bleibt jedoch die etwaige Kaufzurückhaltung der geimpften Bevölkerung angesichts der aktuell sehr angespannten Covid-19-Situation.

Umsatzverluste summieren sich (vorerst) auf 270 Mio. Euro

Der Lockdown #5 ist (vorerst) von 15. bis 24. November anberaumt. Die Handelseinnahmen werden laut IHaM-Prognose in diesem Zeitraum insgesamt um rund 270 Millionen Euro (brutto) geringer ausfallen. Sollte eine Verlängerung der 2G-Regelung für den Handel bis Ende November verordnet werden, würde sich der Umsatzentgang im stationären Non-Food-Handel auf rd. 420 Millionen Euro erhöhen. 

Inzwischen wächst jedoch täglich die Sorge, dass ein weiterer allgemeiner Lockdown notwendig werden sollte. Was würde das in Zahlen bedeuten? "Sollte der Lockdown #5 auf die gesamte Bevölkerung ausgedehnt werden, würden sich die Umsatzverluste im stationären Non-Food-Einzelhandel im November auf rund 115 Millionen Euro pro Tag erhöhen", glaubt Institutsvorstand Christoph Teller.

Modische Branchen besonders betroffen

Trotz der deutlichen konjunkturellen Erholung konnte der stationäre Non-Food-Einzelhandel die – nicht zuletzt durch die Lockdowns bedingten – hohen Umsatzverluste noch nicht wettmachen. Zwar fallen die Auswirkungen des "Ungeimpften-Lockdowns" geringer aus als in allen bisherigen Lockdowns, "die langsame Konjunkturerholung im stationären Non-Food-Einzelhandel wird jedoch abermals abgewürgt", befürchten Gittenberger und Teller. "Besonders betroffen davon sind wieder einmal die modischen Branchen, deren Umsätze bis dato noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau 2019 liegen."

Inwieweit dieser Umsatzentgang wieder aufgeholt werden kann, bleibt abzuwarten. "Je länger Lockdown #5 tatsächlich dauern wird, desto mehr wird die ungeimpfte Bevölkerung einzelhandelsrelevante Ausgaben ins Internet verschieben", prognostizieren die Forscher. "Dies wird insbesondere auf junge Alterskohorten zutreffen, da hier der Anteil der Konsumentinnen und Konsumenten mit 2G-Nachweis unterdurchschnittlich und der Anteil der Online-Shopper überdurchschnittlich hoch ist." Jedenfalls ist mit einer Verlagerung einzelner Weihnachtsausgaben in die Zeit nach dem Lockdown und/oder ins Internet zu rechnen. "Damit gewinnt wieder einmal mehr der (internationale) Online-Handel", heißt es im IHaM-Bericht.

Dieser Artikel ist zuerst auf textilzeitung.at erschienen.

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