IHaM: Lockdown: Mehr Schaden als Nutzen?
 
IHaM

Lockdown: Mehr Schaden als Nutzen?

Stefan Pirker

Je nach Szenario verursacht Lockdown #4 Umsatzeinbrüche im österreichischen stationären Non-Food-Einzelhandel von 440 Millionen bis zu 2,4 Milliarden Euro.

"Lockdowns und Zutrittstests tragen zur schleichenden Entwöhnung der Konsumentinnen und Konsumenten vom ladengebundenen Einkauf bei. Gleichzeitig kommt es zur alternativlosen Umleitung der Kaufkraft in Richtung Onlinehandel", sagt Univ.-Prof. Christoph Teller, Vorstand am Institut für Handel, Absatz und Marketing (IHaM) an der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz. Und er legt auch gleich mit einer konkreten Forderung nach. "Spätestens jetzt bei der vierten Auflage des großflächigen Zusperrens des stationären Handels sollte wie bei jedem Medikament gründlich wissenschaftlich getestet werden, ob die heilende Wirkung der Lockdowns größer ist als die fatalen und in weiterer Folge letalen Nebenwirkungen auf unseren Handel und damit auf unsere Gesellschaft", meint Teller.

Gemeinsam mit Ernst Gittenberger, Leiter des Centre of Retail and Consumer Research am IHaM, hat Teller verschiedene Szenarien über die wirtschaftlichen Auswirkungen von Lockdown #4 auf den österreichischen Handel errechnet. Der Status quo sieht dabei folgendermaßen aus: In den Bundesländern Wien, NÖ und Burgenland - diese erzielen knapp die Hälfte der österreichweiten Handelsumsätze - müssen die Geschäfte mit Ausnahme der Grundversorgung von 1. bis 10. April 2021 geschlossen halten. Diese verordnete "Osterruhe" führt laut IHaM zu durchschnittlichen Umsatzverlusten von rund 55 Millionen Euro (brutto) pro Tag. Macht in Summe rund 440 Millionen Euro.

Sollte der Lockdown in den drei östlichen Bundesländern bis zum 30. April verlängert werden, dann würden laut IHaM-Prognose Umsatzausfälle in der Höhe von 1,4 Milliarden Euro schlagend werden. In einem anderen Szenario hat man die Auswirkungen errechnet, wenn Lockdown #4 von 12. bis 30. April 2021 auf ganz Österreich ausgedehnt würde. In diesem Fall kämen auf den österreichischen stationären Non-Food-Einzelhandel Umsatzeinbußen von 2,4 Milliarden Euro zu.

stats