Frage des Monats: Im Rabattdschungel
 
Frage des Monats

Im Rabattdschungel

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... fühlen sich die Verbraucher, besonders wenn Sparen angesagt ist, pudelwohl. Zwar klagen noch immer 57 % über zu hohe Preise, aber das Jammern ist offenbar nicht nur der Gruß des Händlers.

Ausnahmen bestätigen die Regel: Zu den jammernden Händlern gehören jene aus dem Lebensmittelhandel definitiv nicht. Sie versprühen Optimismus, ohne ihr Feingespür für die Risiken und Herausforderungen der kommenden Monate zu verlieren.

Den Verbrauchern wiederum sitzt durchaus die Angst im Nacken, zu viel Geld für zu wenig Leistung zu verschleudern – also verschleudern lieber die Händler, und das recht beherzt und wie es scheint auch mit Erfolg. Denn erstens hört man allerorts, dass sie mit der Umsatzentwicklung zufrieden sind.

Und zweitens zeigen die Ergebnisse der aktuellen Frage des Monats, Stand Ende März/Anfang April im Vergleich mit jenen aus Oktober 2008, dass es zwar noch immer 57 % der 500 Befragten sind, die über „eher zu hohe" Lebensmittelpreise klagen. Doch als interessantes Detail der von Info Research International für CASH durchgeführten Frage ist grundsätzlich zu bewerten, dass weniger Leute angeben, ihr preisaffines Einkaufsverhalten „öfter wie früher" zu praktizieren.

Ein Beispiel dafür ist, dass im Oktober 2008 noch 38 % angaben, öfter wie früher beim Diskonter einzukaufen. Aktuell sind es 29 %. Parallel dazu geben 64 % an, gleich oft beim Diskonter einzukaufen, 2008 waren dies 57 %.

Preise nicht mehr senken?

Trotz der uns täglich um die Ohren flatternden Schlagzeilen von Arbeitslosigkeit und in die Krise geschlitterten Unternehmen dürfte dies offenbar die Menschen noch nicht völlig davon abgebracht haben, den Wert von Lebensmitteln anzuerkennen. Was den Ergebnissen der Frage des Monats folgend nicht heißt, dass man auf Rabatte verzichten will. Aber es antworten beispielsweise auf die Frage, ob sie früher öfter Handelsmarken wie Clever oder S-Budget gekauft haben, heuer 39 % mit „Ja", im Vorjahr waren dies 42 % der Befragten.

Im Vergleich zur Oktober-2008-Erhebung hat sich die Lage etwas beruhigt, kommt Info Research International-Geschäftsführer Fritz Alexander zum Schluss – was eben auch ein Blick auf die Tabellen zeigt: Die rot dargestellten Werte sind die Vorjahreswerte und führen auch zu dieser Frage: Ist es in der Minute überhaupt notwendig, die Preise noch weiter abzusenken?

Die Antwort wird naturgemäß individuell ausfallen, je nachdem, welche Überraschung die Händler beim Blick in die tägliche Umsatzstatistik erleben.

Die Verbraucher haben jedenfalls, auch das geht aus der Befragung hervor, keine Lust, weniger zu kaufen wie früher: Das sagen nämlich aktuell nur 3 %. Im Oktober des Vorjahres haben 14 % angegeben, weniger zu kaufen wie früher. Damals haben sich übrigens auch 17 % als stärkere Angebots- bzw. Aktionskäufer wie früher deklariert, heuer sind es 20 %. Offenbar hat es der Lebensmittelhandel mit seinem Preis-Leistungs-Angebot geschafft, dass sich das Einkaufsverhalten der Konsumenten mit zunehmender Angst vor der Krise noch nicht dramatisch verändert hat. Dass sich die Verbraucher jedoch in einem noch dichteren Rabattdschungel auch pudelwohl fühlen würden, davon ist auszugehen. Vielleicht sollte man aber mit der „Verdichtung" trotzdem noch zuwarten.

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