KSV1870: Immer weniger Insolvenzen
 
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Immer weniger Insolvenzen

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Insolvenzen in Österreich 2017 © KSV1870
Insolvenzen in Österreich 2017 © KSV1870

2017 verringerte sich die Zahl insolventer Unternehmen um 3,8 % gegenüber 2016, bei Privatpersonen gar um 17 %; hier erhöhte sich aber die Einzelverschuldung.

2017 waren es 2.997 Unternehmen, über die ein Insolvenzverfahren an einem der 16 Handelsgerichte (Landesgerichte in Handelsgerichtsbarkeit) eröffnet wurde, was ca. 12 Verfahren pro Gerichtstag entspricht. Betroffen waren ca. 16.200 Dienstnehmer (= ein Minus von 16%), die Verbindlichkeiten nahmen gegenüber 2016 sogar um 38 % ab und sanken auf 1,8 Milliarden Euro. Über das Vermögen von 2.033 Unternehmen wurde kein Verfahren eröffnet, weil die Gerichte das Vermögen für nicht kostendeckend ansahen und weder Schuldner noch Gläubiger in der Lage bzw. bereit waren, einen Kostenvorschuss zu erlegen. Auch dieser Wert liegt unter dem des Vorjahrs, allerdings um nur 1,5 %.

Die knapp über 5.000 insolventen Unternehmen 2017 bedeuten den niedrigsten Wert seit 20 Jahren. 1998 hatte es aufgrund einer Insolvenzrechtsreform (IRÄG 1997) nur 4.816 Fälle gegeben. Grund war damals eine wesentlich längere und aufwändigere Prüfung durch die Gerichte. Bereits im Folgejahr stiegen die Insolvenzen wieder aufgrund eines Nachzieheffekts.

Privatinsolvenz-Bilanz

Bei den Privatinsolvenzen sieht die Jahresbilanz so aus: Im Jahr 2017 wurden insgesamt 6.662 Insolvenzverfahren über natürliche Personen eröffnet, die kein Unternehmen betrieben (das ist um 17 % weniger gegenüber 2016). Die gesamten Schulden betrugen 2017 ca. EUR 913 Mio., das sind minus 11,4 % im Vergleich zu 2016. Die durchschnittliche Einzelverschuldung pro Fall jedoch stieg von den 128.600 Euro des Vorjahrs auf nunmehr 137.000 Euro. Dieser Anstieg wurde von Schuldnern mit hohen Verbindlichkeiten verursacht, die erst nach Inkrafttreten der neuen Rechtslage ab 1. November 2017 ihre Anträge gestellt haben. Generell ist auch der Rückgang der Gesamtanzahl der Fälle über das Jahr 2017 dieser Novelle des Privatkonkurses geschuldet, die ein Zuwarten vieler Schuldner mit ihren Anträgen nach sich zog.

KSV1870-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner analysiert

„Eine sinnvolle Analyse der Auswirkungen wird erst nach einem Jahr möglich sein. Dann wird sich zeigen, ob die Gruppe jener Menschen, auf welche die Novelle abzielte, tatsächlich den Weg zur Schuldenregulierung suchen wird. Es sind dies vollkommen einkommenslose Schuldner und solche mit besonders hohen Schulden. Letztere hatten schon bisher eine reelle Chance auf Entschuldung nach Billigkeit, und sie haben auch regelmäßig Schuldenregulierungsverfahren beantragt. Immerhin stellen ehemalige Unternehmer etwa 30 % aller Privatkonkursanten. Ob jedoch einkommenslose Schuldner tatsächlich in großer Zahl den Weg zum Konkursgericht antreten, ist schon deshalb fraglich, weil bei Ihnen ohnehin nichts zu holen ist und sie keine oder nur geringe Leistungsfähigkeit haben.“
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