Schlecker: Insolvenz nach Plan?
 
Foto: C. Pleschberger
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Die Anzeichen für Finanzierungsschwierigkeiten bei Schlecker hatten sich in den vergangenen Wochen gemehrt. Eine Preisoffensive bei Babyartikeln zu Jahresbeginn in Deutschland sollte das Geschäft noch einmal ankurbeln. Der Versuch ist gescheitert. Jetzt wollen sich die Ehinger über ein Plan-Insolvenzverfahren restrukturieren.

Insider führen die Finanzierungsschwierigkeiten von Schlecker auf den Umstand zurück, dass das Unternehmen in Deutschland in den letzten vier Jahren Verluste geschrieben hat. In den vergangenen Monaten intensivierte der Konzern die Suche nach frischem Kapital bzw. nach einem Finanzinvestor. Dem Vernehmen nach war zuletzt der ehemalige Edeka-Vorstand Alfons Frenk im Auftrag von Schlecker auf der Suche nach Geldgebern unterwegs. Dass die Schlecker-Eigentümer nunmehr ein Plan-Insolvenzverfahren anstreben, werten manche als Zeichen dafür, dass es bereits neue Investoren gibt. Es könnte aber auch die Eignerfamilie versucht sein, das Unternehmen über die Planinsolvenz wirtschaftlich wieder auf gesunde Beine zu stellen. In einer knapp gehaltenen Presseaussendung hieß es lediglich, dass die weiter notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen im zeitlich gesetzten Rahmen nicht weiter umgesetzt werden könnten, da eine geplante Zwischenfinanzierung nicht realisiert werden konnte. Nun soll die Restrukturierung im Rahmen der eines Plan-Insolvenzverfahrens fortgesetzt werden. Ein entsprechender Antrag liegt dem zuständigen Amtsgricht in Ulm inzwischen vor.

Die Geplante Insolvenz



Die sogenannte „geplante Insolvenz“ entspricht nach österreichischem Wirtschaftsrecht dem Sanierungsverfahren mit Eigenverantwortung, wie sie zuletzt Mirko Kovacs für seinen Mischkonzern A-Tec erfolglos anstrebte, und bedeutet, dass Schlecker einen Antrag auf Insolvenz stellt und diesen direkt mit einem Vorschlag für die Sanierung verbindet. Folgen die Gläubiger dem Plan, bleibt die alte Geschäftsführung im Amt und der bestellte Insolvenzverwalter wird nur begleitend tätig. Ziel ist der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze. Ob es den Ehingern allerdings gelingt, die Gläubiger tatsächlich zu überzeugen, bleibt abzuwarten. So z.B. hat Markant laut Bericht der Financial Times Deutschland bei Gericht bereits Bedenken angemeldet.

In ihrer Pressemitteilung versichert die Firmenleitung von Schlecker, dass der Geschäftsbetrieb vorerst unverändert weiterlaufe. Auch die Zahlung der Mitarbeitergehälter sei im Rahmen des Insolvenzausfalls-Geldes gesichert.

Schicksal von Schlecker Österreich derzeit noch ungewiss



Zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch  unabsehbar sind die Auswirkungen auf das Österreich-Geschäft. Schlecker unterhält hierzulande ein Netz von 950 Filialen mit rund 3.000 Mitarbeitern. Im Interview mit CASH im Juli 2011 sprachen Meike und Lars Schlecker noch von einer vorbildlichen und weit überdurchschnittlichen Entwicklung von Schlecker in Österreich. Experten schließen einen Anschlusskonkurs jedoch nicht aus, da wichtige operative Geschäftsfelder wie der Einkauf eng mit Deutschland verbunden sind.
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