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Jahresrückblick/Kommentar

Willys Jahresrückblick 2021

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Nicht nur als regelmäßiger Leser meines allwöchentlichen Wochenrückblicks samt Podcast, dem Wissensvorsprung für die Ohren auf cash.at, wissen Sie natürlich Bescheid über dieses komische Jahr 2021, ist es doch auch an Ihnen keineswegs spurlos vorübergegangen. Ich möchte daher hier an dieser Stelle nur kurz zusammenfassen.

Rücktritte. Die österreichische Politik erinnert an die guten alten Puch Waffenräder und an deren Bremsmechanismus. Unmittelbar nach den Silvesterfeierlichkeiten wirft Arbeits- und Familienministerin Aschbacher das Handtuch und tritt wegen Plagiatsvorwürfen zurück. Abgeschrieben im wahrsten Sinne des Wortes. Ihr folgt Kocher. Im April tritt völlig ausgebrannt Gesundheitsminister Anschober zurück, wird durch den in Turnböck qualmen den Mückstein ersetzt. Und im Oktober wird Bundeskanzler Kurz aufgrund massiver Korruptionsvorwürfe rund um gekaufte Umfragen zurückgetreten und der völlig verblüffte Schallenberg als Nachfolger eingeteilt. Auch Schallenberg gibt es nicht mehr, zumindest nicht als Kanzler. Sehr wohl jedoch wieder als Aussenmnister, da fühlt er sich sicher wohler. Nehammer folgt ihm als Bundeskanzler, ihm folgt Dollfuß-Museumswärter Karner als Innenminister. Da Blümel auch die Finanzen hinwirft, springt der langjährige Beamte Brunner ein und übernimmt den heiklen Job als Hüter unseres Schatzes. Auch der lange Faßmann wird abgesetzt, ihm folgt der langhaarige Pollaschek. Der Föderalismus feierte ein spektakuläre Wiederauferstehung.

Überraschung. Biden löst Trump als US-Präsident ab, die Taliban übernehmen Afghanistan und der Juli mutierte weltweit zum heißesten Monat seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen, allen Klimaerwärmungsleugnern zum Trotz. Sowohl die Vereinigten Arabischen Emirate als auch China und die USA überraschten die Marsmännchen mit unbemannten Raumsonden auf ihrem eigenen Planeten und das unendlich weite Geschäftsfeld des Weltraumtourismus wurde von Elon Musk und anderen unendlich Reichen feierlich eröffnet. Teufelszeugs. Es gab jede Menge Schlangen in Klos und Duschen, jede Menge Schlangen und Drachen in der Politik sowie jede Menge Frauenmörder, was auch die hartgesottendsten Kriminalisten erschreckt. Sind doch auch einige von ihnen darunter. Unter den Teufelnwohl gemerkt, nicht unter den Opfern.
„Viele Wirte sperrten vorne zu und hinten auf und/oder boten ihr Lieferservice in den Gastgärten an. “

Maskenball. Kulturmäßig saßen nach dem Wiederaufsperren nur noch Masken im Publikum, nach dem ultimativen Gesichts-Striptease wieder der Lockdown und während des Lockdowns wiederum der große Grant rund um nie ausbezahlte Gagenentschädigungen. Gegen Jahresende sind Theater wieder offen, von der Bühne aus blickt man aber dennoch nur in ein statisches Maskenmeer. Auch nicht wirklich befriedigend.

Kulinarrisch. Von vielen als Narretei erachtet, sperrten die vifen Wirte im Lockdown vorne zu und hinten auf, lieferten dieselben, weil Abholung und Lieferung erlaubt waren, in den eigenen Gastgarten und hielten sich Gäste als temporäre Mitarbeiter mit expliziter Neigung zum dienstlichen Durchjausnen. Und: Da die Seilbahn-Gondeln offen haben dürfen, verlagern sich viele Geschähte und Dienstleistungen in dieselben. Klain, aber fein. Und a bisserl eng.

Landungsbruch. Noch bei winterlicher Eiseskälte stürzt der fesch gekleidete Adler ab, bei Frühlingstemperaturen blockiert die Ever Given den Suezkanal und somit auch die heimische Vollversorgung mit Waren Made in China, im Hochsommer wurde eine Studie bekannt, die das derzeitige Schulsystem für die Einsamkeit und Depressionen der Kids verantwortlich macht und gerade jetzt im Herbst – und das hat jetzt wirklich nichts mit Kickl, Impfgegnern und Coronaleugnern zu tun – erfuhren wir, dass unsere Gehirngröße in den letzten 3.000 Jahren sukzessive abgenommen hat. Womit ich Ihnen ein sorgenfreies Restjahr samt sanftem Hinübergleiten ins nächste Coronajahr wünsche!

Ihr Willy Zwerger
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