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Coverstory: Nielsen LEH-Strukturdaten 2008

Kein Grund zur Panik

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Das Plus im Lebensmittelhandel überschritt 2008 endlich wieder die 4-Prozent-Marke und pendelte sich bei 4,2 Prozent ein. Rewe, Spar, Hofer und Lidl wuchsen sogar noch stärker als der Markt. Kleiner Wermutstropfen: Die Anzahl der Geschäfte ist zwar weiterhin rückläufig, aber die Fläche steigt.

Dieses Wachstum sei laut Dorothea Hagenauer-Stattmann, Director Retailer Services bei Nielsen, größtenteils auf Preissteigerungen bei Molkereiprodukten und Grundnahrungsmittel in den ersten drei Quartalen des Jahres 2008 zurückzuführen, wobei es gegen Ende des Jahres zu einer massiven Trendwende kam, die sich auch im ersten Quartal 2009 fortsetzte. Hagenauer-Stattmann: „Das Wachstum von 3,9 Prozent im Dezember 2008 bedeutete dank gesunkener Inflationsrate auch ein leichtes mengenmäßiges Wachstum.“

Interessant dabei ist, dass die im Herbst begonnene Wirtschaftskrise ziemlich massiv auf das Einkaufsverhalten der Konsumenten einwirkte, was jedoch keineswegs, so wie viele prognostizierten, ausschließlich den Diskontern zugute kam. „Denn“, so Hagenauer-Stattmann, „der gesamte LEH hat sehr rasch auf das neue Szenario reagiert. Der Konsument konnte zwischen neuen Eigenmarkenprodukten in der Preiseinstiegslage und vielfältigen Aktionsangeboten für Markenartikel wählen. Dabei konnten wir zwei Phänomene beobachten: Einerseits erleben Grundnahrungsmittel einen kleinen Boom, da die Menschen mehr zu Hause bleiben und sich selbst und ihre Freunde verwöhnen. Und andererseits kaufen die Menschen bewusst entweder preisgünstig oder hohe Qualität“. Diese Wahl kann – je nach persönlicher Vorliebe – pro Warengruppe durchaus unterschiedlich ausfallen. Und: Das Vertrauen in eine starke Marke ist eindeutig wieder am Steigen, was automatisch mit sich führt, dass jene Artikel, die weder Preis- noch Qualitätsführerschaft aufweisen, massive Probleme bekommen.

Ketten übernehmen Nahversorgung
Insgesamt wurden im LEH im Jahr 2008 16,6 Milliarden Euro Umsatz nach Endverbraucherpreisen lukriert (2007: 15,9 Mrd.) und das in insgesamt 5.949 Geschäften. Womit die Anzahl der Outlets erstmals unter die magische 6.000er-Grenze gefallen ist, waren es doch 2007 noch 6.076 Geschäfte – das bedeutet ein Minus von 2,1 Prozent bzw. 127 Standorte. Hagenauer-Stattmann: „Betrachtet man jedoch die Gesamtfläche, so ist ein leichtes Wachstum von 0,7 Prozent zu verzeichnen, was  automatisch in einer höheren Flächenproduktivität der bestehenden Geschäfte resultiert.“

Wie auch die letzten Jahre bereits zu beobachten, finden die Strukturbereinigungen in Form von Geschäftsschließungen vor allem bei den selbstständigen Kaufleuten statt, die filialisierten Ketten hingegen setzen nach wie vor auf Expansion und Neueröffnungen. Nicht unwesentliches Detail am Rande: Damit übernehmen sie automatisch sukzessive die klassische Nahversorgerfunktion. „Was unter anderem daran liegt“, erklärt Hagenauer-Stattmann, „dass wir europaweit aufgrund unserer Topografie eine der höchsten Filialdichten aufweisen“.

Weniger Outlets, mehr Fläche
Interessant ist auch die Betrachtung der Geschäftsgröße. Denn die insgesamt 3.198 Outlets (2007 waren es noch um 65 weniger) des Geschäftstyps Supermarkt (400 – 1.000 m2) sowie alle Filialen der beiden Diskonter Hofer und Lidl repräsentieren mehr als die Hälfte (53,7 %) der heimischen Geschäfte und decken mit 64,7 Prozent knapp zwei Drittel des LEH-Umsatzes ab, wobei Hofer und Lidl dafür 23,3 Prozent beitragen.

Mit einem Anteil von 40,2 Prozent die zweitgrößte Gruppe der Geschäfte bilden die 2.391 Standorte der Outlets unter 400 m2, die gerade einmal 11,9 Prozent des Umsatzkuchens erhaschen. Kein Wunder also, wenn es 2007 noch um 199 mehr gegeben hat.

Die 2.515 selbstständigen Kaufleute von Spar, Adeg, Nah&Frisch und alle nicht Organisierten repräsentieren im Übrigen 42,3 Prozent der Geschäfte sowie mit 2,3 Milliarden Euro Umsatz einen Marktanteil von 13,9 Prozent. Was gegenüber 2007 einen Umsatzrückgang von 1,1 Prozent und einer Schließungsrate von 5,3 Prozent bedeutet.  

Auf der Großfläche (Verbrauchermärkte jenseits der 1.000 m2) sind derzeit 360 Standorte verzeichnet, um 7 mehr als im Jahr zuvor. Ihr Umsatzanteil beträgt ebenfalls eher magere 23,5 Prozent, was im Europaranking nur fürs letzte Drittel reicht. Hagenauer-Stattmann weiß warum: „Die ist eindeutig in unserer strengen Raumordnung zu suchen.“

Die großen Drei
Mit einem Umsatzplus von 6,4 Prozent (Spar), 5,7 Prozent (Hofer) und 5,3 Prozent (Rewe) wuchsen die Top 3 nicht nur stärker als der Markt, sondern bauten sie ihren Vorsprung auf alle anderen Handelsketten weiter aus. Die Rewe (Billa, Merkur, Penny und Sutterlüty) ist mit einem Marktanteil von 30,3 Prozent und 15 neuen Standorten unangefochtene Nummer 1 am Markt und hält derzeit bei 1.403 Filialen.

Die Spar eröffnete 17 neue Standorte und hält bei einem Marktanteil von 28,3 Prozent und bei momentan 1.438 Outlets, die sich aus 52 Märkten der Vertriebslinie Interspar, 7 Maximärkten, 165 Eurospar- und 1.214 Spar-Märkten (Eigenfilialen + selbstständige Kaufleute) zusammensetzen.

Die Nummer 3 am Markt, der Diskonter Hofer, wuchs etwas geringer als in den Jahren zuvor, steigerte aber dennoch seinen Marktanteil von 19,7 auf 19,9 Prozent. Das Filialnetz wurde um 14 Outlets auf insgesamt 424 vergrößert, wobei Hofer nach wie vor sowohl die höchste Flächenproduktivität als auch den höchsten Kundenloyalitätsgrad aufweisen kann.

Nah&Frisch sowie Zielpunkt verlieren Anteile
Etwas rückläufig (von 5,5 auf 5,3 %) ist trotz Umsatzplus (1,1 %) der Marktanteil der ZEV-Markant-Gruppe mit den LEH-Outlets der Handels-unternehmen Pfeiffer/Unimarkt, Kastner/Brückler, Kiennast und Wedl, deren Geschäftsanzahl sich von 966 auf 948 Outlets reduzierte. Wobei sich die Übernahme von einigen Adeg-Standorten erst 2009 auswirken wird. Detail am Rande: Umsatzmäßig etwas besser als die Gruppe entwickelten sich die unter Pfeiffer-Flagge firmierenden Unimärkte – sie wuchsen um 1,8 Prozent.

Weiter auf Talfahrt befindet sich die Adeg, die ihren Umsatzanteil von 5,5 Prozent auf 4,5 zurückschrauben musste, was im Prinzip damit begründet ist, dass 107 Standorte aufgrund der Erfüllung von EU-Auflagen der Wettbewerbsbehörde im Rahmen des Übernahmeverfahrens durch die Rewe abgegeben werden mussten. Somit bleiben 586 Outlets, die 2009 zwar weiter Adeg-gebrandet, jedoch Rewe-gesteuert agieren.

Nach dem Auslaufen der Plus-Schiene und voller Konzentration auf die Marke Zielpunkt samt Neupositionierung als Diskont-Supermarkt blieb die österreichische Tengelmann-Tochter mit einem leichten Plus von o,7 Prozent praktisch umsatzstabil, musste aber dennoch einen Marktanteilsschwund von 4,5 auf 4,3 Prozent hinnehmen. Das Filialnetz wurde um 14 Outlets auf 351 reduziert, die Fläche um 4,5 Prozent erweitert.

Lidl mit stärkstem Wachstum
Das höchste prozentuelle Wachstum sämtlicher Handelsketten, nämlich 11,6 Prozent, verzeichnete Lidl, der deutsche Diskonter kommt damit auf einen Marktanteil von 3,4 Prozent. Die Gründe dafür: einerseits über Flächen-expansion und andererseits über starke Zuwächse im bestehenden Filialnetz.

Lidl eröffnete 2008 10 neue Filialen (+ 6 %) und hält derzeit bei 178 Outlets.
Bleibt noch die Gruppe, die von Nielsen als „Übriger Lebensmittelhandel“ bezeichnete wird, also MPreis + jene Kaufleute, die keiner Kette angehören.

Auch hier ein bekanntes Bild: Trotz gestiegener Umsätze (+ 1,8 %) gingen Marktanteile (von 4,2 auf 4,1 %) und Outlets (von 665 auf 621) verloren. MPreis hingegen entwickelte sich weiter äußerst positiv, konnten die Tiroler doch 2008 ihren Expansionskurs fortsetzen und ihre Standorte von 146 auf 152 ausbauen.

Drogeriemärkte: plus 4,4 Prozent
Ein ähnliches Umsatzwachstum wie der LEH konnten 2008 die Dorgeriemärkte verzeichnen. Trotz rückläufiger Filialanzahl (von 2.040 auf 2.034) steigerten Bipa, dm & Co den Umsatz von 1,5 auf 1,567 Milliarden Euro. Hintergrund: Während Schlecker 22 Filialen geschlossen hat, wurden bei Marktführer Bipa 11 und bei dm 5 neue Outlets eröffnet. Und: „Das Umsatzplus im DFH“, weiß Dorothea Hagenauer-Stattmann, „ist real deutlich höher als im LEH, da die Drug-Warengruppe kaum von Preissteigerungen betroffen war“.

1. Quartal 2009
Abschließend noch einige Facts zum 1. Quartal 2009. Die Preisreduktionen setzten sich fort und das Wachstum bremste sich bei einer Inflationsrate von 1,1 Prozent mit 0,4 Prozent nominell deutlich ein. Wobei an dieser Stelle angemerkt werden muss, dass Ostern und somit die Ostergeschäfte 2008 noch ins erste Quartal fiel, 2009 hingegen ins zweite. Hagenauer-Stattmann über die Auswirkungen der Krise: „Eine Kaufzurückhaltung im LEH aufgrund der Krise können wir nicht beobachten. Die Konsumenten sind – wie wir anhand unseres Vertrauensindexes sehen – zwar pessimistischer als noch vor einem halben Jahr, allerdings ist das gesunkene Vertrauen auf gestiegene Angst um den Arbeitsplatz zurückzuführen. Die persönliche Finanzlage jedoch wird noch als stabil beurteilt.“

Alles in allem: kein Grund zur Panik, weder im LEH, noch im DFH. Im Gegenteil – im Gegensatz zu vielen anderen Branchen ist eher Freude angebracht.
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