Drogerie- und Parfümeriehandel: Kleiner Luxus...
 
Drogerie- und Parfümeriehandel

Kleiner Luxus ganz groß

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Wenn der große Luxus nicht mehr leistbar ist, lebt der kleine auf. 2008 war für den Drogerie- und Parfümeriehandel ein sensationelles Jahr. Auch heuer darf die Branche wieder mit Umsatzsteigerungen rechnen. Von Kaufzurückhaltung ist in den Outlets von Bipa, dm & Co. nämlich bislang wenig zu merken.

Mit einem nominellen Umsatzplus von 5,2 Prozent endete das Jahr 2008 für den heimischen Drogerie- und Parfümeriehandel geradezu sensationell. Vom gesamten heimischen Marktvolumen, das vom Spezialisten für Standortberatung und Marktanalysen RegioPlan Consulting auf rund 3,8 Milliarden Euro geschätzt wird, flossen im vergangenen Jahr knapp 2,2 Milliarden Euro (60,5 %) in die Kassen der Marktteilnehmer. Davon wiederum schöpften allein die Big Five der Branche – Bipa, dm, Schlecker, Marionnaud und Müller – rund 1,84 Mrd. Euro ab.
Der Lebensmittelhandel, der zahlreiche Produkte aus dem klassischen Kernsortiment der Drogerien, wie z.B. Zahnpasten, Duschgels oder Hygieneartikel, führt, büßte gegenüber der Vorjahresperiode einen halben Prozentpunkt ein und naschte bei knapp 35 Prozent des gesamten Marktvolumens mit, der Rest wurde in Apotheken (3 %) und im Fernhandel ausgegeben (2 %). „Jedoch wird der Anteil des LEH zu Gunsten der Spezialisten mittelfristig wohl weiter in Richtung 30-Prozent-Marke sinken“, schätzt RegioPlan Leiter Consulting Michael Oberweger. Der Grund: Drogerien wie Parfümerien bieten den Verbrauchern ein wesentlich breiteres und tieferes Sortiment und sorgen mit attraktiven Zusatzleistungen und Serviceangeboten auch für entsprechende Frequenz in ihren Outlets.

Bipa: starke Nummer 1



Sehr gut gelungen ist dies zuletzt etwa der Rewe Tochter Bipa (s. Infobox). „Der Marktführer konnte nicht nur seinen Umsatz deutlich steigern, sondern auch an Produktivität zulegen, sprich: Das Umsatzplus war größer als der Flächenzuwachs“, hält Michael Oberweger fest. Entsprechend gut gelaunt ist Bipa-Geschäftsführer Hubert Sauer. Auch die Entwicklung im laufenden Geschäftsjahr bereitet dem Boss der Drogeriesparte des Rewe-Konzerns keinerlei Kopfzerbrechen. „Bislang findet die Krise ohne uns statt“, äußert sich Sauer zufrieden. Gut von den Kunden aufgenommen wird laut Sauer auch das Konzept der bipa Styling Lounge, das Hairstyling, modernes Make-up sowie trendiges Nageldesign durch Top-Profis abstellt.  Nicht zuletzt deshalb ist Sauer zuversichtlich, bis Jahresende noch etliche weitere Kunden zu echten Bipa-Fans konvertieren zu können.

dm: Best in Services



Den Trend zu Dienstleistungen, Service und Beratung hat Mitbewerber dm frühzeitig erkannt. Das Unternehmen ist im abgelaufenen Geschäftsjahr flächenbereinigt ebenfalls weiter gewachsen. Mit mehr als 190 Friseur- und 110 Kosmetikstudios ist dm nach wie vor der größte Friseur- und Kosmetikanbieter im Land (s. Infobox). Die Dienstleistungen sind es auch, die wesentlich zu den jährlich steigenden Gewinnen beisteuern. dm-Geschäftsführer Martin Engelmann will diese besonderen Angebote daher auch weiter pflegen und ausbauen. Nach seinen Vorstellungen sollen entsprechende Angebote deshalb künftig in allen neu eröffneten und vergrößerten Filialen zu finden sein. Zudem will dm auch seine Alleinstellung in den Bereichen Ernährung und Nahrungsergänzung weiter ausbauen. Darüber hinaus hofft Engelmann nach wie vor, das Sortiment im Bereich der frei verkäuflichen Arzneimittel früher oder später ausweiten zu können.

Stagnierende Outletanzahl



Die Filialzahl von dm in Österreich hat sich gegenüber 2007/2008 nicht erhöht. Das dm Filialnetz umfasst hierzulande 354 Standorte (s. Tabelle Branchenkennzahlen). Auch in der Branche insgesamt stagnierte die Outletanzahl zuletzt, was Michael Oberweger insbesondere auf die Bemühungen von Schlecker in Sachen Standortoptimierung zurückführt. Der hat eigenen Angaben zufolge im Jahr 2008 allein in Österreich 30 Filialen geschlossen. Neben der Restrukturierung seines Filialnetzes ist der Drogeriemarktdiskonter derzeit auch noch an einer weiteren Front um Schadensbegrenzung bemüht. Die Gewerkschaft wirft dem Unternehmen seit Längerem Missstände in puncto Arbeitsbedingungen seiner Filialmitarbeiter vor. Diese hätten sich in den vergangenen vier Jahren zwar leicht verbessert, nach wie vor gäbe es jedoch zahlreiche Unzulänglichkeiten, etwa im Bereich arbeitsrechtlicher Standards, moniert der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft Druck-Journalismus-Papier, Karl Poyer. Aktuell verzeichnet er einen Anstieg der Anfragen von Beschäftigten wegen Versetzungen und Kündigungen aufgrund von Filialschließungen. Ob die Kunden aus diesem Grund verstärkt zum Mitbewerb abwandern, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Dass derlei Negativschlagzeilen dem Image von Schlecker nicht förderlich sind, ist unbestritten.

Parfümerien: über Durchschnitt



Außer Zweifel steht auch das überdurchschnittliche Abschneiden des Parfümeriehandels im letzten Jahr. Müller, L’Occitane und Lush konnten ihre Umsätze laut Michael Oberweger zum Teil deutlich steigern, „jedoch hauptsächlich über die Fläche“ und Parfümerie-Marktführer Marionnaud legte, ähnlich wie Bipa, nicht nur beim Umsatz, sondern auch bei der Produktivität zu. „Marionnaud hat mittlerweile über 800.000 Vorteilskunden, das ist schon ein klares Statement für uns“, freut sich Geschäftsführer Markus Reichenspurner. Kundennähe und -vertrauen sind für ihn die halbe Erfolgsmiete. „Wir fokussieren deshalb auch im nächsten Jahr auf Kundenbindung und Beratung“, lässt der Chef der Parfümeriekette wissen.

Wachstum voraus



Unterm Strich betrachtet sind die Zukunftsaussichten für die Sparte jedenfalls günstig. „Der Branche kommt der sogenannte Lipstick-Effekt zugute, also der Umstand, dass sich die Konsumenten in der Krise den kleineren Luxus sehr wohl gönnen, wie z.B. einen teuren Lippenstift statt eines noch viel teureren Schmuckstücks“, erklärt Michael Oberweger. Ein Plus von drei Prozent für 2009 ist aus seiner Sicht daher durchaus realistisch. Damit dürfte sich der Drogerie- und Parfümeriehandel vermutlich besser entwickeln als der Handel insgesamt. Zukünftiges Wachstumspotenzial sieht RegioPlan-Manager Oberweger primär in der ertragreicheren Bewirtschaftung bestehender Flächen – zu erreichen beispielsweise über die Verbesserung des Außenauftritts oder die weitere Optimierung des bestehenden Sortiments. Eine klare Absage erteilt er dem reinen Flächenwachstum, zumindest im Inland. „Die große Expansionswelle ist vorbei“, so Oberwegers nüchterne Analyse.

Gewußt-wie Drogerien
Nachgefragt bei Vorstandsobmann Hans Figar


CASH: Herr Figar, wie geht es den Gewußt-wie Drogerien aktuell?



Hans Figar: Wir haben die sogenannte Krise bisher nicht gespürt. Das um Geschäftsschließungen und -eröffnungen bereinigte Umsatzplus per Ende August beträgt 2,4 Prozent.

Hält der Trend zu Gesundheit und Naturkosmetik weiterhin an und wie geht es der hochwertigen Systemkosmetik?



Der Trend zur Gesundheit hält weiter an. Die Systemkosmetik dagegen stagniert auf hohem Niveau. Hier ist eindeutig die Tendenz zu spüren, dass sich der Konsument zwar auch in Krisenzeiten Luxus gönnen möchte, aber teilweise zu günstigeren Marken greift oder überhaupt auf Naturkosmetik umsteigt, weil diese ebenfalls im Trend liegt und in der Regel auch preislich günstiger ist.

Was macht Sie zuversichtlich, dass die Gewußt-wie Drogerien den großen Filialisten auch weiterhin erfolgreich Paroli bieten können?



Weil wir mit unserem Fokus auf Gesundheit und Schönheit einzigartig und unvergleichlich sind. Außerdem zählen unsere Mitarbeiter zu den Besten der Branche. Sowohl was die Ausbildung betrifft als auch die Herzlichkeit gegenüber den Kunden. Ein zusätzlicher Faktor, den kein Filialist wettmachen kann ist, dass unsere Geschäfte von Unternehmerpersönlichkeiten geführt werden. Kein Filialleiter kann den Unternehmer vor Ort ersetzen.

Bipa: Starke Nummer 1
Mit 560 Filialen und mehr als 3.000 Mitarbeitern steigerte Bipa seinen Umsatz im Geschäftsjahr 2008 um über 6 Prozent auf 650 Mio. Euro und konnte damit seine Marktführerschaft auf einem Marktanteil von 41,2 Prozent (Nielsen Zensus, DFH) ausbauen. Die Einführung der Mitarbeiterbeteiligung am Unternehmenserfolg im Jahr 2008 führte zu einer Auszahlung von 1,6 Mio. Euro an alle Mitarbeiter – zusätzlich zu allen bestehenden Gehaltsbestandteilen, und die Mitarbeiterförderung bleibt bei Bipa weiterhin Schwerpunkt. Erst im Juni des Jahres wurde das neue, rund 400 m2 große Bipa-Ausbildungszentrum am Wiener Rennweg eröffnet.

Quelle: Unternehmensangaben



DM: Best in Services
dm konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/2009 mit seinen verbundenen Ländern (100-prozentige Tochterunternehmen von dm Österreich in Ungarn, Tschechien, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien  und Bulgarien) erneut einen fulminanten Umsatzzuwachs auf 1,463 Mrd. Euro (2007/2008: 1,344 Mrd. Euro) erzielen. 579 Mio. Euro setzte dm mit 354 Filialen und 5.086 Mitarbeitern in Österreich, 884 Mio. Euro mit 762 Filialen und 7.081 Mitarbeitern in den verbundenen Ländern um.
Im Inland ist dm weiterhin größter Friseur- und Kosmetik-anbieter. Derzeit sind 191 Outlets in Österreich mit einem dm Friseur- und 110 Filialen mit einem dm KosmetikStudio ausgestattet. In 34 dm-Filialen gibt es zudem eine dm GesundePause Frischetheke. Auch in Zukunft setzt dm auf Zusatzleistungen bzw. Serviceangebote. Künftig sollen in allen neu eröffneten und vergrößerten Filialen Dienstleistungsangebote zu finden sein.

Quelle: Unternehmensangaben



Drogerie- und Parfümeriehandel:
Branchenkennzahlen

ParameterJahr 2008Veränd. vs. VJ
in Prozent
Umsatz2.288 Mio. €+5,2 %
Verkaufsfläche566.324 m2+2,8 %
Outlets2.879+0,2 %
Marktteilnehmer (Outletanzahl): Bipa (557), dm (354), Schlecker (1.150), Douglas (43), Le Duigou (8), L'Occitane (19), Lush (6), Marionnaud (99), Mona (11), Müller (25), Nägele&Strubell (17), Roma (115), The Body Shop (14), Yves Rocher (19), Gewußt wie (83)
Quelle: RegioPlan, DP BranchenReport 2009




RegioPlan Leiter Consulting Michael Oberweger: „Die Konsumenten schätzen die Sortimentstiefe, die ihnen Drogerie- und Parfümeriehandel bieten, mehr und mehr.“© Foto: RegioPlan
Foto: RegioPlan
RegioPlan Leiter Consulting Michael Oberweger: „Die Konsumenten schätzen die Sortimentstiefe, die ihnen Drogerie- und Parfümeriehandel bieten, mehr und mehr.“© Foto: RegioPlan


Markus Reichenspurner, Managing Director Marionnaud Austria & Switzerland: „Der Trend in unserer Branche, den auch wir täglich leben, ist nach wie vor die persönliche Beratung.“© Foto: Marionnaud
Foto: Marionnaud
Markus Reichenspurner, Managing Director Marionnaud Austria & Switzerland: „Der Trend in unserer Branche, den auch wir täglich leben, ist nach wie vor die persönliche Beratung.“© Foto: Marionnaud


Hans Figar, Gewußt-wie Vorstandsobmann© Foto: Gewußt-wie
Foto: Gewußt-wie
Hans Figar, Gewußt-wie Vorstandsobmann© Foto: Gewußt-wie
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