Kommentar: 2054?
 
Kommentar

2054?

Sabine Klimpt

In 35 Jahren schreiben wir das Jahr 2054, vor 35 Jahren war es das Jahr 1984. Zukunftsforscher, selbst die besten, trauen sich nicht mal ansatzweise vorherzusagen, wie die Welt in 35 Jahren aussehen wird. Zu stark waren die Veränderungen der vergangenen Jahre. Es mag pointiert sein, dass L’Oréal-Chef Jean-Paul Agon im Juni in Vancouver gesagt hat, seine Welt habe sich in den letzten fünf Jahren mehr verändert als in den vergangenen 50 Jahren, aber irgendwie hat er Recht. 1984 gab es in Österreich nur zwei internationale Handelsketten, Metro und Hofer/Aldi, alle anderen waren in österreichischem Familienbesitz. Die Läden waren deutlich spartanischer ausgestattet, der Wettlauf um das beste Frischeangebot startete in den 90er-Jahren, der Wettbewerb um das schönste Design erst im 21. Jahrhundert. Seither haben die Händler viel Geld investiert, um Einkaufserlebnisse zu schaffen. Vergebens? Liegt die Zukunft wirklich im E-Commerce? Nicht alles, was in der Vergangenheit vorhergesagt wurde, hat sich erfüllt. Seit mehr als zehn Jahren wird von Location-based Services als Marketinginstrument gesprochen, bislang ohne besondere Begeisterung seitens der Konsumenten. Wer will schon eine SMS auf seinem Handy, wenn er an einem Laden vorbeigeht? Der Kühlschrank, der selbstständig Waren über das Internet ordert, wurde vor mehr als 20 Jahren im Metro Futurestore gezeigt, bis jetzt hat sich das nicht durchgesetzt.
„Nicht alles, was in der Vergangenheit vorhergesagt wurde, hat sich erfüllt. “
Dagmar Lang

Andererseits ist der Kunde durchaus bereit, Innovationen anzunehmen, wenn sie einen echten Mehrwert bringen, sein Leben deutlich vereinfachen wie zum Beispiel alle Technologien, die den Check-out-Prozess verkürzen. Gerade in einem Land, in dem die Flächendichte so groß ist wie in Österreich, ist der Mehrwert bei E-Commerce noch überschaubar. Das Befüllen eines Onlinewarenkorbes mit kleinteiligen Lebensmitteln ist längst noch nicht so convenient wie das Bestellen von Tennisschuhen über die  Nike App. Für die Handelsmanager wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre sein, bei der Digitaliserung die richtige Balance zu finden. Als führendes Fachmagazin wollen wir Sie dabei weiter gerne unterstützen, in dem wir relevante Themen beleuchten, Spreu vom Weizen trennen, Sie nicht zumüllen, weder Print noch online. Apropos online: wir schenken uns zum 35. Geburtstag eine neue Plattform. Sie wird Anfang November online gehen. Damit wir Sie noch besser, schneller und präziser informieren können. Aber wir sind überzeugt, dass Sie uns auch noch viele Jahre in gedruckter Form haben wollen.

Herzlichen Dank für Ihr Vertrauen
Ihre Dagmar Lang

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