Kommentar: Der Geschmack von 2020
 
Kommentar

Der Geschmack von 2020

Manstein Verlag / Sabine Klimpt

Gerade jetzt lesen Sie von mir bereits das dritte Editorial. Wir haben schon den zweiten Volllockdown hinter uns gebracht. Einige softere auch.

Wahrscheinlich haben wir heute schon drei Mal unsere Hände desinfiziert, Menschen nicht umarmt, wie selbstverständlich die Maske auf- und wieder abgenommen, Abstand gehalten. Wir nähern uns dem Silvestertag, an dem wir ein Glas Schaumwein halten und schnaufen können, was war das für ein Jahr! Ja, was war das für ein Jahr?

Ich, als eine der Optimaloptimistinnen, beginne mit ein paar Dingen, um die uns das Jahr 2020 bereichert hat: Die ­Gewissheit, in wie vielen Formen Arbeit ­stattfinden kann. Isoliert, digitalisiert, kurzarbeitisiert, komplett desinfiziert, vollzeitverlängert, krisenstabintensiviert, und so weiter. Neue Beziehungen und Beziehungsweisen aller Art sind entstanden. Ich habe ein außergewöhnliches Team mit einer beeindruckenden Motivation gewonnen, eine neue Aufgabe in einer bewegenden Branche. Ich habe Menschen über den Bildschirm kennengelernt, wir haben so viel gelacht, dem Vorurteil zum Trotz, dass man das Zwischenmenschliche in Besprechungen via Videokonferenz so schlecht hinüberbringen kann.
Wie glauben Sie, wird der heurige Wein schmecken? Was wird dieser Jahrgang 2020 für einer sein? Außergewöhnlich, werden die Weinbauern sagen. Wie jedes Jahr. Doch die Natur hat sehr viel hineingepackt in dieses Jahr, in die Reben wie in die Leben.

„Heben wir uns die Erkenntnisse aus 2020 im geistigen Keller auf.“
Margaretha Jurik

Natürlich haben wir heuer auch wichtige Menschen aus den Augen und sogar aus der Welt verloren. Wir haben Jobs, Aufgaben und Gewohnheiten verloren, vielleicht auch einmal den Mut, hoffentlich nicht die Hoffnung. Nehmen wir es doch wieder mit dem Wein, heben wir uns die Erkenntnisse aus 2020 im geistigen Keller auf. Für einen besonderen Moment, an dem wir ihn öffnen. Noch einmal Revue passieren lassen, was da alles drinsteckt. In unserem außergewöhnlichen Dezember-Heft steckt auch enorm viel drinnen:

Die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit auch 2020 ein wegweisendes Thema ist, ein vollgepacktes Special liegt dieser Ausgabe bei. (Karl Stiefel war hier federführend). Ein Report über den Drogeriefachhandel, der dieses Krisenjahr zum Teil wirklich gut gemeistert hat (von Nataša Nikolic, ab S. 42). Wir haben lang und breit mit Gerhard Drexel von Spar geplaudert, es ist wohl sein Abschiedsinterview in dieser Funktion (S.20). Die Verpackungsbranche spiegelt die bewegten Zeiten in allen Facetten wider (von Willy Zwerger, S.86). Wir haben außergewöhnliche Persönlichkeiten unter besonderen Bedingungen mit dem UDO ausgezeichnet (von Stefan Pirker, S. 32). Wir haben tief in vielversprechende Sortimente geblickt, die immer noch gerne ausgeblendet werden (von ­Christina Grießer, S. 72.). Und wir haben zurückgeblickt, Daniela Purer hat das behutsam und umfangreich gemacht (S. 39). Mit meinem dritten Editorial, ganz ohne das Wort Corona zu erwähnen (Mist, nun also doch), darf ich Ihnen von Herzen ein anständiges Weihnachtsfest wünschen, und einen gesunden Start in einen glücklichen neuen Jahrgang. Es wird ein außergewöhnlicher werden.

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