Kommentar: Flasche leer, Payment her
 
Kommentar

Flasche leer, Payment her

Manstein Verlag / Sabine Klimpt

Das Einwegpfand kommt fix und viele bedeutende Stakeholder sprechen sich mittlerweile dafür aus. Um ein wirklich modernes Pfandsystem aufzustellen, fehlt allerdings die Payment-Branche. Diese könnte einen enormen Mehrwert für das Rückgabesystem und den eigenen Service schaffen.

Rund um das anstehende Einwegpfand sind längst noch nicht alle Fragen geklärt. Ein oft wünschenswertes Feature der nun zu errichtenden Infrastruktur wäre etwa, die leeren Gebinde nicht nur im Handel zurückgeben zu können. So praktisch es klingt, die Wertanlage aus Glas, Plastik und Metall auch bei Gemeindeeinrichtungen oder Bahnhöfen zurückgeben zu können, folgt daraus aber das nächste Problem: Wie handhabt man den finanziellen Aspekt? Dass der Handel einen Bon mit Guthaben für das eigene Geschäft druckt, funktioniert so weit als Teil der Pfand-Infrastruktur mit einer Prise Kundenbindung, doch wie könnten das Nicht-Händler handhaben? Guthaben für die Gemeindeabgaben? Nicht jeder, der Gebinde zurückgibt, wohnt auch dort. Rabatt für Öffi-Tickets? Nutzlos, wenn man diese nicht nutzt.

Eigentlich bräuchte es eine zentrale Stelle, in der das Pfand erfasst und rückerstattet wird. Und genau das gibt es bereits – allerdings nicht in Österreich, sondern ausgerechnet in Entwicklungsländern. "Plastic Bank" heißt die aus Kanada kommende Firma, die in Ländern wie Ägypten, Indonesien oder den Philippinen das Plastik-Sammeln zum Nebenjob gemacht hat. Bei den Shops des Unternehmens kann Plastikmüll gegen ein Guthaben getauscht werden, das in einer App erfasst wird. Blockchain sei Dank wird dabei die verfügbare Menge an Altplastik genau erfasst. Die Sammler können ihr verdientes Geld im Shop gegen Lebensmittel oder Handyguthaben tauschen oder sogar das Schulgeld ihrer Kinder damit bezahlen.

In einer abgeänderten Form wäre das Prinzip auch in Österreich absolut denkbar. Wenn man sein Pfandguthaben bei Supermärkten, in Gemeindeeinrichtungen und bei den Öffis gleichermaßen nutzen kann, ergibt sich eine ganz neue Flexibilität. Essenziell ist eben, dass nicht nur eine Nutzung möglich ist (wie aktuell im LEH), sondern eben mehrere. Das wertet das System ungemein auf und damit steigt auch die Nutzung. Aber für diesen Mehrwert braucht es eben Vernetzung – nur gibt es die bereits in Form der Payment-Anbieter. Wenn eine solche App die Unterstützung dieser Dienstleister hat, wäre die Akzeptanz des digitalen Pfand-Geldes bereits enorm.

Wichtig wäre allerdings, dass im Bargeld-Land Österreich auch Münzen und in manchen Fällen sogar Scheine bei Rückgabe der Pfand-Gebinde ausgezahlt werden. Nicht jeder wird eine solche App – so praktisch sie auch sein mag – nutzen und ein Pfandsystem muss so inklusiv wie möglich sein. Hier gilt es, zu hinterfragen, wie eigentlich Pfand von welchen Konsumentengruppen zurückgegeben werden. Ältere Semester bleiben tendenziell bei den klassischen Wegen, die sie bereits von Mehrweggebinden kennen: der Bon im Supermarkt kommt halt nicht aus der Mode. Junge Personen hingegen hätten sicher eine größere Nutzerdichte bei der App und so müssen die von ihnen häufiger frequentierten Rückgabepunkte auch einen stärkeren Fokus auf die digitale Geldbörse legen. Denkbar wäre etwa, dass bei manchen Annahmestellen kein Bargeld, sondern nur App-Guthaben ausgezahlt wird. Das darf aber wegen der erwähnten Inklusion nur sehr punktuell genutzt werden.

Sie sehen also: Ein tolles Feature, das wir aus anderen Teilen der Welt übernehmen könnten. Damit ließe sich das Pfandsystem maßgeblich aufwerten und der Convenience-Faktor wäre enorm. Der Handel wäre entlastet, die Rückführungsquote ließe sich steigern und die Kunden wären zufriedener. Alles, was es dafür braucht, wäre Zusammenarbeit an den richtigen Stellen.

Mehr zu dem Thema Einwegpfand erfahren Sie in der Coverstory der Oktober/November-Ausgabe von CASH.

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