Kommentar: Halten Sie durch!
 
Sabine Klimpt

Langweilig ist unser Redaktionsalltag ja eigentlich nie. Selbst im Homeoffice und während der coronavirusbedingten Ausgangsbeschränkungen hat uns das Branchengeschehen ganz schön auf Trab gehalten. Der Informationsbedarf war noch höher als sonst und die Ereignisse haben sich quasi stündlich überschlagen. Und auch kurz bevor sich viele in den wohlverdienten und heuer etwas anderen Urlaub verabschieden, geht es nochmal heiß her in der Welt des Handels.

Die Spar macht sich bereits jetzt fit für die Zukunft und stellt den neuen Vorstand vor, der den eingeschlagenen Erfolgsweg ab 2021 weitergehen soll. Die Rewe International restrukturiert wieder um und bündelt die Verwaltung von Billa und Merkur in der neuen Zentralorganisation Billa Merkur Österreich, setzt dabei auf Regionalniederlassungen und will zukünftig deutlich schlagkräftiger werden. Und dann kündigt prompt am Tag, an dem wir unsere Sommerausgabe in die Druckerei abgeben, auch noch Mediamarkt/Saturn das Ende der Marke Saturn und deren Umfirmierung in MediaMarkt an.

Sie sehen also, von Stillstand oder Ruhephase ist keine Rede und es steht uns ein durchwegs spannender Herbst bevor. Das ist eigentlich nichts Neues, aber er wird uns im Ausnahmejahr 2020 nach einem sehr anspruchsvollen ersten Halbjahr wohl noch deutlich stärker herausfordern, als es in der Vergangenheit der Fall war. Und zwar auf unterschiedlichsten Ebenen. Ich denke da zum einen an den Preiskampf, der mit Sicherheit an Schärfe zulegen wird. Angesichts von Rekordarbeitslosigkeit und Kurzarbeit rücken Aktionen wieder verstärkt in den Fokus der Verbraucher und jeder wird die Gunst der Stunde für sich nutzen wollen, sich das beste Preis-Leistungs-Verhältnis auf die Fahnen zu heften. Es ist wirklich zu hoffen, dass die Preise nicht in den Keller rasseln und man sich nicht gegenseitig zu weiteren Preissenkungen hochschaukelt, so wie das in unserem Nachbarland Deutschland derzeit der Fall ist. Und so bleibt es auch spannend, ob die Rewe International wirklich an ihrem eingeschlagenen Kurs, den Aktionsdruck zu verringern, festhalten wird können. Und dann stellt sich auch noch die Frage, inwieweit die Eigenmarken der Händler den Druck auf die Herstellermarken erhöhen und ob die Konsumenten, die es sich trotz aller Widrigkeiten am Arbeitsmarkt leisten können, bei regionalen, Bio- und nachhaltig hergestellten Produkten auch dann zuzugreifen, wenn der danebenstehende Artikel, der nicht auf diese Attribute setzt, preislich deutlich attraktiver ist.

Das passt eigentlich auch ganz gut zur vielzitierten Eigenverantwortung. Es zeigt sich leider, dass der eine oder andere es damit nicht so genau nimmt, wenn man an Abstandsregeln und das Tragen von Mund-Nasen-Schutz denkt. Das anfängliche aufeinander  Rücksichtnehmen ist vielerorts wieder dem puren Egoismus gewichen. Schade eigentlich, denn nur wenn alle an einem Strang ziehen, kann die Wirtschaft wieder zu alter Stärke zurückfinden, auch wenn wir dafür alle noch sehr viel Geduld brauchen werden,
meint Ihre
Michaela Schellner

„Das CASH-Team wünscht Ihnen einen schönen Sommer und bitte bleiben Sie gesund!“
Michaela Schellner


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