Kommentar: Der ungeschickte Maskenfall
 
Kommentar

Der ungeschickte Maskenfall

Manstein Verlag / Sabine Klimpt

Das Spiel mit der Maske wird auf der falschen Bühne gespielt. Denn es ist nicht Aufgabe des Handels, die Gesellschaft mit Sicherheitsausrüstung zu versorgen oder Verordnungen zu überprüfen oder sogar zu exekutieren.

"Die Masken, die Sie suchen, sind ausverkauft. Aber wir haben noch andere, die sind grad im Angebot." Klar, weil sie keiner mehr braucht. In meiner Heimatgemeinde unweit von Wien sind in allen drei Supermärkten die FFP2-Masken vergangenen Freitag und Samstag ausverkauft. "Keine Sorge, am Montag haben wir wieder welche", waren die beruhigenden Worte. Doch halt: "Warten´S, ich hab so viele, mei' Nachbarin hat mir die gegeben. Sie können eine von mir haben", klingt ein Herr an der Kassa neben mir beinahe wie ein Dealer verbotener Stoffe. Doch warum das alles?

Als die Bundesregierung die Verschärfung der aktuellen Verordnung kundtat, und die FFP2-Maske zum verpflichtenden Begleiter an Orten der Öffentlichkeit wie im Handel oder in den Verkehrsmitteln machte, fand man die spitzen Mundkörbe aus weißem Synthetik-Stoff nur vereinzelt an besonders vorsichtigen oder verantwortungsvollen Gesichtshälften.

Aufschrei! Denn ab Montag, den 25. Jänner müssen alle Handelsketten Österreichs diese FFP2-Masken an ihre Kunden verkaufen, zum Selbstkostenpreis.

Aufschrei! Die Handelsketten, die noch nicht über eingefleischte Lieferantenbeziehungen verfügten, konnten sich nicht vorstellen, wie sie so schnell an Masken in dem Ausmaß kommen sollten. Damit wurde die geplante "Abgabepflicht" abgewendet.

Aufschrei! Nun gibt es doch eine Wettbewerbsverzerrung, wer Masken braucht, geht doch auch dort einkaufen, wo es Masken gibt. Vereinzelt bekamen frühzeitig Hamsternde die Masken in Apotheken (um stolze 8 Euro), auch im Handel (schon um 3 Euro gesehen) oder im Internet (alle möglichen Preise). Manche bestellen in Österreich, es sollen die besten Maskenqualitäten sein, dann sind auch die Europäischen recht toll, nur die chinesischen Erzeugnisse seien wieder einmal nicht so super.

Aufschrei! Kann sich nicht jeder leisten, die Bundesregierung gab an, besonders Bedürftigen die Masken kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Kurz darauf gab Hofer die Richtung vor, der Diskonter verlautbarte zuerst den für sich festgesetzten Selbstkostenpreis von 59 Cent.

Aufschrei! Zu spät informiert, andere zu früh informiert, woher nehmen? Die anderen zogen nach, orientierten sich an dem Preis des Erstschreienden, mittlerweile verschenken Spar und Rewe die FFP2-Masken schon.

„Warum soll ausgerechnet der Handel für das Verteilen der FFP2-Masken aufkommen? Und vielleicht auch noch kontrollieren, ob sie richtig sitzen?“
Margaretha Jurik
Lassen Sie mich hier in all dem Aufgeschreie unterbrechen, ich verstehe ja einige Vorgehensweisen hierzulande nicht, doch warum soll ausgerechnet der Handel für das Verteilen der vorgeschriebenen, die Gesellschaft und sich selbst schützenden FFP2-Masken aufkommen? Millionen davon bestellen? Verteilen? Verkaufen, und zwar so, dass kaum Kostendeckung für alle möglich ist? Vielleicht auch noch kontrollieren, ob sie richtig sitzen? Die Menschen, die keine tragen, müssen auf laut Verordnung geltende Ausnahmen untersucht werden? Schwangerschaft, Atemnot, Asthma? Also ehrlich. Es ist eine Frechheit.

Als Optimistin könnte ich noch ein Kompliment darin ausgraben, weil der Handel die österreichweite Logistik eher auf die Reihe kriegt, als ein Staat und seine Lenker. Denn nicht einmal die Risikogruppe, die per Postboten mit der Maske ausgestattet werden sollte, wurde flächendeckend versorgt.

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