Kommentar: Mehr Wertschätzung bitte!
 
Kommentar

Mehr Wertschätzung bitte!

Markus Wache

Das neue Jahr ist gerade mal zwei Monate jung und es geht schon wieder heiß her in der Branche. Da wäre zum einen das Thema Recycling, das aktuell in der Diskussion rund ums Einwegpfand gipfelt. Ein Lösungsansatz um die von der EU geforderten Sammel- und Verwertungsquoten zu erfüllen, der aber vor allem im Handel auf wenig Gegenliebe stößt. Wenig überraschend, wenn Sie mich fragen, sind doch die Argumente, die dagegen sprechen, durchaus nachvollziehbar. So müssten etwa neue Rückgabeautomaten angeschafft oder bestehende nachgerüstet werden, was nicht nur sehr kostspielig wäre, sondern vor allem kleinere Outlets auch vor ein Platzproblem stellt. Nicht zu vernachlässigen ist dabei auch die Tatsache, dass die bestehenden Sammelsysteme sehr gut funktionieren, Österreich um diese sogar EU-weit beneidet wird und sich schon die Frage stellt, ob nicht zwei parallel laufende Sammelprogramme eher zu mehr als weniger Verwirrung führen. Aber da wären wir halt wieder beim Thema Bürokratie, die ja Österreich bekanntlich in vielerlei Hinsicht ganz gut im Griff hat.

Nichtsdestotrotz: Dass man sich um eine Lösung bemüht, um den Plastikmüll einzudämmen, ist generell schon zu begrüßen. Und deswegen wäre es auch so wichtig, wieder mehr Sachlichkeit in die Debatte zu bringen.Und dazu gehört auch das Signal der Regierung, alle Stakeholder bei der Entscheidungsfindung miteinzubeziehen, nicht vorschnell zu handeln und sich vor allem mit Wertschätzung zu begegnen.

Diese lässt derzeit übrigens auch in der Diskussion um die Lebensmittelpreise zu wünschen übrig. Da schiebt die Landwirtschaft dem Handel medienwirksam die Schuld für die sinkenden Bauerneinkommen in die Schuhe, der wiederum damit argumentiert, dass die Lebensmittelindustrie als größter Abnehmer landwirtschaftlicher Produkte deutlich höhere Margen habe und das von den günstigen Preisen im LEH vor allem die Konsumenten profitieren würden. Und dann wäre da ja noch der Fairnesskatalog der BWB, zu dem sich alle Händler freiwillig bekannt haben.
„Im selben Boot sitzend empfiehlt es sich, in die gleiche Richtung zu rudern. “
Michaela Schellner

Ja, es ist einfach eine Krux, allen Ansprüchen gerecht zu werden und klarerweise will keiner auf seine Margen verzichten. Aber genau da spießt sich das Ganze, denn wenn jeder nur an sich denkt, dann kann sich das am Ende des Tages einfach nicht mehr ausgehen. Die Facts sind jedenfalls klar: Lebensmittel sollen nicht unter ihrem Wert verkauft werden, fairere Preise vor allem für Fleisch- und Milchprodukte sind längst überfällig.

Vielleicht würde es helfen, sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen und dem anderen direkt ins Gesicht zu sagen, was einem missfällt, anstatt es sich über die Medien ausrichten zu lassen. Dann haben wir zwar weniger zu berichten, aber das nehmen wir dann auch gerne in Kauf,
meint Ihre
Michaela Schellner
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