Kommentar: Mut zur neuen Ehrlichkeit
 
Sabine Klimpt

Wie schnell sich alles ändern kann, hat das Coronavirus schonungslos aufgezeigt. Im Kampf gegen diese unsichtbare Bedrohung mussten wir uns alle umstellen und uns an die neuen Gegebenheiten anpassen – ob es uns gefällt, oder nicht. Mein Neffe zum Beispiel vermisst die Schule und seine Freunde und auch mir macht die Reduktion der sozialen Kontakte so langsam zu schaffen. Videotelefonie ist auch im Privaten eine tolle Sache, die ich im Übrigen erst jetzt für mich entdeckt habe, aber sie ersetzt eben keine Umarmung oder ein Treffen Face to Face. Und nach fast sieben Wochen Homeoffice fehlen mir auch meine Kollegen, die wirklich einen großartigen Job machen und auch unter erschwerten Bedingungen nicht müde werden, die besten Storys für Sie zu recherchieren.

Mit diesen erschwerten Bedingungen müssen aber auch Händler und Hersteller aktuell zurechtkommen. Eine echte Herausforderung für alle, die nicht selten  an ihre Grenzen stoßen, wie wir bei den Recherchen für unsere Coverstory, aber auch in den zahlreichen Interviews, die diese Ausgabe prägen, erfahren haben. Da werden plötzlich Dinge offen und ehrlich ausgesprochen, die bisher – wenn überhaupt – nur im stillen Kämmerchen diskutiert wurden. Mir hat das den einen oder anderen Aha-Moment beschert und ich habe meine Gesprächspartner wieder einmal von einer anderen Seite kennengelernt – aber überzeugen Sie sich doch einfach selbst und lassen Sie mich gerne wissen, ob es Ihnen ähnlich ergangen ist.
„In unserer Branche ist von einem neuen Stil zu hören - und das freut mich.“
Michaela Schellner

Dass es zweifelsfrei einiges zu hinterfragen gibt, auch das hat uns die Corona­pandemie ganz klar vor Augen geführt. Ist Wachstum um jeden Preis anzustreben? Muss immer alles billig eingekauft werden? Ist jede klimaschädliche Dienstreise wirklich notwendig? Die Globalisierung gerät ins Wanken, der Ruf nach Regionalem wird lauter. Abzuwarten bleibt jedoch, ob sich diese positive Tendenz auch langfristig in den Um- und Absätzen der Regionalregale widerspiegelt und die Sortimente zukünftig wirklich anders aussehen werden.

Während die Politiker nach einer Phase des an einem Strang Ziehens allmählich wieder in alte Muster verfallen, ist in unserer Branche nach wie vor von einem neuen Stil zu hören. Man begegne sich auf Augenhöhe mit dem nötigen Respekt – sich gegenseitig zu unterstützen werde wieder ganz großgeschrieben. Listungen würden ohne strategisches Hickhack rasch umgesetzt und auch die Diskussion um den Preis sei in den Hintergrund gerückt. Ja, es ist eine Ausnahmesituation, aber eine die zeigt, dass es eben auch anders geht. Und es wäre wünschenswert, wenn dieser Umgang miteinander auch in der Zeit nach Corona so bleibt – denn diese wird kommen, auch wenn wir uns bis dahin wohl noch ein bisschen gedulden müssen,

meint Ihre
Michaela Schellner
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