Kommentar: Viele Wege führen zum Ziel
 
Kommentar

Viele Wege führen zum Ziel

Markus Wache

Trends im Handel und der Industrie kommen und gehen. Der Trend der Nachhaltigkeit wird sich hoffentlich selbst als nachhaltig erweisen – doch dafür braucht es klare Erfolge. Kennzahlen der Kreislaufwirtschaft wie eingespartes CO2, Recycling-Quoten oder reduziertes Plastik sind diesbezüglich gute Eckpfeiler. Aber wie so oft stoßen selbst bei den besten Absichten unterschiedliche Bedürfnisse und Vorstellungen der betroffenen Parteien aufeinander. Im Spannungsfeld zwischen Handel, Industrie und Konsumenten können so die durchaus positiven Zahlen infrage gestellt werden. Natürlich ist es gut, wenn weniger Kunststoff verwendet wird, doch geht das nicht auf Kosten der Sicherheit und Haltbarkeit von Lebensmitteln? Klar ist die Circular Economy zukunftsweisend, doch sind die Kunden auch bereit, dafür einen zusätzlichen Aufwand – etwa bei der Mülltrennung – auf sich zu nehmen? Sicher klingen Rohstoffe aus zertifiziertem Ursprung nach einem guten Prinzip, doch wer trägt im Zweifelsfall die höheren Kosten?


Noch schwieriger wird es bei der sozialen Komponente: Wo Menschen miteinander zu tun haben, kommt es zwangsläufig zu Konflikten. Unterschiedliche kulturelle Verständnisse oder gar eine Sprachbarriere können hierzu beitragen. Nachhaltiges Management schafft in solchen Fällen langfristige Lösungen, doch die Verantwortung darf nicht bei den eigenen Mitarbeitern enden. Berücksichtigt werden müssen auch die Menschen, die in den Beschaffungsmärkten arbeiten – immerhin wären die Rohstoffe ohne sie gar nicht erst verfügbar – in Form einer gerechten Entlohnung, menschenwürdiger Arbeitsbedingungen oder der Wertschöpfung in ihrer Heimat. Je größer die Distanz zu diesen Beteiligten an der Wertschöpfungskette, umso schwieriger wird es, die gesetzten Standards umzusetzen und zu erhalten.

Selbst, wenn die gemeinsamen Ziele aller Teilnehmer der Wertschöpfungskette klar sind, kann sich der Weg dorthin als schwierig erweisen, wenn die jeweiligen Interessen einander in die Quere kommen. Die EINE nachhaltige Lösung gibt es daher nicht. Ein möglicher Konsens liegt jedoch in der stetigen Weiterentwicklung des Themas. Denn erst, wenn Nachhaltigkeit für die Konsumenten einfach, für die Industrie, Händler und Dienstleister profitabel und für die Gesellschaft attraktiv ist, wird sie kein Wegwerf-Trend sein. Diese Faktoren unter einen Hut zu bringen wird manchmal nicht sofort möglich sein und sich oft als schwer erweisen – doch mit dem zunehmenden Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit wird sich das Engagement langfristig auszahlen.

Wenn gemeinsame Ambitionen definiert werden, beschleunigt das den Fortschritt. Zertifizierungen und Labels, wie sie zum Beispiel vom TÜV oder von GS1 angeboten werden, dienen hierbei als Leuchttürme, und helfen bei der Orientierung im nach wie vor undurchsichtigen Nachhaltigkeits-Dschungel. Es braucht in Zeiten der rasanten Veränderung auf dem Gebiet eine präzise Richtung und ein gemeinsames Ziel. Denn nur dann können alle Beteiligten gleichermaßen profitieren.

Meint Ihr
Karl Stiefel
„Je weiter Nachhaltigkeit gedacht wird, umso mehr Anklang findet sie.“

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