Kommentar: Wenn sich zwei streiten ...
 
Markus Wache

... dann freut sich der Dritte – so heißt es zumindest in einem in unseren Breitengraden oft zitierten Sprichwort. Dass das aber nicht immer so ist, zeigt sich beim Blick auf die aktuellen Nielsen Zensus-Daten, über die wir in dieser Ausgabe berichten. Denn Herausforderer Hofer, bekanntlich die Nummer drei der Branche, konnte Marktführer Rewe und seinen direkten Verfolger Spar heuer nicht mehr ganz so stark unter Druck setzen wie in den Jahren zuvor. Damit hat der Diskonter ebenso wie Konkurrent Lidl sein Wachstumstempo etwas verlangsamt. Ganz im Gegensatz zu Wachstumssieger Spar, dem es als einzigem Händler im LEH gelungen ist, seinen Marktanteil auszubauen. Und die Rewe? Sie hat ihre Position gehalten, was nach der rückläufigen Entwicklung im Vorjahr durchaus ein Erfolg ist. Wie teuer erkauft dieser allerdings ist, ist mit Blick auf die starke Promotionintensität rund um zum Beispiel Minus-25-Prozent-Sticker in nahezu allen Vertriebsschienen eine andere Frage.
„Mit Druckaufbau kommt man selten ans Ziel. Mit Finger­spitzengefühl hingegen schon. “
Michaela Schellner

Einen Ausweg aus diesem Dilemma, in dem alle Händler gleichermaßen tief drin stecken, erhofft man sich in Wiener Neudorf vom neuen jö Bonus Club, der ja mitunter dazu beitragen soll, die Rabatte gezielter zu steuern und die Aktionsanteile zu senken. Das neue Multipartnerbonusprogramm erhitzt aber nicht nur die Gemüter von Datenschützern und Konsumenten, sondern auch jene der Lieferanten. Diesen werden nämlich die erhobenen Kundendaten in Form von Marktforschungsservices zum Kauf angeboten, was ja prinzipiell keine schlechte Sache ist. Nur die Art und Weise, wie das ganze vonstatten geht, macht allen Beteiligten wenig Freude. Da werden dem Vernehmen nach zwischenmenschliche Beziehungen und Handschlagqualität, die ja eigentlich die Basis jeder guten Zusammenarbeit sind, mit Füßen getreten, wie Sie in unserer Coverstory samt Interview mit BWB-Chef Dr. Theodor Thanner ab Seite 52 nachlesen können. Und das führt naturgemäß eher selten zum Erfolg, denn wie so oft im Leben erreicht man mit Druckaufbau und Drohungen meist das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen will.

Wenn Sie mich fragen, hätte man das alles auch ganz anders lösen können. Denn wer nicht die Katze im Sack kaufen muss, weil er vorher ausprobieren kann, ob die angebotenen Services wirklich Sinn machen, der ist vielleicht auch eher bereit, in etwas Neues zu investieren. Vielleicht hätte ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl nicht geschadet, meint Ihre Michaela Schellner.
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