Kommentar/Editorial : Zündet die Reservetanks...
 
Kommentar/Editorial

Zündet die Reservetanks!

Manstein Verlag / Sabine Klimpt

Es dämmert. Und das, obwohl die Tage schon spürbar länger sind. Doch der letzte Produktionstag füllt sich mit Aktuellem, das noch ins Magazin muss, mit Grafiken, die umgebaut werden, mit Texten, an denen noch gefeilt wird.

Auch auf den letzten Metern fehlt es Stefan Pirker, unserem Chef vom Dienst, nicht an Eifer, wenn der Titel einer Story noch einen tieferen Sinn braucht, oder zwischen den Korrekturen noch unbedingt ein guter Witz erzählt werden möchte. Das nahe Endergebnis beflügelt, die Laune bleibt hoch, die Stärkung wird exotisch. Es sind die letzten Meter, die uns oft das Stärkste abverlangen.
Wir haben nun schon ein Jahr Corona in den Knochen und auf den Seelen. Von Beginn an wollten wir die Dauer des Ausnahmezustandes mit ein paar Monaten bemessen. 12 Monate und zahlreiche Lockdowns später haben Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zahlreiche Dinge zum ersten Mal getan. Auf Liebes und Wichtiges verzichtet, was als selbstverständlich galt. Wir haben uns neue Rituale antrainiert, an digitale und kontaktlose Freundlichkeiten gewöhnt, Verzicht geleistet, Verantwortung übernommen für Familie, Mitarbeiter, Kollegen und die Allgemeinheit.  Wir sind oft über unsere Grenzen gegangen, haben mehr investiert, oft auch Fehler gemacht.
„Wir werden die Pandemie nicht in die Knie zwingen, aber aus dem Primärfokus holen.“

Die Industrie hat wie alle anderen ­Branchen ein Jahr der Einbußen, Vertriebsverschiebungen und Unsicherheit hinter sich, 2021 ist auch schwierig gestartet. Dennoch, die Marken geben sich selbstbewusst, bringen Innovationen auch in Krisenzeiten auf den Weg, investieren ihr Marketingbudget antizyklisch in Aufmerksamkeit, lassen sich nicht unterkriegen. Wenn auch jede Bilanz mit „coronabedingten Einbußen“ argumentiert wird, stehen neue Umsatzformen, frische Geschäftsfelder und innovative Vertriebsideen auf dem Plan. Wir haben eine Rückschau gewagt, der Optimismus gewinnt, wie Sie auf S. 24f. lesen können. Mit einem ambitionierten Impffortschritt und einer Restportion Kraft werden wir die Pandemie vielleicht nicht in die Knie zwingen, aber aus dem Primärfokus drängen. Wir werden den Reservetank zünden, um dem Endspurt nochmals Fahrt zu verleihen.
Diese Kraft spüren Sie auch in jeder einzelnen Geschichte dieser Ausgabe. Wie Handelsketten sich mit Start-ups zusammenfinden können, um einen gemeinsamen Erfolg zu landen, ohne an Differenzen zu scheitern, hat Nataša Nikolic untersucht. Und Christina Grießer ist den Strategien der Mitfinanzierer guter neuer Ideen auf den Grund gegangen (S. 46ff). Willy Zwerger hat die europäischen Pläne der Entsorgungsplayer unter die Lupe genommen (S. 14) und Karl Stiefel den LEH-Marktführer in Island (S. 12). Doch auch die anderen Artikel sprühen vor Motivation. Wir geben jetzt nicht auf, im Endspurt wird nochmals ein Turbo gezündet- und die letzte Seite kommt korrigiert aus dem Drucker. Mir dämmert, es ist nun nicht mehr weit.
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