Kika/Leiner : Krise vorerst abgewendet
 
Kika/Leiner

Krise vorerst abgewendet

Schoendorfer
kika/Leiner-Geschäftsführer Gunnar George © Schoendorfer
kika/Leiner-Geschäftsführer Gunnar George © Schoendorfer

Kika/Leiner hat die Kurve gekriegt und muss jetzt auf Sparkurs gehen, um den Fortbestand zu sichern. Filialschließungen sind nicht ausgeschlossen.

"Ich bin fest davon überzeugt, dass Kika/Leiner in Österreich eine Zukunft hat", sagt Geschäftsführer Gunnar George bei der Pressekonferenz in Wien. Verantwortlich für die Krise, in die die Möbelhauskette Mitte Dezember 2017 geschlittert war, ist der Mutterkonzern Steinhoff International. Zwischen Steinhoff und den Tochtergesellschaften gibt es ein Cash Pooling, also eine Liquiditätsbündelung, die vom Mutterkonzern verwaltet wird. Zahlungsschwierigkeiten bei der Mutter hatten daher direkte Auswirkungen auf Kika/Leiner, da die Möbelhandelskette nicht auf ihre Gelder zugreifen konnte. Mittlerweile sei sie aus dem Cash Pool ausgestiegen, erklärt der Geschäftsführer.

Als schnelle Notlösung musste im Dezember die, bis dato in Besitz von Steinhoff befindliche Immobilie in der Wiener Mariahilferstraße, den Besitzer wechseln. Zu welchem Betrag das Gebäude an Rene Benko verkauft wurde, konnte George nicht sagen. Nur so viel: "Für Leiner ändert sich nichts am bestehenden Mietvertrag. Die Mietkosten sind gleich hoch, wie vorher."

"Gesundes Unternehmen"
Kika/Leiner war und ist ein gesundes Unternehmen, betont George. Die Liquidität ist für die nächsten 12 bis 24 Monate gesichert. "Es ist uns in den vergangenen Wochen gelungen, die Liquidität für die Zukunft zu sichern. Jeder Kunde wird unverändert seine bestellten Möbel bzw. Küchen geliefert bekommen und jeder Kunde kann bedenkenlos seine Anzahlungen vornehmen.“ Für die nächsten Monate werde ein mehrstelliger Millionenbetrag bereitgestellt, um weitere Effizienzsteigerungen und notwendige Restrukturierungsmaßnahmen anzugehen, so George. Dafür würden rund 50 bis 60 Millionen Euro an Investitionen nötig sein. "Ziel ist es, unser Unternehmen nachhaltig effizient zu gestalten und die Rentabilität sicherzustellen." Nun will der Händler jede einzelne Filiale unter die Lupe nehmen und jene, die nicht gut auf Kurs sind, schlimmstenfalls schließen - wenngleich das, George zufolge, die schlechteste aller Alternativen wäre. Seiner Einschätzung nach, sind es fünf bis sechs ländliche Filialen, die kritisch seien. In den insgesamt 50 Möbelhäusern von Kika, Leiner und Lipo arbeiten hierzulande rund 5.600 Mitarbeiter. 

Die Restruktuierungsmaßnahmen
Die Restrukturierungsmaßnahmen bringen auch Änderungen für die Lieferanten. Hier strebt das Unternehmen eine stärkere Konzentration, sprich Reduzierung der Lieferanten an. George: „Schlanke Prozesse ergeben bessere Preise – für uns im Einkauf und damit auch für unsere Kunden."

Neue EDV-Systeme und ein zeitgemäßes Warenwirtschaftssystems sollen ebenfalls her: "Oft handelt es sich dabei um Maßnahmen, die nach außen nicht als ,weltbewegend' wahrgenommen werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Ausbau des Onlinegeschäftes mit dem Ziel, kika/Leiner als einen der führenden Anbieter im Bereich Multi-/Omnichannel für den Möbelhandel in Europa zu etablieren. In diesem Zusammenhang sind der weitere Ausbau und die Verbesserung der logistischen Prozesse notwendig. Die ersten zwei regionalen Logistikcenter in Wien und Graz sind bereits in Betrieb und der dritte Standort soll in diesem Sommer in Linz-Leonding eröffnet werden. „Eine schnellere Verfügbarkeit der Waren ist heute einfach ein absolutes Muss“, meint der Kika-Leiner-Chef.

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