Agrana: Kritik am Mercosur-Abkommen
 
Agrana

Kritik am Mercosur-Abkommen

Sandro Almir Immanuel/pixelio.de
Zuckerrüben – der Zuckerrohstoff aus Österreich © Sandro Almir Immanuel/pixelio.de
Zuckerrüben – der Zuckerrohstoff aus Österreich © Sandro Almir Immanuel/pixelio.de

Die EU hat mit dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur die gemeinsam zu befahrenden Weichen für die weltweit größte Freihandelszone gestellt. Nicht alle sehen das positiv.

Die kürzlich vereinbarte Freihandelszone zwischen der Europäischen Union und Mercosur (Mercado Común del Sur = span. Gemeinsamer Markt des Südens) wurde vor allem von der europäischen Industrie positiv aufgenommen, abgelehnt wird sie von Landwirten und Umweltschützern. Die Agrana als Industrieunternehmen ist sehr skeptisch und warnt heute in einer Aussendung, dass diese Einigung sich als Zünder für eine Zeitbombe herausstellen könnte. Man bringt zwei Beispiele: Die Mercosur-Vereinbarung sehe zollfreien Marktzugang für südamerikanischen Zucker im Ausmaß von 190.000 Tonnen und damit im Umfang der Produktion einer EU-Zuckerfabrik vor. Und das andere Beispiel: Die EU-Kommission eröffne die Möglichkeit, 560.000 m3 Alkohol für chemische Zwecke mit zwei Drittel weniger Zoll und 250.000 m3 Treibstoff-Ethanol zollfrei zu importieren. Das entspricht insgesamt der dreifachen Kapazität der Agrana-Bioraffinerie in Pischelsdorf; Brasilien ist übrigens Nettoimporteur von Ethanol.

Daher mahnt die Agrana zur Fairness: Für jeden Abbau von Handelshemmnissen müsse grundsätzlich ein Gebot der Fairness gelten, d.h. die Standards – insbesondere bei Umwelt- und Klimaschutz sowie beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – müssten für alle Freihandelsteilnehmer gleich sein. Letztlich gehe es auch um die Konsumenten.

Unterstützung vom Bauernbund

„Unsere Befürchtungen haben sich leider bewahrheitet, wie der Mega-Deal der EU-Kommission mit Mercosur zeigt. Die Leidtragenden eines solchen Vertrages werden die europäischen Bauernfamilien, der Klimaschutz und die Umwelt in Europa wie auch in Südamerika sein“, zeigt sich Bauernbund-Präsident Georg Strasser verärgert über die Vereinbarung. Strasser bringt ebenfalls Beispiele: Wenn stimme, was von den Medien verbreitet werde, nämlich dass bei den vereinbarten Import-Mengen im Agrarsektor etwa beim Rindfleisch eine zusätzliche Quote von rund 100.000 Tonnen vorgesehen sei, dann sei das ein „fauler Kompromiss auf dem Rücken der Bauernfamilien“, so Strasser. Sein Argument: Die historisch gewachsene Struktur der bäuerlichen Familienbetriebe in Europa und vor allem in Österreich müsste plötzlich mit einer großflächigen Agrarindustrie in Südamerika konkurrieren, die auf Masse und Export ausgerichtet ist. Das sei problematisch, denn man würde in den Mercosur-Staaten genau das praktizieren, was in Europa verboten sei: der großflächige Anbau gentechnisch veränderter Organismen.

Marihart warnt

„Die Europäische Kommission zeigt sich mit dieser Zeitbombe wieder einmal großzügig in der Öffnung der europäischen Agrarproduktmärkte und macht gleichzeitig der europäischen Agrarproduktion immer höhere Auflagen, denen die südamerikanische Landwirtschaft nicht unterliegt. Deren Substandards sollen offensichtlich die der europäischen Produktion auferlegten kostspieligen Auflagen kompensieren, damit beim Konsumenten keine höheren Preise ankommen – zu Lasten der EU-Landwirtschaft und deren Verarbeitungsindustrie. Eine Ratifizierung in der vorliegenden Form wäre daher ein politischer Fehler“, warnt Agrana-Generaldirektor Johann Marihart.

Zuckerrohr – der Zuckerrohstoff aus Mercosur © Frank Hüfner/pixelio.de
Frank Hüfner/pixelio.de
Zuckerrohr – der Zuckerrohstoff aus Mercosur © Frank Hüfner/pixelio.de
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