11. EKZ-Symposium: Kunden kaufen selektiver
 
11. EKZ-Symposium

Kunden kaufen selektiver

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Die Besucherfrequenz in den heimischen Shoppingcentern ist gut, doch die Kunden schauen jetzt noch genauer, wofür sie ihr Geld ausgeben - so die oft vertretene Meinung beim 11. Einkaufszentren-Symposium von RegioPlan Consulting.

„Das Geld sitzt nicht mehr so locker, wie noch vor ein paar Jahren. Dieser Satz gilt zurzeit nicht nur für die Konsumentenausgaben sondern in ganz besonderem Maße für die Entwicklung von neuen Shopping-Flächen. Der Immobilienboom der letzten Jahre ist jetzt einmal vorbei und europaweit werden immer mehr Projekte gestoppt, verschoben oder gleich ganz eingestellt. Laut DI Michael Oberweger, Leiter des Consultings bei RegioPlan, kommt es derzeit zu einer Marktbereinigung unter den Einkaufszentren. „In der Vergangenheit wurde beim Bau von etlichen Handelsflächen nicht so sehr auf den Bedarf sondern in erster Linie auf den Profit geachtet", bemerkte Oberweger in Anspielung auf das Motto des 11. EKZ-Symposiums, das diesmal lautete: „Die neue Ära der Shopping Center - Rückbesinnung auf die Konsumenten". Schwächere Einkaufszentren in Randlagen, die sich in einer konjunkturellen Hochphase noch über Wasser halten konnten, hätten nun mit Pleiten zu kämpfen. „Langfristig führt dies zu einer Qualitätsverbesserung der Einkaufszentrenen, wobei besonders gut eingeführte Top-Standorte profitieren werden", so Oberweger.

Retail-Flächen als Spekulationsobjekte

Von einer derzeitigen Beschleunigung des Konzentrationsprozesses der Handelsstandorte sprach auch Reinhard Rausch von der deutschen Management für Immobilien AG (mfi). Die Marktbereinigung kommt für ihn nicht überraschend. „In den letzten Jahren sind schließlich Shopping Center entstanden, die waren ja keine Handelsstandorte mehr sondern reine Handelsobjekte, bei denen es einfach um den gewinnbringenden Verkauf der Immobilie ging. Ich bin froh, dass sich das jetzt geändert hat", so mfi-Vorstand Rausch. Sein Unternehmen managet derzeit 25 Einkaufszentren in Deutschland. Aktuell kann man sich über die Besucherfrequenz in den von der mfi verwalteten Shopping Centern nicht beklagen, betonte Rausch. „Die Konsumenten sind aber deutlich selektiver geworden und vergleichen viel mehr, bevor sie ihr Geld ausgeben", stellte Rausch fest.

Mangelnde Referenzzahlen von Neubauprojekten

Hohe Besucherfrequenzen und zurückhaltende Konsumentenausgaben bei mittel- bis langfristigen Gütern beobachtet auch Mag. Markus Pichler, Managing Director Austria bei Unibail-Rodamco (Shopping City Süd, Donauzentrum, Südpark). Gleichzeitig berichtete er von expansiven Händlern auf der Suche nach Verkaufsflächen. Hier sind seiner Meinung bestehende Standorte gegenüber Neubauprojekten derzeit im Vorteil, weil sie in Zeiten der Risikominimierung Referenzzahlen, etwa Jahresdurchschnittsumsätze pro Quadratmeter, vorweisen können.
Ein solches Unternehmen mit Expansionsbestrebungen ist z. B. der Textil-Diskonter Takko. Laut Harald Kaiser, Expansionsleiter für den CEE-Raum, geht die Ausweitung des Filialnetzes derzeit langsamer als geplant vorran. „In Osteuropa sterben nun etliche Immobilienprojekte leider schneller, als uns lieb ist", so Kaiser. Takko profitiert aktuell von neu gewonnen Kunden, die jetzt vermehrt im Billig-Segment einkaufen. Andererseits leidet man an den Währungsabwertungen in Osteuropa. „Da die Textilien in Dollar oder Euro eingekauft werden, kann es vorkommen, dass wir zum Erreichen der Planzahlen 25 Prozent Währungsabwertung aufholen müssen, ohne die Ware überhaupt noch angeboten zu haben", betonte Kaiser.

Der rote Teppich für den Kunden

Über den Textilverkauf in wirtschafltich schwierigeren Phasen sprach auch Stephan Wölfer von Triumph International. Er macht derzeit die Erfahrung, dass die Kunden wählerischer geworden sind und anstatt von zwei billigeren Produkten, lieber ein hochwertigeres Produkt kaufen. Zur Ankurbelung der Verkäufe setzt Triumph besonders auf die Stammkunden, die man mittels Direct Mailings und Promotions zu speziellen Anlässen (Valentinstag, Muttertag, etc.) nun verstärkt anspricht. Zudem setzt man auf Service und Beratung. „Rollen Sie gerade jetzt Ihren Kunden den roten Teppich aus", so die Aufforderung Wölfers.
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