WWF/Kastner: Lebensmittelverschwendung und ke...
 
WWF/Kastner

Lebensmittelverschwendung und kein Ende

WWF/D. Heizmann
V.l.: Philipp Hietler (Ökologie-Institut), Herwig Gruber (Kastner Gruppe), Olivia Herzog (WWF)
V.l.: Philipp Hietler (Ökologie-Institut), Herwig Gruber (Kastner Gruppe), Olivia Herzog (WWF)

Eine am vergangenen Donnerstag veröffentlichte Studie von WWF Österreich, Kastner und dem Österreichischen Ökologie-Institut erhebt erstmals Zahlen für die Lebensmittelverschwendung im Großhandel.

Auch für einen unvoreingenommen berichten wollenden Redakteur ist das Ergebnis dieser Studie einigermaßen ernüchternd: Pro Jahr landen im Sektor Großhandel insgesamt 10.300 Tonnen Lebensmittel im Wert von 21,5 Millionen Euro im Müll. Das erhöht auch die Zahl der gesamten vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Österreich: Zumindest 587.000 Tonnen sind es entlang der Wertschöpfungskette, wobei trotz des Schließens der Großhandel-Lücke immer noch die Zahlen der Landwirtschaft fehlen.
„Besonders erschreckend sind die Mengen an verschwendeten Fleisch-, Fisch- und Wurstwaren sowie Milch- und Molkereiprodukten. Im Gastronomiegroßhandel mit Abholmarkt machen sie 37 Prozent der Lebensmittelabfälle aus. Der ökologische Rucksack dieser Produkte ist riesig – er befeuert die Klimakrise und bringt unsere Artenvielfalt an ihre Grenzen. Jedes Kilogramm Lebensmittel ist eine wertvolle Ressource aus der Natur, die auf keinen Fall im Müll landen sollte“, sagt Olivia Herzog, WWF-Sprecherin für nachhaltige Ernährung.
Die Gründe für Lebensmittelverschwendung im Großhandel seien insbesondere die Überschreitung des Mindesthaltbarkeitsdatums, die Beschädigung im Lager oder beim Transport und Reklamationen. Unzureichende Lagerplanung führe unter anderem auch bei Getränken zu hohen Abfallmengen. Großhändler, die einen Abholmarkt haben („Cash and Carry“), wiesen größere Abfallmengen auf als jene ohne Abholmarkt, so ein paar der Ergebnisse, die der Studienautor und wissenschaftliche Mitarbeiter des Ökologie-Instituts Philipp Hietler präsentiert hat. Großhändler Kastner war Praxispartner bei dieser Studie und hat seine seine Unternehmensabläufe genau beobachtet, über Monate hinweg die anfallenden Lebensmittelabfälle gemessen und einen Workshop mit Mitarbeiter verschiedener Bereiche abgehalten, um die Fülle und Art der Daten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Um die Kirche im Dorf zu lassen: Mit rund zwei Prozent am gesamten Aufkommen ist der Großhandel zwar nur für einen kleinen Teil der Verschwendung entlang der Wertschöpfungskette verantwortlich, nichtsdestotrotz gilt es auch hier, die Mengen an verschwendeten Lebensmittel zu reduzieren. Die oben angeführte Quote ist schon beträchtlich. Im Zuge des Kooperationsprojekts hat man aber auch Reduktions-Strategien erhoben: „Es braucht eine klare Unternehmensstrategie zur Lebensmittelabfallvermeidung sowie die Umsetzung von wirkungsvollen Maßnahmen im Kerngeschäft. Es können Lebensmittel, die trotz aller Bemühungen nicht im Wirtschaftskreislauf gehalten werden können, an soziale Einrichtungen oder Weiterverarbeitungsbetriebe abgegeben werden“, erklärt Experte Hietler.
„Essen darf nicht für den Mist sein. Wir brauchen dringend einen verbindlichen Aktionsplan mit ambitionierten Reduktionszielen entlang der Wertschöpfungskette. Nur so können wir die Lebensmittelabfälle bis 2030 um die Hälfte reduzieren, wie es die UN-Nachhaltigkeitsziele vorgeben“, regt Olivia Herzog resümierend an.
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