Lehrlingsspecial: Lehrlingssituation in Pande...
 
Lehrlingsspecial

Lehrlingssituation in Pandemiezeiten

Dmitry Ratushny/unsplash.com

Die Arbeitssituation in Österreich ist derzeit nicht einfach, was sich auch auf die Lehrlinge auswirkt. Dennoch werden zahlreiche Maßnahmen gesetzt, um die Lehrstellen zu halten, und eine Ausbildung zu ermöglichen. Auch offene Lehrstellen gibt es.

 
Die Coronaviruskrise hat Spuren in der österreichischen Wirtschaft hinterlassen. Derzeit sind nach Angaben des AMS etwa 520.900 Menschen arbeitslos, und damit um circa 113.000 Personen mehr als im Vorjahr. Ein Negativ-Trend, der sich auch im Ausbildungsbereich beobachten lässt. Im sogenannten Corona-Jahr 2020 ist die Anzahl an Lehrlingen im Allgemeinen um 0,6 Prozent auf etwa 108.400 zurückgegangen, derer die sich im ersten Ausbildungsjahr befinden sogar um 5,6 Prozent auf knapp 32.000 (exkl. überbetrieblicher Lehre). Aus Sicht der Wirtschaftskammer hätte es hier aber noch schlimmer kommen können, der Lehrlingsbonus für Betriebe hätte dem entgegengewirkt. Der Rückgang sei aber nicht nur auf die Coronaviruskrise zurückzuführen, die Zahl der Auszubildenden wäre schon in den Vorjahren rückläufig gewesen. Das hängt unter anderem mit Geburtenschwachenjahrgängen zusammen. Ein Sondereffekt war auch, dass 2020 Schüler mit Fünfern im Zeugnis aufsteigen durften, was zu weniger Schulabbrechern geführt hat, die sonst vielleicht ihren Weg in die Lehre gefunden hätten.

Handel als verlässlicher Arbeitgeber

Besonders eingebrochen ist der Ausbildungsbereich in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft. Stabiler sieht es in der Sparte Gewerbe & Handwerk aus. Im Bereich des Handels zeigen sich zwei Gesichter. Generell gehört der Handel zu den größten Lehrlingsausbildern in Österreich, das auch während der letzten Monate. "Handelsbetriebe sind auch in der Krise sehr verlässliche Ausbildungsbetriebe. Das bestätigt die aktuelle Statistik: Ende 2020 zählte der österreichische Handel 15.105 Lehrlinge. Trotz Corona und der wiederholten Schließungen aufgrund von Lockdowns wurden damit lediglich 1,2 Prozent oder 178 Lehrlinge weniger beschäftigt als Ende 2019. Ein Grund, warum die Zahl der Lehrlinge nahezu stabil gehalten werden konnte, ist sicher auch die Kurzarbeit. Sie erweist sich als wirksames Kriseninstrument zur Sicherung von Beschäftigung", sagt Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich.

Dennoch lassen sich gerade im Bereich des Handels coronabeding Unterschiede feststellen. Denn während der Non-Food-Handel von den Schließungen im Lockdown stark betroffen ist, was sich wiederum auf die Ausbildung auswirkt, geht es dem Lebensmitteleinzelhandel gut. Hier wird, trotz Pandemie, wie auch in den Jahren zuvor händeringend nach Lehrlingen gesucht. Und eine Lehre im Lebensmitteleinzelhandel bietet eine Reihe von Vorteilen, weiß Trefelik: "Es handelt sich um eine Ausbildung zu einem besonders krisensicheren Beruf, wie sich derzeit einmal mehr zeigt. Denn Lebensmittel werden immer gebraucht und damit auch das Personal im Lebensmittelhandel. Eine Lehre in der Branche ist aber auch deshalb sehr attraktiv, weil sie den jungen Leuten gute Perspektiven gibt. Mit entsprechender Weiterbildung kann der berufliche Aufstieg zum Filialleiter und Abteilungsleiter bei größeren Händlern sehr rasch gelingen. Die Betriebe bieten hierzu auch sehr gute interne Ausbildungs- und Personalentwicklungsprogramme an."
„Eine Lehre in der Branche ist aber auch deshalb sehr attraktiv, weil sie den jungen Leuten gute Perspektiven gibt.“
Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel der WKÖ

Die Ausbildungsmöglichkeiten im Lebensmitteleinzelhandel sind vielfältig und reichen vom klassischen Einzelhandelskaufmann/-frau über Bäcker bis hin zum IT-Spezialisten. Positiv entwickelt hat sich - nicht zuletzt, weil krisenbedingt viele Betriebe verstärkt auf Online-Präsenz setzen - der neue Lehrberuf E-Commerce-Kaufmann/-frau. Hier gab es Ende des Vorjahres bereits 163 Lehrlinge.

Lehrling sein während Corona

Die aktuelle Situation hat natürlich auch Auswirkungen auf den Alltag eines Lehrlings. So gelten auch hier die gängigen Schutzmaßnahmen. Außerdem kann auch ein Lehrling in Kurzarbeit geschickt werden. Allerdings müssen grundsätzlich 50 Prozent der Ausfallszeit für ausbildungs- bzw. berufsrelevante Ausbildungsmaßnahmen verwendet werden, im aktuellen zweiten Lock-Down ist diese Ausbildungsverpflichtung aber ausgesetzt. Das Gehalt muss dennoch in voller Höhe ausbezahlt werden. Eine Verlängerung der Lehrzeit aufgrund der Kurzarbeit ist nicht erlaubt.

Was die Berufsschule betrifft, ist sowohl Präsenzunterricht als auch Distance Learning möglich. Über die Präsenzform werden die Lehrlinge rechtzeitig informiert. Lehrabschlussprüfungen sowie Prüfungen der Meisterprüfungsstellen finden statt, es soll dabei aber auf die besondere Situation im Zusammenhang mit der Corona-Krise Rücksicht genommen werden.

Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Seite der WKÖ: https://www.wko.at/service/bildung-lehre/corona-verschiebung-pruefungstermine.htmlOder auf der Homepage des Wirtschaftsministeriums: https://www.bmdw.gv.at/Themen/International/covid-19/Informationen-f%C3%BCr-Lehrlinge.html

Wer 2021/2022 eine Lehrstelle antreten will, sollte sich frühestmöglich darum kümmern, das gilt gerade in einer so schwierigen Zeit am Arbeitsmarkt, empfiehlt das AMS. "Wer an einer Lehrausbildung interessiert ist, sollte möglichst schon zu Beginn eines Kalenderjahres nach einer Lehrstelle suchen, auch wenn das Ausbildungsverhältnis erst im oder nach dem Sommer angetreten werden kann – vor allem, wenn ein bestimmter Lehrberuf und dieser womöglich in Wohnortnähe gewünscht wird. Wer sich erst nach Schulschluss nach einer Lehrstelle umsieht, muss mit höherem Konkurrenzdruck rechnen", heißt es dort.

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