25. BVL Logistik-Dialog: Logistik braucht Mut
 
25. BVL Logistik-Dialog

Logistik braucht Mut

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 © BVL
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Das holistisch angedachte Generalthema des Jubiläums-Dialogs der BVL, „Mut in der Logistik – mit ganzheitlichen Lösungen zu nachhaltigem Erfolg“ ist nicht nur voll aufgegangen, sondern zeigte mit viel Optimismus die Wege in die Zukunft.

In Anbetracht der eher düsteren Prognose, dass die Volumina dramatisch zurückgehen werden, dass mitunter massive Geschäftseinbrüche auch noch die nächsten Monate und möglicherweise sogar Jahre die Logistikbranche begleiten werden, und dass Preisverfälle und Kapazitätsüberschüsse zum Alltag gehören werden, lag es offensichtlich im Interesse von Veranstalter und Referenten, durchwegs positive Stimmung zu verbreiten. BVL-Präsident Christian Skaret mit ganz klarer Botschaft: „Wir müssen und werden lernen, mit den neuen Bedingungen gut und effizient umzugehen."

Nix Blödes lesen!

Für den Vorstandsvorsitzenden der BVL Deutschland, Prof. DI Raimund Klinkner, gibt es nur ein Ziel: Nachhaltigkeit. Und zwar ökonomisch – natürliche Ressourcen vor der Ausbeutung schützen, ökologisch – Artenvielfalt, Klimaschutz und Kulturen der Nachwelt zu erhalten, sowie sozial – ein Ausgleich sämtlicher sozialer Kräfte soll eine zukunftsfähige Gesellschaft sichern. Klinkner im Klartext: „Die Zukunft heißt Green Logistics."

Etwas außerhalb des Protokolls, jedoch voll und ganz im Sinne der allgemeinen positiven Botschaft, bewegte sich Edelfeder Helmut A. Gansterer. Aus seinen angekündigten „10 Geboten für mutige Logistiker" wurde spontan ein mitunter wirklich witziger Vortrag über „Erfahrungen mit sich selbst".

So erfuhren wir also allerhand über das richtige Umgehen mit uns selber, mit Lob und Anerkennung, mit Egoismus und mit Geld. Aber auch, dass das Gehirn am meisten Energie verbraucht, dass man nur am Ort seiner Leidenschaft gut arbeiten kann, dass der richtige Schlaf wichtig ist, dass Fernsehen das Gehirn ausschaltet und träge macht, jedes Buch hingegen das Gegenteil bewirkt. Ganz wichtig jedoch, und da zitierte er Ernst Jünger: „Nix Blödes lesen!"

Zum Thema „Mut in der Logistik" brachte die anschließende Podiumsdiskussion nicht wirklich Neues, interessant waren jedoch einerseits die Aussage von DI Walter Hitziger, Vorstand der Post AG für Brief&Logistik: „Nur die Mutigen lernen Veränderungen zu managen" und andererseits von Prof. Dr. Peer Witten, Aufsichtsratsvorsitzender der HHLA: „Ganz wichtig ist in Zeiten wie diesen die Beschäftigungssicherung. Denn der Aufschwung wird kommen und dann brauchen wir die besten Fachkräfte."

23 Millionen Kunden

Erstmals in Kooperation mit CASH ging ein Dialogblock zum Thema „Courage im Handel" über die Bühne, mit Dkfm. Milan Frühbauer als Moderator sowie den Logistikern Andrew Thorndike von Primondo und DI Andreas Bayer von der Rewe Group Austria als Referenten. Primondo als Mutterkonzern von Quelle, HSE24 und etlichen anderen Nonfood-Ketten mit weltweit über 4 Milliarden Euro Umsatz und 23 Millionen Kunden muss in der Supply Chain 200.000 Menschen koordinieren, 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche. Thorndike zum Thema Kosten: „Die Supply-Chain-Kosten sind nicht mehr handlebar, eine optimale Kostenredkuktion kann nur durch Auslagerung erfolgen." Und: Die größte Gefahr geht vom E-Commerce aus, da es im Internet keine Sortimentsgrenzen gibt. Hier muss man weg vom Massenmarkt, hin eher zu Luxusgütern. Wobei die mit Abstand erfolgreichste Schiene jene der Eigenmarken ist.

Um etliche Dimensionen kleiner ist der Logistik-Part von Österreichs größter Supply Chain, nämlich die der Rewe Group Austria. Andreas Bayer setzt dabei nicht nur auf ökonomische Performance-Verbesserungen, sondern in hohem Maße auch auf ökologische. Neben dem vermehrten Einsatz der Schiene (gemeinsam mit Gebrüder Weiss) bei Lieferungen in den Westen Österreichs und der Euro 5-Technologie bei den 300 eigenen und 100 fremden Lkw ist es vor allem der Einsatz von Doppelstockauflegern (mit 84 Rollcontainern), der dazu beitrug, dass man rund 464.000 weniger gefahrene Kilometer, 107.000 Liter weniger Diesel und 375 Tonnen weniger CO2-Ausstoß in der Öko-Bilanz zu verbuchen hat.

Ausbau von Constanzia und Donau

Im Gegensatz zur sehr frischelastigen Logistikstruktur der Rewe spielt für bauMax-Logistiker Dr. Alexander Wiegele „Zeit eine eher geringe Rolle". Daher kann bauMax einerseits die Kosten der Supply Chain so günstig wie möglich halten, alles vom Logistikzentrum Wien Hirschstätten aus steuern und muss nicht unbedingt die kürzesten Logistikwege anstreben. Expansiv ist bauMax vor allem im Osten unterwegs, sind insgesamt 137 Märkte in 8 Ländern, zu denen heuer noch 10 weitere hinzukommen, zu beliefern. Importware aus Fernost kommt derzeit noch per Containerschiff zu einem der Nordseehäfen, von dort per Bahn oder Lkw nach Hirschstätten und wird dann via Lkw quasi feinverteilt. In Zukunft will man auf neue Logistikstrukturen zurückgreifen, mit jeweiligen Zentralen in Rumänien, Türkei und der Ukraine. Auch der Schwarzmeerhafen Constanzia soll – nach dem geplanten Ausbau – verstärkten frequentiert werden. Wiegeles Blick in die mittelbare Zukunft: „Der Ausbau des Donauseeweges würde die Logistikkosten zusätzlich halbieren."



Edelfeder Helmut Gansterer: „Fernsehen macht träge.“ © BVL
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Edelfeder Helmut Gansterer: „Fernsehen macht träge.“ © BVL


Andrew Thorndike, Primondo: „Wir haben in der Supply Chain weltweit 200.000 Menschen zu koordinieren.“ © BVL
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Andrew Thorndike, Primondo: „Wir haben in der Supply Chain weltweit 200.000 Menschen zu koordinieren.“ © BVL


Alexander Wiegele, bauMax: „Zeit spielt für uns zum Glück eine untergeordnete Rolle.“ © BVL
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Alexander Wiegele, bauMax: „Zeit spielt für uns zum Glück eine untergeordnete Rolle.“ © BVL
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