Einzelhandel/Kaufkraftbilanz: Lukrative Grenz...
 
Einzelhandel/Kaufkraftbilanz

Lukrative Grenzerträge

Grafik: CIMA
Kaufkraftzuflüsse aus dem benachbarten Ausland© Grafik: CIMA
Kaufkraftzuflüsse aus dem benachbarten Ausland© Grafik: CIMA

Österreichs Einzelhandel übt auf die Konsumenten in den Grenzgebieten der Nachbarländer eine überaus starke Anziehungskraft aus. Angenehmer Nebeneffekt: eine hochpositive Kaufkraftbilanz zu Gunsten der Alpenrepublik.

Österreichs Handelsstandorte ziehen pro Jahr insgesamt 1,58 Milliarden Euro an Kaufkraft aus den benachbarten Grenzregionen ab. Gleichzeitig decken sich die Österreicher in den Nachbarstaaten mit Waren im Ausmaß von 657,9 Millionen Euro ein. Unterm Strich ergibt das eine hochpositive Kaufkraftbilanz zu Gunsten der Alpenrepublik in der Höhe von ca. 921 Millionen Euro.

Südtiroler sind intensive Österreich-Shopper



„Die Italiener, und hier insbesondere die Südtiroler, sowie die Ungarn aus den westlichen Grenzkomitaten erweisen sich als besonders intensive Einkäufer“, erläutert Mag. Roland Murauer, geschäftsführender Gesellschafter der Cima Beratung + Management GmbH mit Sitz im oberösterreichischen Ried im Innkreis. Das Unternehmen hat die bundesländerspezifischen Kaufkraftströme in den letzten zweieinhalb Jahren eingehend untersucht. Während die Ungarn in erster Linie in die Einkaufszentren Niederösterreichs (151,1 Mio. € Zufluss) und Wiens (139,9 Mio. € Zufluss) strömen, suchen unsere südlichen Nachbarn bevorzugt Tirol auf.
„Aber auch die Bayern und, zu einem erheblich geringeren Teil, die Baden-Württemberger kaufen verstärkt in den österreichischen Grenzregionen ein“, fährt Murauer fort. Dabei kann das Bundesland Salzburg (126 Mio. €) die meiste deutsche Kaufkraft abschöpfen, gefolgt von Tirol (62,2 Mio. €), Oberösterreich (62 Mio. €) und Vorarlberg (12 Mio. €).
Ähnlich wie die Ungarn sind die Tschechen und Slowaken beim Einkauf primär ostösterreichorientiert, d.h. Niederösterreich und Wien fließt von den KonsumentInnen dieser Nachbarstaaten die meiste Kaufkraft zu.
Je nach Wohnort und topografischer Grenzstruktur erwerben die Slowenen österreichische Güter und Produkte entweder in der Steiermark (insgesamt 78,2 Mio. €; vorwiegend aus den Regionen Pomurska und Podravska) oder in Kärnten (65,1 Mio. €; vorwiegend aus der Region Gorenjska).
Die Schweizer, und hier vor allem die Bürger aus dem Kanton St. Gallen, strömen beinahe ausschließlich in die Einkaufsdestinationen auf Vorarlberger Seite.

Wien führend im Bundesländerranking



In Summe binden die Wiener Einkaufsstraßen und -zentren ein Viertel der gesamten Kaufkraft, die aus den benachbarten Grenzregionen zuströmt. Dank der Italiener (aus Südtirol und Friaul) und Bayern erreicht das Bundesland Tirol ebenfalls eine sehr hohe Zuflussrate (s. Tabelle).

Kleinregionale Zentren profitieren ebenso



Während Innsbruck als die zentrale Einkaufsstadt der Südtiroler gilt (136,2 Mio. €), die Stadt Salzburg bis zu einem Viertel der Kaufkraft des oberbayerischen Berchtesgadener Landes bindet und die Handelsbetriebe der beiden Kärntner Städte Villach und Klagenfurt knapp 100 Millionen Euro Einzelhandelsumsatz durch slowenische und oberitalienische KonsumentInnen erwirtschaften, profitieren durchaus auch kleinere österreichische Städte bzw. kleinregionale Zentren wie z.B. Bad Radkersburg (32 % des gesamten EH-Umsatzes durch Slowenen und Ungarn) , Lienz (23 % des EH-Umsatzes durch Südtiroler), Gmünd (22 % des gesamten EH-Umsatzes durch tschechische KonsumentInnen) oder Braunau (17 % des gesamten EH-Umsatzes durch Bayern) vom „kleinen Grenzverkehr“.

Tiroler kaufen am eifrigsten im Ausland



Die Auswertung der Kaufkraftabflüsse in die benachbarten Grenzregionen zeigt, dass vor allem die Tiroler Konsumenten besonders intensiv in den benachbarten Grenzregionen einkaufen, insbesondere in Südtirol, dem Trentino sowie den benachbarten bayerischen Grenzstädten (z.B. Garmisch-Partenkirchen, Füssen, Rosenheim).
Die verkehrstechnisch günstig gelegenen Einkaufs- und Fachmarktzentren in Südmähren (Brno, Znaim) mit ihren wesentlich längeren Öffnungszeiten (auch sonntags) ziehen vor allem aus Niederösterreich und Wien deutlich Kaufkraft ab.

Unterschiedliche Einkaufspräferenzen



Auch bei der Analyse der warenspezifischen Einkaufspräferenzen zeigen sich durchaus erstaunliche Unterschiede. Während italienische Konsumenten aus Friaul verstärkt Lebensmittel und Drogerie-/Parfümeriewaren in Kärnten einkaufen, decken sich die Südtiroler in den Einkaufs- bzw. Fachmarktzentren in und um Innsbruck vorzugsweise mit Kinderbekleidung, Elektrowaren und Sportartikeln ein.
Slowenen, Tschechen, Ungarn und Slowaken dagegen tendieren besonders intensiv zu langfristigen Bedarfsgütern wie z.B. Baumarktartikeln, Möbeln und Elektrowaren.
Die Einkaufstouristen aus dem benachbarten niederbayerischen Raum wiederum schätzen die Qualität der Innviertler Fleischer und Bäcker besonders hoch und lassen pro Jahr rund 16,8 Millionen Euro in diesen Lebensmittelhandwerksbetrieben. „Das entspricht immerhin 54 Prozent des gesamten Kaufkraftzuflusses aus Niederbayern ins Innviertel“, hält Roland Murauer abschließend fest.

Kaufkraftflüsse
Bundesland*aus den Grenzregionen nach A (in Mio. €)aus A in die Grenzregionen (in Mio. €)Kaufkraftbilanz (in Mio. €)
Vorarlberg64,048,016,0
Oberösterreich113,185,427,7
Steiermark101,29,891,4
Kärnten112,320,092,3
Niederösterreich268,7171,497,3
Salzburg126,028,797,3
Tirol387,8201,1186,7
Wien405,593,5312,0
Summe1.578,6657,9920,7
*) Die Auswertung der Kaufkraftströme für das Bundesland Burgenland ist derzeit noch in Bearbeitung; Quelle: CIMA Beratung+Managament GmbH




CIMA-Geschäftsführer Mag. Roland Murauer© Foto: CIMA
Foto: CIMA
CIMA-Geschäftsführer Mag. Roland Murauer© Foto: CIMA
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