Marketing meets Science: Unbemannt in die Han...
 
Marketing meets Science

Unbemannt in die Handelszukunft

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Podiumsdiskussion zum Theam "Unbemmante Outlets" - v.l. Manfred Zöchbauer, Andreas Haider und Ernst Gittenberger
Podiumsdiskussion zum Theam "Unbemmante Outlets" - v.l. Manfred Zöchbauer, Andreas Haider und Ernst Gittenberger

Ein vom Institut für Handel, Absatz und Marketing der Linzer Johannes Kepler Universität und vom Marketing Club Linz initiiertes Expertenmeeting zum Thema "Unbemannte Outlets" gestern Abend beschäftigte sich nicht nur mit den bereits gängigen Variationen dieser Geschäftskategorie, sondern auch mit deren Zukunft.

Internationale Ein- und Ausblicke über die gängigsten Formen der unbemannten respektive autonomen Geschäfte gab Professorin Sabine Benoit von der britischen University of Surrey. Sie beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren mit dieser Art Outlets und beleuchtete die Szene aus wissenschaftlicher Sicht. Ihr Resumee nach eingehender Kundenbefragung in den unterschiedlichsten Ländern zu den unterschiedlichsten Ausprägungen und Formen: "Generell kann man sagen, dass die Menschen in Europa sehr wohl offen für neue Technologien sind, ja dafür sogar eine gewisse Neugier entwickeln."
Unbemannte respektive von herkömmlichen Outlets mit Personal völlig abgekoppelte Geschäfte werden vor allem dann akzeptiert, wenn diese als  infrastrukturelle Notlösung herhalten müssen und wenn die Preise sowie das Warenangebot ähnlich zu bemannten Formaten vorherrschen. "Es ist auch nicht unbedingt ein persönlicher Kontakt notwendig", so Benoit, "was in Pandemiezeiten wie diesen definitiv relevant ist. Andererseits wurde genu dieser fehlende Kontakt zu Menschen auch sehr oft als negative Wahrnehmung festgestellt."

Problem Arbeitsplätze

Womit die Menschen ebenfalls nur sehr schwer zurechtkommen, ist das Ausgeliefertsein bei technischen Schwierigkeiten, weil keine Person vor Ort ist, die ihnen bei etwaigen Störungen weiterhelfen kann. Dazu kommt bei sehr vielen Nutzern dieser unbemannten Outlets ein relativ stark ausgeprägtes Vorurteil gegen die permanente Videoüberwachung und somit ein Preisgeben der Privatsphäre. "Und", so Benoit weiter, "den Menschen ist sehr wohl klar, dass die stetige Zunahme der Technologiekompetenz beim Personal zu sukzessivem Jobverlust führt. Wobei ein gewisses Gefühl der Unsicherheit, völlig alleine im Geschäft zu sein, ebenfalls allgegenwärtig ist".
Unbemannte Outlets seien jedenfalls aus wissenschaftlicher Sicht von den unterschiedlichsten Kriterien geleitet und somit auch - trotz einiger Überschneidungskriterien - leicht zu unterscheiden. Benoit: "Diese Kriterien können nun sein: Standortbedingt, je nach Bauweise, nach der Art und Weise wie man das Geschäft betreten kann, vom Betreiber abnhängig, je nach Größe des Geschäfts und damit auch je nach Warenangebot sowie über den Bezahlprozess."

Viele großartige Beispiele

Anschließend gab sie einen ziemlich eindrucksvollen Rundumblick über die bereits bestehenden und mitunter ziemlich erfolgreichen Konzepte in den einzelnen Ländern, von Quick Eats in den USA und Cheers in Singapur über Naraffar, einem schwedischen Dorfladen und Albert Heijn am Amsterdamer Flughafen bis zu Herr Anton, 7-Eleven und Amazon Go.
Benoit wagte auch einen Blick in die unmittelbare und mittelbare Zukunft. "Der Trend zu unbemannte Geschäften ist in jedem Fall ein wachsender, der Übergang von bemannt zu unbemannt wird fließend erfolgen, sogenannte Hybridlösungen werden vorerst folgen. Bei diesen, die 24/7 geöffnet sind, werden tagsüber einige Stungen sehr wohl Angestellte anwesend sein, die restliche Zeit steht jedoch ganz alleine den Kunden zur Verfügung", ist sich Benoit sicher.
Was aber ebenfalls klar ist, es wird in Riesenschritten zu einem regelrechten Technologie-Wettbewerb kommen, hier werden sich die Ereignisse mit neuen Ideen und Autoaten überschlgen, wahrscheinlich aber auch mit völliger Überforderung der Kunden, da die menschliche Evolution jener der technischen immer mehr hinterherhinken wird.

Unibox

Die anschließende Kurzdarstellung einer Projektarbeit zum Tema am Beispiel "Unibox" zeigt überaus positive Veränderungen seit Launch derselben, vor allem für kleine, infrastukturell nicht erschlossenen Ortschaften am Land. Derzeit befindet man sich in Phase 2 von 3, hat etliche Erkenntnisse bereits gewonnen, ist aber nach wie vor auf der Reise in die unbemannte Zukunft, vor allem auch hinsichtlich der Frage, ob ein Konzept wie das von Unibox auch im urbanen Bereich Gültigkeit haben könnte.
Zur Erinnerung: Unibox ist ein von der Handelskette Unimarkt initiiertes, 80 m2 großes, mobiles Einkaufssystem mit Franchisekonzept und garantiert eine flächendeckende Lebensmittelversorgung in ländliche Gebieten. Mittels App hat man Zutritt und kann auch bezahlen, kann unter mehr als 1.000 Artikeln des täglichen Bedarfs wählen, ist ein reines SB-Konzept und kann sich drauf verlassen, dass die Preise ident sind mit den normalen Unimarkt-Stores.

Podiumsdiskussion

Bei der abschließenden Diskussion, an der neben Institutsleiter Ernst Gittenberger auch noch Unibox-Gründer und Unimarkt-Geschäftsführer Andreas Haider und Manfred Zöchbauer, seines Zeichens Spartengeschäftsführer Handel der Wirtschaftskammer Oberösterreich, teilnahmen, ging es primär um rechtliche Aspekte die Öffnungszeiten betreffend, da für Automatenboxen völlig andere Kriterien zählen(24/7 ist sehr wohl erlaubt)  als zum Beispiel für die Unibox, die sich an die bestehenden Öffnungszeiten von normalen Geschäften halten muss, obzwar sie unbemannt ist.
Interessant jedenfalls, dass die Unibox gerade an Sonntagen den meisten Zuspruch erfährt, aber generell sehr gut akzeptiert wird. Andreas Haider mit überaus positiven Ausblicken für dieses Konzept: "Rund 600 Gemeinden in Österreich sind ohne Nahversorger. Da ist noch allerhand zu tun."
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