dayli: Masseverwalter prüft Fortführungs-Opti...
 
dayli

Masseverwalter prüft Fortführungs-Optionen

-

Der Linzer Rechtsanwalt und Insolvenz-Spezialist Dr. Rudolf Mitterlehner prüft jetzt die Möglichkeiten zur Fortführung von dayli. Zum Ende kommender Woche soll ein Ergebnis vorliegen.

Das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über die Handelskette dayli ist laut Landesgericht Linz seit heute (5. 7.) wirksam. Betroffen sind neben den 3.468 Beschäftigten auch rund 950 Vermieter und 1.340 weitere Gläubiger. Jetzt prüft der Masseverwalter die Möglichkeiten zur Fortführung der Geschäfte. Mit der Aufgabe betraut wurde der renommierte Linzer Rechtsanwalt und Insolvenzspezialist Dr. Rudolf Mitterlehner gemeinsam mit vier Stellvertretern. Er ist Partner der Anwaltskanzlei Beurle-Oberndorfer-Mitterlehner, die ihre Wurzeln bis 1890 zurückverfolgen kann und bereits in einigen der größten Insolvenzen Oberösterreichs wie Carrera-Optyl, Actual Maschinenbau, Komm & Kauf oder Erku Druckguss als Masseverwalter tätig wurde.

Prüfung der Weiterführung



Mitterlehner hofft im Gespräch mit CASH, bis Ende kommender Woche die Überprüfung abgeschlossen zu haben, die entscheiden soll, wie es mit dayli vorerst weitergeht. Vorrangige Aufgabe der Insolvenzverwalter sei es, die Möglichkeiten der Sanierung zu prüfen und die Gestaltung des Fortbetriebes beziehungsweise die Suche nach Interessenten gemeinsam mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat vorzunehmen, so das Linzer Landesgericht. dayli hat ein Konzept vorgelegt. Ob es anwendbar ist, hängt aber in erster Linie davon ab, ob sich die Fortführung des Betriebs in den kommenden Wochen finanzieren lässt. Seitens des Gläubigerschützers KSV1870 erwartet man sich ebenfalls in der kommenden Woche eine Antwort auf diese Frage. Entscheiden wird darüber Insolvenzverwalter Mitterlehner und nicht mehr der bisherige dayli-Geschäftsführer und -Besitzer Rudolf Haberleitner. Auch Neo-Eigentümer Dr. Martin Zieger, an dessen ICU Unternehmensberatung GmbH Haberleitner seine TAP 09 Beteiligungs GmbH vor dem Insolvenzantrag bei Gericht um den kolportierten Betrag von einem Euro abgetreten wurde, kann zwar das gemeinsam mit Haberleitner erstellte Sanierungskonzept vorschlagen, aber nicht bestimmen, dass es auch umgesetzt wird.

Optimistische Pläne



Ex-dayli-Chef Haberleitner hat derweil immer noch optimistische Pläne. In der ORF-Nachrichtensendung ZIB2 vom 4. Juli zeigte er sich von der Fortführung der Handelskette einmal mehr überzeugt. Und es soll nicht bei den derzeit 783 Filialen bleiben, sondern bis 2016 deren 1.300 geben. Seine Hoffnungen ruhen nun auf privaten Geldgebern, denn der Zug bei den Banken sei wohl abgefahren, räumte Haberleitner ein. Dass den Mitarbeitern die Juni-Gehälter und das Urlaubsgeld nicht ausgezahlt wurde, sei nicht an mangelnder Liquidität gelegen, sondern auf Anraten seiner Anwälte geschehen, die sonst die Gefahr von Klagen durch Gläubiger wegen Bevorzugung gesehen hätten. Die Bezahlung dieser Gelder wird durch die Insolvenz auf die Steuerzahler umgewälzt.

Warten auf Gehälter



Die dayli-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter werden auf dieses Geld aber noch länger warten müssen. Zunächst müssen jetzt die Anträge vom Insolvenzschutzverband für Arbeitnehmerinnen (ISA) gesammelt werden. Dann prüft der Insolvententgeltfonds die Ansprüche. Das dauert mindestens drei Wochen, meist aber länger. Realistisch dürfte eine zumindest teilweise Bezahlung der Ansprüche erst in zwei bis drei Monaten erfolgen können. Kommende Woche könnte den dayli-Beschäftigten auch ein „Mitarbeiterbeteiligungsmodell“ präsentiert werden, denn unter anderem beinhaltet das Sanierungskonzept die Einführung eines Franchise-Systems. Es bleibt abzuwarten, ob der Insolvenzverwalter die Idee für tragfähig erachtet.

Doch kein Geldkoffer?



Ex-dayli-Boss Haberleitner zeigte sich in der ZIB2 weiter von seinem Nahversorgerkonzept überzeugt. Zum angeblichen Diebstahl von einer Million Euro bei einem Treffen mit vermeintlichen Investoren im italienischen Udine wollte er auf Nachfrage des ORF keine weiteren Angaben machen. Entgegen bisheriger Medien-Meldungen dementierte er die Existenz eines „Geldkoffers“, sondern sprach von „Betrug“. Auf die Frage, ob dabei sein eigenes Geld oder Geld von dayli verloren gegangen sei, äußerte er sich nicht.

Vorwürfe von Investor



Laut heutigem „Kurier“ fühlt sich ein Investor vom Nicht-mehr-dayli-Chef um Geld betrogen, das er bereits 2005 in Haberleitners MCS Fashion GmbH investiert habe. Friedrich W. sei von Haberleitner dazu bewogen worden, ihm seine „gesamten Ersparnisse anzuvertrauen“. Mit 70.000 Euro hätte sich W. an Haberleitners Firma beteiligt und zusätzlich ein Darlehen von 30.000 Euro gewährt. Für die Einlage sei eine Gewinnbeteiligung in Höhe von 5,5 Prozent des Jahresgewinns, für das Darlehen eine Verzinsung von drei Prozent versprochen worden. Haberleitner hätte jedoch keine Zahlungen geleistet. Er „verstand es, mich immer wieder hinzuhalten“, so W. zum "Kurier". Schließlich klagte er, bekam recht und trotzdem kein Geld. Vom Anwalt der MCS Fashion GmbH, Franz Guggenberger (auch Aufsichtsratschef bei dayli), sei ihm erklärt worden, dass die MCS zahlungsunfähig sei. Haberleitner selbst bestritt gegenüber der APA die Vorwürfe. Es gebe keine offenen Forderungen von W. an ihn. Alle möglichen Leute würden nun etwas erfinden, um noch etwas von ihm zu bekommen.

<//article>
stats