Willys Wochenrückblick: Von Trinkgeldern, Hau...
 
Willys Wochenrückblick

Von Trinkgeldern, Hausgeburten und einem verschobenen Jahr

Markus Wache
Willy Zwerger
Willy Zwerger

Jetzt kann man es dann aber auch schon wieder gut sein lassen mit der Beklatschung der Handelsangestellten um 18 Uhr und den Danksagungen von D- und E-Promis auf Youtube & Co. Denn die in der Präcoronazeit immerzu nur milde belächelten Kassierinnen, Feinkostfachverkäuferinnen und Regalnachschlichterinnen sollten endlich auch einmal was spüren vom frisch entfachten Enthusiasmus für diese Berufe. Mittels Trinkgeld zum Beispiel. Wie in der Gastronomie, die ja derzeit ohnehin dafür nicht empfangsbereit ist. Zehn Prozent sollten reichen, da hätten sie echt was davon.

Neben dem Einkaufengehen gilt es jedoch brav daheim zu bleiben und unsere Haustüren abschottungsmäßig quasi zu EU-Außengrenzen zu adeln. Was sich drinnen abspielt sehen wir wahrscheinlich erst dann, wenn die Chose länger dauert als geplant. Die Anzahl der Hausgeburten wird steigen, die der Wegweisungen und der Indoorgriller. Gras wird über vieles drüber wachsen, die Natur holt sich sukzessive ihren Spielplatz zurück, das Runde verdrängt wieder das Eckige, so wie es ganz, ganz früher einmal war, als wir alle noch in Höhlen saßen und von Beeren, Pilzen und Früchten ums Eck lebten.

Ich werde übrigens heute noch Nenas 60er mit nicht ganz hundert Luftballons würdigen, mir den grandiosen Song „In meinem Leben“ in der Live-Version der „Nichts versäumt-Tour 2018“ reinziehen und mich damit anfreunden, dass 2020 zwar nicht wirklich ausfällt, aber halt auf 2021 verschoben wird. Denn in Wahrheit sind wir alle nur ein Klacks der Zeit. Wäre schön, wenn uns das endlich bewusst werden würde.

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