Drogeriefachhandel: Nervöse Branche
 
Foto: bipa
© Foto: bipa
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Eigentlich hätten zumindest zwei der drei großen Filialisten im heimischen DFH allen Grund zur Freude, denn die Drogeriemärkte zeigten nach 2008 auch 2009 ein stärkeres Umsatzwachstum als der Lebensmittelhandel, wäre da nicht die Aufregung um die Nielsen-Datenerhebung im Fall von Couponing-Aktionen bei dm und Schlecker.

Der DFH hierzulande blüht, wie die jüngst von Nielsen präsentierte Zensuserhebung belegt. Unterm Strich konnte der Umsatz inklusive Dienstleistungen wie Friseur, Kosmetik, chemische Kleiderreinigung und Fotoausarbeitung im vergangenen Jahr von 1,57 auf 1,62 Milliarden Euro gesteigert werden – ein Plus von immerhin 3,4 Prozent. Aber auch der Verbraucherpreisindex für Produkte zur Körper- und Gesundheitspflege wuchs im Vorjahr mit 2,1 Prozent stärker als die Gesamtinflation von 0,5 Prozent. In der medialen Öffentlichkeit für positive Schlagzeilen sorgte zuletzt jedoch vor allem dm. Nicht nur präsentierte das Unternehmen eine hervorragende Halbjahresbilanz, auch aus einem Preisvergleich der Arbeiterkammer in der jüngeren Vergangenheit ging das Unternehmen als jenes mit den familienfreundlichsten Preisen hervor und last but not least erzielte dm in einer von Online-Researcher Marketagent.com durchgeführten Umfrage Bestnoten in den meisten für Verbraucher relevanten Kategorien. Umso überraschender sieht sich nunmehr ausgerechnet dm in der Kritik, weil ruchbar wurde, was Insidern lange bekannt ist: Die Daten, die Marktforscher Nielsen bei dm und Schlecker erhebt, sind im Fall von Couponing-Aktionen – anders als bei Bipa – nicht mit reduzierten, sondern zu Kurantpreisen erfasst. Mag. Irene Salzmann, Director Corporate Communications bei Nielsen, ist die darob aufgekeimte allgemeine Unruhe deshalb ein Rätsel. „Diese Situation ist schon länger bekannt und wurde auch im Rahmen des ECR Forums Promotion besprochen und offen kommuniziert. Warum es gerade jetzt zu dieser Aufregung kommt, können wir nicht sagen“, erklärt Salzmann.

(K)ein Sturm im Wasserglas



Tatsächlich kommt es durch diese Art der Erfassung zu Ausschlägen bei den ausgewiesenen wertmäßigen Marktanteilen, die durchaus größer als bloß einige Zehntel Prozentpunkte sind, wie CASH von Herstellerseite bestätigt wurde – allein es sind zur Zeit einfach keine besseren Daten verfügbar. Drogeriefachhändler dm selbst hat indes bereits in Aussicht gestellt, mit Aufrüstung auf eine neue Kassensoftware ab Herbst dieses Jahres die Couponing-Umsätze ausweisen zu können, wundert sich gleichzeitig aber, dass der Mitbewerber nicht auch die Korrektur der Umsätze, die dm im Bereich Haarkosmetik, Gesichts- und Körperpflege mit dem Verkauf von Kosmetikprodukten in seinen Friseur und Kosmetikstudios macht, eingemahnt hat. Aus technischen Gründen ist dies nämlich bis dato ebenfalls unterblieben. Würde dm das tun, gewänne das Unternehmen eigenen Angaben zufolge in einigen Kategorien mehrere Prozentpunkte zusätzlicher Marktanteile. „Angesichts der plötzlichen Interventionen hinsichtlich der Couponings dürfen wir gespannt sein, wie unser Mitbewerber dann reagieren wird“,  sagt dazu Harald Bauer, in der dm Geschäftsleitung für Marketing und Einkauf verantwortlich, und wünscht sich ein Ende der aus seiner Sicht kleinlichen Zahlenklauberei herbei. Auch Nielsen ist um eine rasche Lösung im Sinne aller Beteiligten bemüht, versichert Irene Salzmann, ohne freilich einen konkreten Termin in Aussicht stellen zu können. „Über die Planung Dritter können wir keine Aussagen machen“, meint sie verständlich nachvollziehbar.

Nielsen-Sprecherin Irene Salzmann: „Wir sind um eine raschest mögliche Lösung im Sinne aller Beteiligten bemüht.“
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Nielsen-Sprecherin Irene Salzmann: „Wir sind um eine raschest mögliche Lösung im Sinne aller Beteiligten bemüht.“
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