WKO/GPA-djp: Neuer Handels-KV für 404.000 Bes...
 
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Neuer Handels-KV für 404.000 Beschäftigte

Nach intensiven Verhandlungen, die bereits seit mehr als drei Jahren andauern, gilt ab 1. Dezember 2017 ein neuer Kollektivvertrag für 404.000 Angestellte im heimischen Handel. Die neue Gehaltsordnung bringt mehr Geld für Einsteiger, dafür wird die Einkommenskurve in Summe flacher. Die Unternehmen haben insgesamt vier Jahre Zeit für den Umstieg.

Freuen sich über die Einigung (v.l.n.r.): Franz Georg Brantner, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs
© dewi
Freuen sich über die Einigung (v.l.n.r.): Franz Georg Brantner, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs
Einfach, transparent und fair - so bezeichnen Wolfgang Katzian, Vorsitzender der GPA-djp, und Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, die Details des neuen Kollektivvertrags für 404.000 Angestellte im Einzel-, Groß- und Kfz-Handel. "Eckpunkte der Verhandlungen sind die Vereinfachungen durch künftig eine einheitliche Gehaltstafel und ein einheitliches Gehaltsgebiet für den gesamten Handel. Mit einem höheren Einstiegsgehalt von 1.600 Euro lässt der Handel das Image der Niedriglohnbranche endgültig hinter sich und gewinnt durch Anerkennung der Karenzzeiten an Attraktivität. Durch die Deckelung der Vordienstzeiten auf sieben Jahre werden erfahrene Mitarbeiter wieder leistbarer", erklärt Buchmüller. Was die bestehenden Beschäftigungsverhältnisse betrifft, werde es laut Buchmüller "keine Verlierer geben", denn niemand werde finanziell schlechter gestellt als bisher.

Rechtssicherheit bei Beschäftigungsgruppen und All-in Verträgen
Um für mehr Rechtssicherheit auf beiden Seiten, sprich jener der Arbeitnehmer und jener der Arbeitgeber zu sorgen, sieht der neue Kollektivvertrag auch ein flexibles Beschäftigungsgruppenschema vor. In Summe gibt es nun acht verschiedene Gruppen mit klaren Beschreibungen. Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel, betont: "Bisher war das nicht der Fall. Es wurde lediglich in Bezug auf einfache und schwierige Tätigkeiten unterschieden, was oft zu Rechtsstreitigkeiten vor den Gerichten geführt hat." Im neuen KV erfolgt eine klare Einordnung je nach Tätigkeit, was bedeutet das sich einfache Hilfstätigkeiten künftig in den Gruppe A und B, klassische Verkaufstätigkeiten mit oder ohne leitender Funktion in den Gruppen C bis F und Geschäftsführungsagenden in den Gruppen G und H wiederfinden.
Wolfgang Katzian begrüßt darüber hinaus die neue Rechtsicherheit für Angestellte mit All-in Verträgen und betont: "Für die Betroffenen ist oft nur schwer nachvollziehbar, wie viele Überstunden und Mehrleistungen mit einem All-in Vertrag tatsächlich abgegolten werden. Es besteht auch der weitverbreitete Irrglaube, dass ein All-in Vertrag den Kollektivvertrag oder das Arbeitszeitgesetz außer Kraft setzt. Umso wichtiger und wertvoller ist die neue Regelung: das kollektivvertragliche Mindestgehalt und eine Überzahlung sind anzuführen und bilden das Grundgehalt, die Entlohnung der Überstunden ist extra anzuführen - diese Transparenz wünschen wir uns für alle Branchen."

Anrechnung der Karenzzeiten
Für alle Branchen als Vorbild sieht Katzian zudem die volle Anrechnung von zwei Jahren Karenzzeit pro Kind, die insbesondere für viele Frauen eine Verbesserung darstellt und dabei helfen soll, die Einkommensschere zu schließen.
Die Unternehmen haben nun bis zum 1. Dezember 2021 Zeit, den neuen KV umzusetzen. Ein Umstieg ist allerdings nur mit der gesamten Belegschaft möglich und kann zu jedem Monatsersten erfolgen. Welche Kosten diesbezüglich auf die Handelsfirmen zukommen werden, sei individuell und könne deswegen nicht genannt werden. Die bisher getroffene Einigung sehen alle Sozialpartner jedenfalls als Startschuss für weitere Verhandlungen. Im Fokus dabei steht unter anderem das Thema Öffnungszeitenzuschläge.
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