Nielsen: Das Einkaufsverhalten ändert sich
 
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Das Einkaufsverhalten ändert sich

Jenny Sturm - stock.adobe.com
Verändertes Einkaufsverhalten aufgrund des Coronavirus
Verändertes Einkaufsverhalten aufgrund des Coronavirus

Wie das Marktforschungsunternehmen Nielsen in seiner jüngsten Erhebung feststellte, kann man sechs Phasen der Auswirkungen von Covid-19 auf den Handel identifizieren. Und zwar weltweit und heruntergebrochen auf Österreich. Inkludiert in die Untersuchungen wurden sowohl der LEH als auch der DFH.
Phase 1:
Diese umschreibt die Anfangssituation zu Beginn des Jahres, wo noch nicht von einer Pandemie die Rede war, die Menschen aber dennoch - zum Beispiel in China - bereits begannen, sich mit Vorräten einzudecken. Und zwar mit Produkten, die die allgemeine Erhaltung von Gesundheit und Wohlbefinden unterstützen. In Österreich war zu diesem Zeitpunkt diesbezüglich noch nichts zu bemerken.
Phase 2:
Das ist der Zeitpunkt, wo es erste Covid-19-Tote gibt und in den Ländern unterschiedlich intensive Maßnahmen ergriffen wurden. Jetzt kaufen die Menschen vorwiegend Produkte, die der Eindämmung von Viren sowie der Erhaltung der Gesundheit dienen sollen - zum Beispiel Gesichtsmasken und Desinfektionsmittel. Auch bereits in Österreich.
Phase 3:
Die Fälle häufen sich, wobei die meisten Ansteckungen direkt in den jeweiligen Ländern erfolgen. Auch die Todesfälle mehren sich, wie zum Beispiel in Italien. Spätestens jetzt beginnen die Vorratskäufe haltbarer Lebensmittel, die Einkaufsfrequenz steigt sprunghaft an, die Einkaufskörbe und-wägen werden auffallend dichter bestückt, man spricht bereits von ersten Hamsterkäufen. Besonders gefragt in Österreich: Fertiggerichte in Dosen, Nudeln jedweder Art und Tiefkühlprodukte sowie Hygieneprodukte und Toilettenpapier.
Phase 4:
Die Covid-19-Maßnahmen werden verschärft und erweitert, die Anzahl der positiv getesteten Personen nimmt weiter zu. Nun merkt auch der Onlinehandel Umsatz- und Frequenzzuwächse, in den Outlets der Hndelsgeschäfte ist ein leichter Rückgang spürbar, die ersten Out-of-Stock-Situationen beunruhigen die Bevölkerung zusätzlich- Obwohl genug Ware vorhanden ist, sind die Logistiker in vielen Fällen hoffnungslos überfordert.
Phase 5:
Die Häufung der positiv Getesteten führt zu drastischen Maßnahmen, ganze Orte und Regionen werden unter Quarantäne gestellt, alle sich dort befindlichen Menschen müssen mindestens vierzehn Tage daheim bleiben. Das physische Einkaufen in den Geschäften normalisiert sich, alles ausser den Nahversorgern und Apotheken ist bereits geschlossen, der Onlinehandel boomt, scheitert jedoch vielfach an den Zustelldiensten. Die Angst vor dramatischen Preiserhöhungen wird unter anderem auch dadurch geschürt, dass zum Beispiel Desinfektionsmittel zu horrenden Preisen angeboten werden.
Phase 6:
Diese Phase kommt erst. Die Quarantänen werden bis auf einige wenige aufgehoben, das Leben beginnt sich zu normalisieren, obzwar jedem klar sein muss, dass es nie wieder so werden wird wie es vorher war. Die Menschen kehren zwar in ihren Alltag zurück, jedoch mit einem völlig anderen und wesentlich sensibleren Gesundheits- und Hgienebewußtsein. E-Commerce wird weitaus intensiver genutzt als vor der Pandemie und der Umgang miteinander wird sich ebenfalls ändern. Vorräte anlegen wird zur allgemeinen Routine.

Umsatzmäßig hat sich all das mit Stand - laut Nielsen-Untersuchung - 1. März 2020 (KW 9) folgendermaßen ausgewirkt: Fertiggerichte (nass und trocken) konnten seit Jahresbeginn um 184 Prozent zulegen, Pastasaucen um 178 Prozent, Teigwaren um 151 Prozent, Mehl um 149 Prozent und Gemüsekonserven um 122 Prozent, um die Top 5 namentlich zu erwähnen. (Quelle: Nielsen Retail Measurement Services Austria, Lh exkl. Hofer/Lidl)
Bei den Drogeriewaren waren es laut gleicher Quelle vor allem die Handhygieneprodukte, die signifikant zulegen konnten (+ 1782 %), gefolgt von Hygienereinigern (+ 364 %), Toilettenpapier (+ 50 %), Körperreinigungsmittel (+ 45 %) sowie Zahnpflegemittel (+ 37 %).
Was das hinkünftige Einkaufsverhalten betrifft, so ist man sich bei Nielsen sicher, dass das momentane Befüllen der Vorratskammern größtenteils nur vorgezogene Einkäufe sind und einige Produktgruppen wie Toilettenpapier und Hygieneartikel mittelfristig eher stagnieren werden. Allerdings sei bei derlei Prognosen zu bedenken, dass aufgrund der derzeit herrschenden Lokalsperren vermehrt daheim gegessen wird und somit der Bedarf an permanentem Nachschub von Lebensmittel mehr oder weniger garantiert scheint.
Dazu kommt, dass zum Beispiel in China oder aber auch in Australien die Coronavirus-Pandemie eine ziemliche mächtige Welle an Onlineläufen ausgelöst hat. Für Österreich bedeutet das eine Riesenchance für heimische Anbieter auch in diesem Geschäftsfeld vermehrt mitzuspielen, vorausgesetzt ist jedoch, dass es funktionierende Lager- und Transportlogistik-Infrastrukturen gibt. Was sicher eine große Herausforderung darstellt.


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