Greenpeace/BMLFUW: Noch immer zu viele Plasti...
 
Greenpeace/BMLFUW

Noch immer zu viele Plastiksackerl im Umlauf

WF Seydlbast
Plastiksackerl landen häufig bereits nach einmaliger Verwendung im Müll. © WF Seydlbast
Plastiksackerl landen häufig bereits nach einmaliger Verwendung im Müll. © WF Seydlbast

Textil-, Schuh- und Möbelhandel folgen dem Beispiel des LEH in der "Plastiksackerl-Causa" noch nicht nach. Der Verbrauch der umweltbelastenden Plastiksackerl wurde seit der freiwilligen Selbstverpflichtung einiger Händler zwar reduziert, allerdings gibt es noch Verbesserungsbedarf, sagen Greenpeace und Bundesminister Andrä Rupprechter.

Während sich der österreichische Lebensmittelhandel nach und nach vom Plastiksackerl verabschiedet, sieht die Situation in anderen Handelsbereichen nicht so gut aus, kritisieren Greenpeace und Bundesminister Andrä Rupprechter. „Zahlreiche Unternehmen, vor allem im Textil-, Schuh-, und Möbelhandel, verteilen wie eh und je massenweise Gratis-Plastiksackerl“, sagt Greenpeace-Sprecherin Hanna Simons. Aktuellen Berechnungen der Umweltschutzorganisation zufolge würden alleine in Österreich über 700 Millionen Plastiksackerl (davon 300 Millionen Knotenbeutel) im Jahr ausgegeben werden. Die freiwillige Selbstverpflichtung, die einige Handelsunternehmen unterschrieben haben, hätte zwar zu einer Reduktion der umweltbelastenden Plastiksackerl geführt, allerdings sei die Zahl nach wie vor zu hoch. Im Vergleich zu 2015 konnten Unternehmen dank der Selbstverpflichtung, die Anzahl der Einweg-Tragetaschen um 89 Millionen Stück bzw. 15 Prozent verringern. „An dieser freiwilligen Vereinbarung sieht man eindeutig: Wenn man gemeinsam mit der Wirtschaft an einem Strang zieht, am Bewusstsein der Konsumenten arbeitet und sich freiwillig einem Ziel verpflichtet, braucht es nicht unbedingt ein Verbot“, sagt Rupprechter beim Pressegespräch in Wien. Der Bundesminister nutzte die Gelegenheit, um sich bei allen Unternehmen und Konsumenten, die sich an der Aktion beteiligt haben, zu bedanken.  

Mit C&A nimmt erstmals ein Unternehmen aus der Kleiderbranche an der Aktion teil und tut es Deichmann, Hofer, Lidl Österreich, Mediamarkt/Saturn, MPreis, Reiter Betten und Vorhänge, Rewe Group, Schäfershop, Spar, Sutterlüty, Tchibo/Eduscho und Unimarkt gleich.

EU verpflichtet ab Ende 2018
Die Tragetaschenverordnung, eine EU-Richtlinie mit dem Ziel den Verbrauch der Sackerl zu mindern, möchten Greenpeace und das Bundesministerium für ein lebenswertes Österreich früher in Kraft setzen. Die verpflichtende Reduktion soll die kostenlose Abgabe von Plastiksackerln bis Ende 2018 verbieten. Bis 2019 sollen die Mitgliedsländer den Verbrauch auf maximal 90 Sackerl pro Person und Jahr reduzieren. Davon ausgenommen sind lediglich die Frischebereiche wie Gemüse- und Obstabteilungen, wobei die „Knotenbeutel“ im Kassabereich der heimischen Lebensmittelhändler bereits seit einigen Monaten nicht mehr angeboten werden. „Es ist erfreulich, dass manche Ketten das Plastiksackerl aus dem Kassenbereich ganz verbannt haben. In der dazugehörigen Bewerbung setzen manche Unternehmen jedoch auf das Papiersackerl, anstatt ausschließlich stabile Mehrwegtaschen zu fördern“, sagt Simons. „Aber Plastik- durch Papiertaschen zu ersetzen hilft der Umwelt genau gar nicht.“

Österreich hat die Zahl der Plastiksackerl bereits jetzt schon mehr reduziert, als die EU-Vorgabe vorsieht. Rechnet man dicke, dünne sowie Knotenbeutel zusammen, so ergibt das rund 82 Sackerl pro Jahr und Österreicher. Der Handelsverband spricht in einer Aussendung gar von derzeit 30 Sackerln pro Jahr, allerdings dürfte sich diese Zahl auf dicke Plastiksackerl, die es im Handel gibt, beziehen. Davon ausgenommen sind Knotenbeutel und dünne Plastiksackerl, wie man sie etwa von manchen Bäckereien kennt, erklärt Herwig Schuster von Greenpeace.
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