Schirnhofer: Nun ebenfalls Insolvenz nach der...
 
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Nun ebenfalls Insolvenz nach der Zielpunkt-Pleite

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Die Firmenzentrale im steirischen Kaindorf ©Schirnhofer
Die Firmenzentrale im steirischen Kaindorf ©Schirnhofer

Mit dem steirischen Fleischverarbeiter Schirnhofer GmbH rutschte am 1. Dezember 2015 ein erstes Unternehmen auch als Folge der Zielpunkt-Insolvenz ebenfalls in die Pleite. 276 Gläubiger und 269 Mitarbeiter sind betroffen, die Passiva betragen rund 29 Millionen Euro.

Die Jahresproduktion beim 1926 gegründeten, größten Fleisch- und Wursterzeuger Österreichs in Familienbesitz betrug laut KSV zuletzt rund 12.000 Tonnen Fleisch- und Wurstwaren. Die Schirnhofer Familien Unternehmen Holding GmbH zu 75 Prozent und die Schirnhofer Vermögensverwaltungs GmbH zu 25 Prozent sind die beiden Eigentümer.

Zielpunkt Basis der Expansion



Almochsenfleisch der Marke "Almo" sowie die Kooperation mit Zielpunkt - seit 1997 über ein Shop-in-Shop-Konzept - machte Schirnhofer bei zahlreichen heimischen Konsumenten bekannt und beliebt. Zeitweilig gab es mehr als 250 dieser Shops mit über 1.200 Mitarbeitern, von denen 788 im Zuge der Komplettübernahme von Zielpunkt durch Pfeiffer 2014 zu Pfeiffer/Zielpunkt wechselten. In Summe beschäftigte Schirnhofer in besseren Zeiten inklusive diverser Beteiligungen sogar über 1.500 Mitarbeiter.

Die Übernahme von Zielpunkt durch Pfeiffer setzte Schirnhofer bereits ab 2013 unter Druck. Denn die Oberösterreicher wollten Schirnhofer als wichtigen Lieferanten zwar behalten, die Feinkostabteilungen aber selbst betreiben, die Verträge wurden gekündigt. Der Versuch eigener Schirnhofer-Genusswelten etwa in Einkaufszentren als Mischung aus Gastro- und Einkaufsangebot war nicht von Erfolg gekrönt und wurde rasch wieder beendet.

Restrukturierung wurde versucht



Firmenchef Karl Schirnhofer kämpfte weiter um die Restrukturierung des Unternehmens - etwa durch die Verpachtung der Schlachthof GmbH im heurigen Frühjahr an Steirerfleisch oder zuletzt im September des Jahres durch den Verkauf der Beteiligungen am niederösterreichischen Fleisch- und Wurstwarenproduzenten Aibler in Oberwaltersdorf und am Fertiggerichtehersteller Blasko Convenience in Bruck/Mur an die Marcher Fleischwerke.

Die Zielpunkt-Insolvenz machte Schirnhofers Bemühungen aber zunichte, denn noch immer kamen rund 37 Prozent der verbliebenen Umsätze durch die 100-%-Tochter der Handelsgruppe Pfeiffer zustande. Von den 269 Beschäftigten waren 70 bereits vergangene Woche beim Frühwarnsystem des AMS zur Kündigung angemeldet worden. Zunächst hatte man noch gehofft, ein Verfahren mit Eigenverwaltung beantragen zu können. Dazu wären aber zumindest 30 Prozent als Quote für die Gläubiger nötig gewesen. Das ging sich nicht aus, weshalb nun ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung eröffnet wurde, mit einer Quote von 20 Prozent zahlbar innerhalb von zwei Jahren vom Tag der Annahme des Sanierungsplans. Es soll versucht werden, das Unternehmen "redimensioniert" fortzuführen.

Erste Gläubigerversammlung in zwei Wochen



Als Passiva nennt der KSV rund 29,0 Mio. Euro (zu Liquidationswerten), dem stünden Aktiva in Höhe von rund 10,9 Mio. Euro (zu Liquidationswerten) gegenüber. Zum Insolvenzverwalter wurde Dr. Georg Muhri, Rechtsanwalt in 8010 Graz, Neutorgasse 47/1 bestellt. Die Anmeldefrist wurde mit 14. 1. 2016 bestimmt. Die erste Gläubigerversammlung findet am 17. 12. 2015 statt und die Berichts- und Prüfungstagsatzung wurde für den 28. 1. 2016 anberaumt. Die Sanierungsplantagsatzung wurde für 11. 2. 2016 anberaumt.
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