Schlecker Insolvenz: Österreich ist nicht bet...
 
Foto: C. Pleschberger/CASH
© Foto: C. Pleschberger/CASH
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Durch eine schnelle Einigung mit wichtigen Lieferanten wie Procter & Gamble, Beiersdorf, Henkel und Unilever ist die Fortführung des Betriebes von Schlecker fürs Erste sichergestellt. Die österreichische Anton Schlecker Gesellschaft m.b.H. mit Sitz in Pucking ist von der Insolvenz und dem in Deutschland stattfindenden Verfahren nicht betroffen, die Gewerkschaft Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) geht davon aus, dass die Löhne und Gehälter pünktlich ausgezahlt werden. In dem Zusammenhang appelliert der Betriebsrat des Unternehmens an das Vertrauen der Kunden als wichtigen Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze.

Lieferantenverbindlichkeiten in zweistelliger Millionenhöhe hatten letztlich dazu geführt, dass das deutsche Drogeriehandelsunternehmen Schlecker in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden musste. Die Betriebsfortführung ist inzwischen im Wesentlichen wieder hergestellt. Dies teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz von Schneider Geiwitz & Partner Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte bei einer Pressekonferenz am 30. Jänner am Firmensitz von Schlecker in Ehingen (D) mit. Nach der Einigung mit der Markant Gruppe haben große Lieferanten wie Procter & Gamble, Beiersdorf, Unilever sowie die komplette Henkel Gruppe ihren Lieferstopp beendet. Insgesamt liegen bereits rund 140 Lieferzusagen vor.

Anhand eines Organigramms (s. Anhang) erläuterte Geiwitz die Struktur der gesamten Schlecker Gruppe mit der Anton Schlecker e.K. an der Spitze. Die Insolvenz der Schlecker e.K. bedeutet in der Konsequenz auch die Privatinsolvenz der Person Anton Schlecker. Meike Schlecker, Tochter des Firmengründers, wies im Zuge der Pressekonferenz kursierende Gerüchte über größere Familienvermögen zurück und erklärte, dass es auch in der Familie keine wesentlichen privaten Vermögen mehr gebe. Hier seien die Mittel in den vergangenen Jahren ebenfalls zur Stabilisierung in das Unternehmen reinvestiert worden.

Am Morgen des Tages der Pressekonferenz war Geiwitz vom Amtsgericht Ulm zum so genannten vorläufigen "starken" Verwalter ernannt worden. Das bedeutet, dass die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über das Vermögen des Schuldners nun beim Insolvenzverwalter liegt. Wesentliche Pflichten sind die Sicherung des Vermögens des Schuldners und die Fortführung der Unternehmung bis zur Eröffnung des eigentlichen Verfahrens. Geiwitz machte deutlich, dass er trotz der Rolle als "starker" Verwalter gemeinsam mit Familie, Management, Gläubigern und Arbeitnehmervertretern eine Zukunftslösung anstrebe.

Im Unternehmen sieht der Insolvenzverwalter nach erster Bestandsaufnahme in vielerlei Hinsicht Substanz. Bankverbindlichkeiten gebe es keine. Die Auslandsgesellschaften sind nicht in die Insolvenz einbezogen, da sie wirtschaftlich eigenständig und profitabel sind. Zudem schreibe der größte Teil der Verkaufsstellen in Deutschland schwarze Zahlen, so Schlecker CFO Sami Sagur gegenüber der Presse. Die hohe Kundennähe sei ein wichtiger Wert, und die entsprechende konsequente Positionierung im Jahr 2012 gehe in die richtige Richtung. Eine Sanierung des Unternehmens habe daher Priorität.

Österreich steht nicht zur Disposition



Auf Nachfrage von CASH betonte Meike Schlecker, dass die Auslandsgeschäfte von Schlecker eigenständig und rentabel liefen und dass Österreich nicht zur Disposition stünde. Durch die rasche Einigung mit den wichtigsten Lieferanten sei die Warenversorgung in Österreich auch weiterhin sichergestellt, und der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter. Ebensowenig sei von nennenswerten Schließungen von Filialen oder betriebsbedingten Kündigungen  auszugehen.

Betriebsrat appelliert an das Vertrauen der Kunden



Gestern fand auch ein Gespräch zwischen der Geschäftsleitung von Schlecker Österreich, dem Betriebsrat und Vertretern der Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-djp) statt, um angesichts des Insolvenzverfahrens in Deutschland die Situation in Österreich zu erörtern.

Einmal mehr wurde dabei betont, dass Schlecker Österreich als eigenständige Gesellschaft nicht von der Insolvenz und dem in Deutschland stattfindenden Verfahren betroffen sei. "Die pünktliche Auszahlung der Löhne und Gehälter belegt, dass das Unternehmen voll zahlungsfähig ist und aktuell alle Maßnahmen ergriffen wurden, den normalen Geschäftsbetrieb fortzuführen", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Schlecker Österreich und GPA-djp.

Einvernehmen besteht zwischen den beiden Parteien dahingehend, dass dem Erhalt und Fortbestand des Unternehmens in Österreich und der Sicherung der Arbeitsplätze höchste Priorität einzuräumen ist. In diesem Zusammenhang appelliert der Betriebsrat des Unternehmens an das Vertrauen der Kunden als wichtigen Beitrag zur Sicherung der Arbeitsplätze.

Weitere: Insolvenz nach Plan?

V.l.n.r.: CFO Sami Sagur, Meike Schlecker, Arndt Geiwitz © Foto: Schlecker
Foto: Schlecker
V.l.n.r.: CFO Sami Sagur, Meike Schlecker, Arndt Geiwitz © Foto: Schlecker
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