Ernst & Young: Optimismus beim Mittelstand
 
Ernst & Young

Optimismus beim Mittelstand

EY
© EY
© EY

62 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Österreich sind uneingeschränkt zufrieden mit ihrer Geschäftslage – die Zufriedenheit ist so hoch wie zuletzt vor zehn Jahren.

Ernst & Young (EY) hat sein Mittelstandsbarometer Österreich 2019 veröffentlicht, in dem sich der Mittelstand trotz Konjunkturabschwung so optimistisch wie zuletzt vor zehn Jahren zeigt: Die Investitionen und die Beschäftigung sollen steigen. Die Konjunktur in Österreich verliert an Fahrt, wie man allenthalben hört, die weltweiten politischen Risiken nehmen zu – der österreichische Mittelstand ist aber gut gelaunt: 62 Prozent der Unternehmen sind derzeit uneingeschränkt zufrieden mit ihrer Geschäftslage. Das ist zwar um sechs Prozent weniger als vor einem Jahr, entspricht aber immer noch dem höchsten Niveau seit zehn Jahren: Im Jänner 2008 war die Zufriedenheit letztmalig höher. Besonders gut bewerten die Industrie- (71 %) und Gesundheitsbranche (70 %) ihre aktuelle Geschäftssituation. Gleich bleibt der Anteil derer, die die geschäftlichen Umstände als negativ bewerten: Sowohl 2018 als auch 2019 sind es fünf Prozent der Unternehmen.

Die mittelständischen Unternehmen in Österreich sind bislang nicht nur weitgehend zufrieden, sondern auch optimistisch, was das Geschäftsjahr 2019 betrifft: Jedes zweite Unternehmen (51 %) rechnet heuer mit einem Umsatzwachstum. Im Durchschnitt erwarten die Unternehmen ein Umsatzplus von 1,7 Prozent, die höchste Umsatzsteigerung erhoffen sich Industrie- bzw. Tourismus-Betriebe (+ 1,9 bzw. + 1,8 %). Diese Ergebnisse stammen aus einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die 900 mittelständische, nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitern in Österreich befragt wurden.

„Die Stimmung im österreichischen Mittelstand ist bemerkenswert gut – gerade angesichts der eingetrübten weltweiten Konjunkturaussichten fällt das Urteil überraschend positiv aus“, kommentiert Erich Lehner, Managing Partner Markets bei EY Österreich. „Offensichtlich haben sich die verschlechterten Konjunkturprognosen noch nicht auf die Geschäftslage und -erwartungen der heimischen Unternehmen ausgewirkt. Tatsächlich ist die Umsatzentwicklung bei vielen Unternehmen immer noch sehr zufriedenstellend. Zudem beunruhigen die geopolitischen Spannungen den Mittelstand offenbar deutlich weniger als Großkonzerne. Dies dürfte auch in der stärkeren Orientierung des Mittelstands auf die Binnennachfrage und den europäischen Markt begründet sein.“

Der Fachkräftemangel spitzt sich zu

Die positive Prognose bezüglich der eigenen Umsatzentwicklung spiegelt sich im Investitionswillen wider, und der Optimismus sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in Österreich nach wie vor an Fachkräften mangelt. Die Investitionsbereitschaft der mittelständischen Unternehmen bleibt auch 2019 hoch: Jedes vierte Unternehmen (23 %) plant, die Investitionstätigkeit gegenüber dem Vorjahr zu verstärken. Der Jobmotor Mittelstand läuft hierzulande somit weiter rund – jeder Dritte (32 %) will zusätzliche Stellen schaffen. Der Wille ist da, aber es fällt zahlreichen Unternehmen schwer, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Nur zwei Prozent geben an, keine Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung zu haben, mehr als vier von fünf Unternehmen (83 %) fällt es laut eigener Aussage schwer. Vom Fachkräftemangel sind die Immobilienbranche (93 %), die Industrie (90 %) sowie der Tourismus (88 %) am stärksten betroffen. Neben dem Fachkräftemangel (2019: 69 %, 2018: 59 %) sehen die Mittelstandsunternehmen große Gefahren durch den zunehmenden Wettbewerb (2019: 37 %, 2018: 55 %) sowie die Rohstoffpreise (2019: 33 %, 2018: 45 %).

Zufrieden mit der Standortpolitik

Summa summarum kann man sagen, dass sich Österreich durch eine hohe Standortzufriedenheit auszeichnet, sowohl überregional als auch auf einzelne Bundesländer bezogen. Die Zufriedenheit der mittelständischen Unternehmen mit der bundesweiten Standortpolitik hat sich gegenüber dem Jahresbeginn 2017 mehr als verdreifacht – von 15 auf 51 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Erhebungsbeginn 2015. Wenn man sich dann noch vor Augen hält, dass Wien ein besonders attraktiver Standort ist – die Zahl von 221 aus dem Ausland kommenden Betriebsneuansiedlungen in 2018 wurde dieser Tage kolportiert –, dann braucht man sich um Österreich in dieser Hinsicht keine Sorgen machen.

© EY
EY
© EY


Erich Lehner, EY Österreich © EY
EY
Erich Lehner, EY Österreich © EY
stats