Zielpunkt: Pfeiffer: Immobiliendeal verursach...
 
Zielpunkt

Pfeiffer: Immobiliendeal verursacht finanziellen Schaden

Pfeiffer
Georg Pfeiffer: "Der Zusammenfall von Zielpunkt-Insolvenz und Anmeldung des Immobilienkaufs bei der BWB ist ein zeitlich unglücklicher Zufall." © Pfeiffer
Georg Pfeiffer: "Der Zusammenfall von Zielpunkt-Insolvenz und Anmeldung des Immobilienkaufs bei der BWB ist ein zeitlich unglücklicher Zufall." © Pfeiffer

Heute wurde beim Handelsgericht Wien der Insolvenzantrag für die Zielpunkt GmbH. eingebracht. Schon vorher wurde das AMS über die Kündigung von rund 2.700 Mitarbeitern informiert. Trotz aller Feststellungen seitens Mag. Georg Pfeiffer, Eigentümer der Pfeiffer Handelsgruppe, dass die Fortbestehungsprognose vom 25. November aus Rechtssicht die Weiterführung von Zielpunkt untersagt, gibt es Stimmen aus der Branche, die wie Wolfgang Katzian von der GPA-djp einen Masterplan vermuten.

„Es ist ganz einfach erklärt“, sagt Georg Pfeiffer in der ORF-Sendung „Im Zentrum“ am 29. November zu der Tatsache, dass am 24. November - also einen Tag vor Bekanntgabe, man würde Zielpunkt in die Insolvenz schicken – bei der BWB der Antrag für den Erwerb der TREI Real Estate Austria GmbH gestellt wurde. In einer Pfeiffer-Aussendung, ebenfalls vom 29. November, wird festgehalten, dass die Objekte von der Pfeiffer Handels GmbH. im Rahmen der Zielpunkt-Sanierungsmaßnahmen Anfang November erworben wurden. 70 Stück sind es, der Vertragsabschluss dazu erfolgte am 3. November mit dem geplanten Erwerb im Jahr 2016. „Das Ziel war es, die Mieten zu senken“, so Pfeiffer in der ORF-Sendung. Und weiter, dass es sich dabei um Standorte mit unterdurchschnittlich guter Qualität handle, 30 davon könne man nur schwer vermieten. Pfeiffer: „Jetzt haben wir den Schaden.“

Das Projekt, Zielpunkt-Immobilien zu kaufen, wurde laut Georg Pfeiffer im Mai dieses Jahres angesetzt. Warum man bis zuletzt daran festgehalten hat bzw. sogar TREI kaufen will, bleibt zunächst ungeklärt. Die Pfeiffer-Handelsgruppe stieg jedenfalls bereits im Jahr 2013 in die Zielpunkt-Mietverträge ein, um ihn zu entlasten. In Summe sollte sich Zielpunkt so rund vier Millionen Euro ersparen. Unbekannt ist, wie viel Zielpunkt tatsächlich an Mieten an die Mutter bezahlt hat bzw. wie viel die Pfeiffer-Handelsgruppe selbst an den Vermieter bezahlt hat.

Katzian/GPA: Genau prüfen
Wolfgang Katzian, GPA-djp-Chef, will jedenfalls, dass man die Dinge rund um die Immobiliensache genau prüft und bleibt dabei, dass hinter der Zielpunkt-Causa durchaus ein Masterplan stehen könnte, „wo man am Ende die Mitarbeiter über die Klinge springen lässt“.

Dass der Kauf von Immobilien und die Zahlungsunfähigkeit von Zielpunkt zusammenfallen, „ist ein unglücklicher zeitlicher Zufall“, hält Georg Pfeiffer fest.

Ob es sich nun wirklich um Zufälle handelt, diese Zweifel tauchen aber nicht nur im GPA-, sondern auch im Branchenstimmungsbild auf.

Lieferanten getäuscht?
Außerdem bleibt die Frage im Raum, ob die Aussagen in den letzten Tagen vor der Zielpunkt-Insolvenz seitens des Pfeiffer-Managements, die keinen Rückschluss auf Zahlungsunfähigkeit gegeben haben, als Täuschung interpretiert werden können und inwieweit dies auch für allfällige Jahresgespräche gilt. Zu dieser komplexen Situation kommt außerdem noch dazu, dass die Kooperation zwischen Eurogast und Top Team Zentraleinkauf, die seit 2004 besteht, im Februar des nächsten Jahres aus strategischen Gründen beendet wird, wie Pfeiffer bei einer Pressekonferenz am 5. November 2015 bekanntgab.

Aus Branchengerüchten ist zu vernehmen, dass der Druck der Banken jedenfalls nicht nur zur Zielpunkt-Insolvenz geführt hätte, sondern auch den Verkauf des C+C-Geschäftsfeldes an Transgourmet beschleunigt hat. Mit Geldern aus dem operativen C+C-Geschäft wäre nicht nur Zielpunkt, sondern auch das Online-Business teilweise mitsubventioniert worden.

EINZELHEITEN ZUM ZIELPUNKT-KONKURSVERFAHREN LAUT KSV1870

Gläubiger:
rd. 750 (Lieferanten bzw. öffentlich rechtliche Gläubiger und Vermieter)

Passiva:
Gesamt rd. EUR 237 Mio. inklusive besicherter Verbindlichkeiten
- Lieferungen und Leistungen rd. EUR 38,4 Mio.
- Konzerninterne Verbindlichkeiten rd. EUR 33,9 Mio.
- Offene Löhne und Gehälter rd. EUR 9,7 Mio.
- Sonstige Verbindlichkeiten/Gutscheine rd. EUR 1,9 Mio.
- Rückstellungen inkl. Abgaben, Löhne, Leasingentgelte, Vertragsansprüche

Aktiva (lt. Schuldnerangaben): Rd. EUR 33,5 Mio. inklusive Ab- bzw. Aussonderungsrechten

Masseverwalter:
Rechtsanwalt Dr. Georg Freimüller, Alser Straße 21, 1080 Wien

Die Anmeldefrist wurde vom Handelsgericht Wien mit dem 11.02.2016 festgesetzt.
Die allgemeine Prüfungstagsatzung zur Prüfung der angemeldeten Insolvenzforderungen wird am 25.02.2016 am Landesgericht stattfinden.

stats