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1. Quality Austria Lebensmittelforum-Forum

Qualität ist ein Prozess

Fotos: qualityaustria
© Fotos: qualityaustria
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Über Trends und Entwicklungen im Bereich Qualitätssicherung und -kontrolle referierten hochkarätige Experten beim 1. Quality Austria Lebensmittelforum Ende Oktober in Linz. CASH war als Kooperationspartner für Sie mit dabei.

Mit ihrem Eröffnungsreferat warf Dr. Karen Jebousek vom Bundesministerium für Gesundheit die Frage auf, welche Synergien sich zwischen amtlicher Lebensmittelkontrolle und Audits ergeben können. Ergebnis: Synergien zwischen den vielfältigen Produkt- und Systemstandards gibt es, sie herauszuarbeiten stellt Kunden wie Zertifizierungsstellen aber oftmals vor gewisse Herausforderungen. Mittelbare Synergien gebe es auch zwischen den gesetzlichen Kontrollen und Zertifikaten in dem Sinn, dass die zertifizierten Unternehmen allgemein gut aufgestellt sind und über eine gute Dokumentation verfügen. „Zertifikate werden die Kontrollen aber nicht ersetzen können“, schränkte DI Alfred Greimel, Quality Austria Branchenmanager Food und Non Food, in der kurzen, dem Referat folgenden Diskussion ein.


Vorteile kombinierter Kontrollen und Audits

Im folgenden Beitrag ging DI Hans Matzenberger, Geschäftsführer der Austria Bio Garantie und agroVet Prüf- und Zertifizierungsstelle, u.a. der Frage nach den möglichen Vorteilen kombinierter Kontrollen und Audits nach. Letztere sieht Matzenberger zum Beispiel in der Kostenersparnis für Kunden sowie im geringeren internen Auditaufwand in den Unternehmen. Speziell im Produktbereich könnte seiner Auffassung nach mehr Sicherheit durch die gleichzeitige Betrachtung verschiedenster Labels erreicht und somit der „Garantieanspruch“ an die Kontrollstellen leichter erfüllt werden. „Jedoch nehmen dadurch auch die Herausforderungen deutlich zu“, räumte Matzenberger ein. Auch das Anforderungsprofil an Auditoren steige massiv. Ebenso wuchsen dadurch die Kommunikationsanforderungen in und zwischen den Zertifizierungsstellen. Leistungsfähige Datenbanken seien in diesem Zusammenhang deshalb unerlässlich.

Lebensmittelkontakt-Materialien im Fokus

Ganz im Brennpunkt des nächsten Vortragsblocks stand das Thema Lebensmittelkontakt-Materialien. „Von Materialien und Gegenständen, die mit Lebensmitteln in Kontakt stehen, darf es keinen Übergang von Bestandteilen in das Lebensmittel in Konzentrationen geben, die zur Schädigung der menschlichen Gesundheit oder zu unvertretbaren Änderungen der Lebensmittel hinsichtlich der Zusammensetzung, des Geschmacks oder des Geruchs führen könnten“, rief Dr. Dietmar Österreicher vom Bundesministerium für Gesundheit, Abteilung für Lebensmittelsicherheit und Verbrauchschutz, dem Auditorium eingangs seines Referates die entsprechende gesetzliche Bestimmung in Erinnerung. Dabei sei die Erbringung des Nachweises der Unbedenklichkeit eine Bringschuld des Lieferanten. Dieser habe sie dem Kunden mittels so genannter Konformitätserklärung in verbindlicher schriftlicher Form zu bescheinigen und bei wesentlichen Veränderungen jeweils zu erneuern bzw. darauf hinzuweisen, falls noch bestimmte Daten fehlten, stellte Österreicher klar.

Dr. Johannes Bergmair, Leiter Life Science am Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik (ofi), sorgte mit seinem Beitrag für eine Vertiefung des Themas Lebensmittelkontakt-Materialien. In der Praxis stünden bei Glas vor allem Silikate und Schwermetalle im Blickpunkt, bei Kunststoffen Weichmacher, Monomere sowie Antistatika und bei Papier Hilfs- und Füllstoffe wie z.B. Kreide. Überprüfen ließe sich die Unbedenklichkeit beispielsweise mittels diverser Migrationsprüfungen, entscheidend sei dabei aber die Berücksichtigung der tatsächlichen Einsatzbedingungen, hob Bergmair hervor, denn je höher die Temperatur, desto höher in der Regel die Migration. Genauso wichtig sei in diesem Zusammenhang natürlich auch, wie lange das Lebensmittel in ein- und derselben Verpackung verbleibe.

Der Homo Consumens

Den Nachmittagsschwerpunkt „Qualität in der Wertschöpfungskette“ eröffnete Prof. Klaus Dürrschmid vom Department für Lebensmittelwissenschaften und -technologie der Universität für Bodenkultur mit einem äußert kurzweiligen Blick auf den Homo Consumens. Fazit: Otto Normalverbraucher ist tot. Das ungeliebte Kind der Statistik ist nach langem Leiden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstorben. Der Konsument im 21. Jahrhundert ist multioptional und betrachtet Lebensmittel längst als Konstruktionsmittel der eigenen Identität bzw. des eigenen Lebensstils – Fast Food inklusive. Was Betreiber großer Schnellimbiss-Ketten mitunter vor gewaltige Herausforderungen in punkto Prozessmanagement stellt.

Vom Produzenten bis zum Restaurant

McDonald’s beispielsweise beliefert in Europa pro Jahr 6.300 Restaurants. Das bedeutet, dass 295 Millionen Kartons mit einem Gewicht von insgesamt 2,5 Millionen Tonnen über 72 Millionen Kilometer, aufgeteilt auf eine Million Lieferungen, zu bewältigen sind. „Dabei müssen die Versorgungssicherheit, die Qualität und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen sichergestellt werden“, erklärte Helga Prugger, Process Manager Supply Chain Europe McDonald’s Europe Ltd. in ihrem Beitrag. Zu bewerkstelligen sei dies, indem man die notwendigen Standards auf drei Ebenen gliedere: die landwirtschaftliche Produktion, die Lebensmittelverarbeitung und die Restaurants.

Herausforderungen im Großhandel

Die Herausforderungen im Hinblick auf Qualität und Lebensmittelsicherheit im Großhandel skizzierte schließlich DI Florian Pfeiffer, seines Zeichens Leiter des Qualitäts- und Prozessmanagements der C+C Pfeiffer GmbH. Kritik übte Pfeiffer am Umstand, dass es keine verpflichtende Deklaration der Produkte im Gastrobereich, im Catering sowie im Bereich Gemeinschaftsverpflegung gäbe. Die Praxis zeige weiters, dass Zertifikate und Audit-Berichte oft nicht der gelebten Praxis entsprechen. Eine der größten Herausforderung liegt seiner Meinung nach in der Rückverfolgbarkeit und Einhaltung der Kühlkette speziell in der Abholung durch die Kunden. „Waren werden in der Abholung von den Kunden oft ungekühlt auch über einen größeren Zeitraum nach Hause transportiert, angebotene Kühlsysteme werden nur zaghaft angenommen, weiß Pfeiffer aus der täglichen Praxis.

Wozu das Ganze?

Notwendig seien die diversen Zertifizierungen und Audits nicht zuletzt deshalb, weil durch die Globalisierung der Warenströme und durch die Zunahme der Eigenmarken der Handel selbst immer öfter hauptverantwortlich für die Lebensmittelsicherheit ist, unterstrich DI Anka Lorencz vom Bundesgremium des Lebensmittelhandels der Wirtschaftskammer Österreich in ihrem Referat den Nutzen von Standards und Qualitätssicherungssystemen. Ein Audit sei dabei aber nicht das Um und Auf der Kunden-Lieferanten-Beziehung, sondern lediglich ein Teil davon. Vielmehr gehe es dem Handel um mehr Transparenz in der Lieferkette und darum, dass der kontinuierliche Verbesserungsprozess, der durch externe Audits in Gang gesetzt wird, aufrecht erhalten werde. Wie Pfeiffer sieht jedoch auch Lorencz das Problem, dass es in der Praxis große Schwierigkeiten gibt: „Audit-Berichte entsprechen nicht den Tatsachen, HACCP-Konzepte stehen oft nur am Papier, werden aber nicht gelebt, Spezifikationen werden nicht eingehalten“, moniert Lorencz.

Was wünscht sich der Handel?

Last but not least formulierte Dr. Andreas Steidl, Rewe International AG, Qualitätsmanagement Ja! natürlich, aus der Sicht des Händlers seine Erwartungen und Forderungen an die Hersteller. Der kontinuierliche Verbesserungsprozess werde noch zu selten gelebt, in der Reklamationsbearbeitung gäbe es noch zu wenig substanzielle Vorschläge zur zukünftigen Fehlervermeidung bzw. oftmals noch unzureichende Ursachenfindung, übte Steidl Kritik und fand trotzdem auch Positives. „Schaut man in die Medien hat man den Eindruck, dass Lebensmittel noch nie so unsicher waren wie jetzt. Das Gegenteil ist der Fall!“, schloss Steidl.

Gastgeber Alfred Greimel durfte noch vor Ort viele positive Rückmeldungen zur Veranstaltung entgegennehmen und kündigte in seiner Verabschiedung ad hoc die Fortsetzung der Kooperation mit den Netzwerkpartnern ofi und CASH im kommenden Jahr an. (Über den Termin für das 2. Quality Austria Lebensmittelforum informieren wir Sie rechtzeitig!)

Weitere:
Welchen Wert hat Qualität
2. qualityaustria Lebensmittelforum


DI Alfred Greimel
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DI Alfred Greimel


Dr. H. Dietmar Österreicher
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Dr. H. Dietmar Österreicher


DI Dr. Johannes Bergmair
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DI Dr. Johannes Bergmair


Prof. DI Dr. Klaus Dürrschmid
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Prof. DI Dr. Klaus Dürrschmid


Mag. Helga Prugger
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Mag. Helga Prugger


DI Florian Pfeiffer
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DI Florian Pfeiffer


DI Anka Lorencz
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DI Anka Lorencz


Dir. DI Dr. Andreas Steidl
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Dir. DI Dr. Andreas Steidl
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