Lorenz Wedl: „Respekt muss man sich erarbeite...
 
Lorenz Wedl

„Respekt muss man sich erarbeiten“,

sagt Lorenz Wedl, der seit 1. Jänner 2019 Sprecher der Geschäftsführung der Wedl Handels-GmbH ist. Mit 28 Jahren ist er einer der jüngsten Spitzenmanager im Handel, der vollengagiert in die Zukunft blickt.

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© Markus Wache
Lorenz Wedl: „Wir möchten gemeinsam mit der Industrie Maßnahmen forcieren, die uns helfen, ihre Mark
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Lorenz Wedl: „Wir möchten gemeinsam mit der Industrie Maßnahmen forcieren, die uns helfen, ihre Mark
CASH: Herr Wedl, Sie sind seit Jänner 2019 Sprecher der dreiköpfigen Geschäftsführung der Wedl Handels-GmbH. Ihr Vater KR Leopold Wedl hat sich aus dieser Firma zurückgezogen. Bei einem Generationenwechsel in einem Familienunternehmen taucht ja immer die Frage auf: Welchen Spielraum gibt es für den Nachfolger für eigene Entscheidungen, für neue Wege? Wie viel Spielraum hatten bzw. haben Sie?
Lorenz Wedl: Mein Vater hat mich immer unterstützt. Er hat mir viele Freiräume gegeben, damit ich Projekte umsetzen konnte und es ist uns in den letzten Jahren sehr gut gelungen, einen produktiven Konsens zu finden und Entscheidungen gemeinsam nach außen zu tragen. Darüber bin ich sehr froh. Dass es bei einem Generationenwechsel immer wieder einmal Reibungspunkte gibt, das finde ich prinzipiell gesund und gut. Mein Vater hat eine enorm langjährige Erfahrung und seine Sicht der Dinge. Ich habe natürlich auch meine eigenen Ideen und Sichtweisen. Aber wir haben es geschafft, einen sehr guten Weg für uns beide zu finden. Mein Vater ist Geschäftsführer in der Holding, hat viel zu tun und kümmert sich jetzt intensiv um Bereiche wie etwa Kaffee und Immobilien.

Es gibt rund dreißig Firmen im Wedl-Universum. Wie behält man da den Überblick? Worauf legt man den Schwerpunkt?
Diese breite Ausrichtung ist auf eine Art und Weise Fluch und Segen zugleich. Da wir in mehreren Branchen tätig sind, haben wir entlang der Wertschöpfungskette viele Synergieeffekte, die genutzt werden können. Wir haben so natürlich auch eine gewisse Risikostreuung, wenn sich etwa ein Zweig gerade einmal nicht so gut entwickelt. Das ist aber in den letzten Jahren zum Glück nicht passiert. Es ist keine leichte Aufgabe, den Überblick zu behalten – das ist allerdings auch nicht meine Aufgabe, sondern die meines Vaters als Holding-Geschäftsführer. Tatsache ist jedenfalls, dass man sich um alle Felder, um alle Firmen gleichermaßen intensiv kümmern muss. Und was mich betrifft: Ich bin seit rund dreieinhalb Jahren im Unternehmen, in der Zwischenzeit habe ich den Überblick.

In der Wedl Handels-GmbH ist der Bereich Gastronomie-Großhandel ein sehr wichtiger – und ein sehr spezieller. Da haben Sie es mit Profis zu tun, die Insider- und Expertenwissen haben. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?
Es stimmt, die Gastronomie ist eine eigene Welt. Man muss Lebensmittel, Prozesse und natürlich die Kunden kennen. Mein Vater hat mich immer auf Veranstaltungen, auf Messen mitgenommen. Ich esse gerne und interessiere mich sehr für Lebensmittel. Ich glaube, ich kann behaupten, ich kenne mich schon aus. Und wie schon erwähnt, die Beziehung zu den Kunden ist sehr wichtig. Ich muss wissen, wie es ihnen geht, was sie denken, wie zufrieden sie mit uns sind. Eine ganz wichtige Brücke zu ihnen sind unsere Außendienstmitarbeiter, Lkw-Fahrer und die Mitarbeiter im Telefonverkauf. Sie sind regelmäßig bei den Kunden, haben eine starke Kundenbindung. Durch den Austausch mit den Mitarbeitern bin ich auch über diesen Weg immer am Laufenden.

Neben der Gastronomie ist auch der klassische Lebensmitteleinzelhandel ein weiteres Geschäftsfeld. Überraschend für mich ist, dass Sie ihn als Kerngeschäft bezeichnen, obwohl doch die Zahl der betreuten Nah&Frisch-Kaufleute abnimmt?
Das Handelshaus Wedl ist aus dem Segment Lebensmittel­einzelhandel heraus entstanden, als mein Urgroßvater 1904 ein Kolonialwarengeschäft errichtet hat. Diese Historie wollen wir nicht vergessen und unsere bestehenden Kompetenzen nicht leugnen. Der Bereich Nah&Frisch ist uns also noch immer wichtig, auch wenn er verhältnismäßig zum Gesamtumsatz sicherlich eine kleinere Rolle spielt. Wir haben 46 Lieferstellen.

Warum entwickelt sich dieser Bereich nicht so gut?
Die Dichte im LEH ist im Westen sehr groß, der Wettbewerb sehr preisaggressiv …

… was wollen Sie unter diesen Verhältnissen dann erreichen?
Unser Ziel ist, aus Nah&Frisch einen Multi-Service-Hub zu machen. Die Verbraucher sollen auf dieser Kleinfläche alles für den täglichen Bedarf erhalten, ebenso wie die Touristen. Der Hub soll d e r Nahversorger in der Region sein, das werden wir in der Zukunft konsequent verfolgen und uns als Player in der Nische positionieren. In kleineren Orten und bei Tankstellen werden wir dabei auf das Modell Nah&Frisch Punkt setzen und in klassischen Nah&Frisch-Märkten unter anderem mit Gastronomiekonzepten und Dienstleistungen wie etwa Post die Frequenz steigern.

In Ihr Ressort fällt auch der Einkauf und damit sind Sie direkt mit der Industrie konfrontiert. Es gibt im Allgemeinen viel Streitpotenzial zwischen Handel und Industrie. Sehen Sie das auch so?
Streitpotenzial gibt es meines Erachtens nur, wenn zwischen den Parteien nicht auf Augenhöhe kooperiert wird oder wenn beispielsweise die Industrie unsere Kunden direkt bedient und uns somit als Handelsbetrieb aushebelt.

Und wie wollen Sie künftig mit der Industrie zusammenarbeiten?
Wir möchten gemeinsam mit der Industrie Maßnahmen forcieren, die uns helfen, ihre Markenartikel besser zu verkaufen, und davon haben wir dann beide etwas.

Sind das Werbekostenzuschüsse?
Für heuer planen wir sehr viele Maßnahmen, die weit mehr als die Stützung von Aktionsprogrammen und Gewinnspielen umfassen. Ich will da jetzt nur ein paar aufzählen: Produktschulungen für unsere Vertriebsmitarbeiter, Verkostungen in unseren Märkten, Optimierung der Warenpräsentation usw.

Sie setzen also auf die Kooperation mit Markenartiklern, booten Sie aber im Gegenzug mit Eigenmarken aus.
Nein, wir booten sie nicht aus. Wir sind ein Vollsortimenter mit rund 30.000 Artikeln im Gastronomiebereich und möchten eine so große Auswahl wie möglich anbieten. Wir müssen uns aber auch von unseren Mitbewerbern differenzieren, und das in Zukunft noch stärker als früher mit einzigartigen Sortimenten. Dazu gehören unsere Eigenmarken. Ihr Anteil, gemessen am Gesamtumsatz, liegt jetzt bei knapp über zehn Prozent. Sie sehen also sehr schnell: Im Vergleich zu diversen Marktbegleitern haben wir noch Luft nach oben.

Wie viel Luft haben Sie eigentlich noch für Urlaub, für Freizeit?
Natürlich ist die Zeit für Urlaub und Freizeit jetzt viel weniger geworden. Deshalb mache ich in dieser Zeit wirklich nur mehr das, was ich wirklich will.

Sind Sie von der einen oder anderen Herausforderung, die Sie nun als Geschäftsführer stemmen müssen, überrascht?
Im Großen und Ganzen nicht. Für mich war nie in Stein gemeißelt, dass ich im Unternehmen tätig bin. Erst nach der HAK, nach dem BWL-Studium habe ich bemerkt, dass ich in diese Richtung arbeiten will. Ich bin also in die Sache hineingewachsen. Und die Arbeit macht mir sehr großen Spaß!

Herr Wedl, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Ausführliche Facts zum Unternehmen lesen Sie in der Februar-Ausgabe 2019 von CASH oder unter https://www.cash.at/archiv/wedl-weiter-auf-wachstumskurs/

Ad personam
Prok. Lorenz Wedl, MSc. (28)
- wohnt in Innsbruck
- lebt seit 12 Jahren in Partnerschaft
- absolvierte Masterstudium BWL/strategische Unternehmensführung
- Praktiken bei Globus/D (Aufbau eines Geschäftsmodells für die Kleinfläche) und bei Alnatura/D (Einkauf)



Einstieg in den Betrieb
- Lorenz Wedl ist seit Jänner 2016 im Familienunternehmen tätig
- Seit Jänner 2019 ist er Sprecher der Geschäftsführung der Wedl Handels-GmbH
- Umsatz 2018: 244,5 Millionen Euro
- Sein Ressort umfasst Vertrieb, Einkauf, Marketing & Category Management
- Der Geschäftsführung gehören außerdem an: Mag. (FH) Klaus Mantl/Logistik, Mag. Tobias Waidhofer/Finanz, IT, Organisationen



Lorenz Wedl im Wordrap
Meine wichtigste Aufgabe als Unternehmer ist zu wissen, was die Kunden wollen.
Ich bin ein Teamplayer, weil ich auf mit den Mitarbeitern gemeinsam getroffene Entscheidungen setze.
Ein guter Tag ist für mich, wenn ich Dinge umsetzen kann, die ich mir vorgenommen habe.
Meine Freizeitgestaltung wird in Zukunft natürlich etwas eingeschränkt sein. Ich werde primär das tun, was ich wirklich will.
In meinem Urlaub möchte ich Energie tanken und freue mich, wenn ich auf Reisen Sortimentstrends sehe.
Meine Hobbys sind Skifahren, Golf, Segeln, Freunde treffen und das Thema E-Commerce.

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