Schlecker/Daily/TAP 09: Schlecker-Übernahme: ...
 
Schlecker/Daily/TAP 09

Schlecker-Übernahme: Skepsis macht sich breit

-

Nach den ersten euphorischen Stimmen über die Schlecker-Rettung in Österreich melden sich nun in breiter Front die Skeptiker zu Wort und hegen massive Zweifel an Haberleitners Nahversorgungs-Idee.

Sicher ist: Für TAP 09-Chef Rudolf Haberleitner wird die Umsetzung seiner Pläne mit der frisch übernommenen Drogeriekette Schlecker sicher kein Honiglecken, eher eine gewaltige Challenge. Zum einen wird die Erhaltung der 900 österreichischen Filialen an sich schon eine extrem schwierige Sache - Ex-dm-Manager Manfred Laaber gibt maximal 600 davon eine Chance und wollte diese auch selbst übernehmen, die MTH-Gruppe um Josef Taus, die bereits Libro und Pagro im Portfolio hat, wollte gar nur 100 Filialen haben - und zum anderen möchte Haberleitner innerhalb von vier Jahren um weitere 250 Outlets expandieren, was alleine schon standortmäßig fast ein Ding der Unmöglichkeit sein wird, da ja bereits jetzt in unmittelbarer Nähe eines Schleckers mit Billa, Spar, Adeg, Nah&Frisch usw. jede Menge Nahversorger logieren.

Dennoch, Haberleitner ist sich sicher, dass es jede Menge Bedarf gäbe an Outlets in Schlecker-Größe mit rund 250 Quadratmetern, die Artikel des täglichen Bedarfs anbieten. Was automatisch eine Sortimentsausweitung um Lebensmittel sowie um Dienstleistungen wie Copymöglichkeit und Postgeschäfte nach sich ziehen würde. Für Haberleitner insofern kein Problem, da er mit Lebensmittel ohnehin nur acht Prozent des Umsatzes plane.

Was die Skeptiker sonst noch in die Waagschale werfen, sind die enormen Kosten des Rebrandings von Schlecker auf Daily, unter anderem auch deswegen, weil die Marke Daily ein seit vielen Jahren nicht nur bei Brancheninsidern bestens etablierter Begriff für Tiefkühllogistik - die Vivatis-Tochter sitzt in Asten bei Linz und hat sich auch die Homepage www.daily.at gesichert - ist. Hiezu kommen Investitionen in dringend notwendige Infrastruktur-Modernisierungen wie neue Kassen und Kassensysteme, EDV-Systeme, Ausbau der Lagerkapazitäten, Filial-Restaurierungen und generelle Logistik-Erweiterungen. Glaubt man den Recherchen der Tageszeitung "Die Presse", so wären alleine dafür Investitionen jenseits der 100 Millionen Euro notwendig.

Das nächste Problem, das auf Haberleitner zukommen wird, ist die überaus zurückhaltende Reaktion der beiden größten heimischen Kreditversicherer Prisma und Coface. Beide sind sich einig, dass Haberleitner neben detaillierteren Konzepten der Umstrukturierung auch die Namen seiner Investment-Partner liefern muß, was dieser jedoch "aus prinzipiellen Gründen" ablehnt. Die Folge: Sowohl Prisma als auch Coface übernehmen für Warenlieferungen an Schlecker/Daily keine Warenkreditversicherungen. Somit ist Schlecker/Daily gezwungen, sämtliche Warenlieferungen bar zu bezahlen.

Haberleitner ist zuversichtlich, sämtliche Pläne Realität werden lassen zu können, möchte bis 2016 auch in den mitgekauften Auslandsmärkten Italien, Polen, Belgien und Luxemburg expandieren und in fünf bis zehn Jahren entweder an die Börse gehen oder weitere Investoren ins Boot holen.
stats