Schulterschluss gegen Blackout : Wenn es dunk...
 
Schulterschluss gegen Blackout

Wenn es dunkel werden sollte

BML/Gruber
Bundesministerin Leonore Gewessler und Bundesminister Norbert Totschnig beim heutigen Roundtable zur Blackout-Prävention.
Bundesministerin Leonore Gewessler und Bundesminister Norbert Totschnig beim heutigen Roundtable zur Blackout-Prävention.

Round Table zu Blackout-Prävention am 29.11. zeigt: Der Lebensmittelhandel ist für den Krisenfall gut gerüstet. Der gemeinsame Blackout-Vorsorge-Plan wurde im Landwirtschaftsministerium präsentiert. 

Zahlreiche Multikrisen prasseln auf die Menschen derzeit ein, das Thema Versorgungssicherheit rückt damit in den Fokus. Im Rahmen des heutigen, 29. November, Roundtables luden Bundesministerin Leonore Gewessler und Bundesminister Norbert Totschnig Handels- und Sozialpartner ins Landwirtschaftsministerium. Teilnehmende waren CEOs des Lebensmitteleinzelhandels, Vertreter der Sozialpartner wie auch von BMI, BMWA und BMLV, der Oesterreichischen Nationalbank und Gemeindebund-Präsident Riedl, sowie Vorstände von APG und E-Control. Bei dem Treffen wurden gemeinsam Energiesparmaßnahmen und ein einheitliches Vorgehen des Lebensmitteleinzelhandels beraten.

Die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln sei in Österreich derzeit gesichert, heißt es vorweg. Das Landwirtschaftsministerium informiere regelmäßig über Lebensmittelversorgungssicherheit, allerdings werde man "künftig auch die Öffentlichkeit über die Lebensmittelversorgungssicherheit in Form eines Ministerratsvortrags informieren", kündigt Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig eine neue Informations-Maßnahme seines Ressorts an. Auch setze der österreichische Lebensmittelhandel seit Jahren Energiesparmaßnahmen um, wie beispielsweise die flächendeckende Umstellung auf LED-Beleuchtung oder der Installation von Photovoltaikanlagen.

Plan für den Ernstfall

Um im Blackout-Fall aber wirklich gerüstet zu sein, haben sich die Lebensmittelhändler gemeinsam mit dem Fachverband des Lebensmittelhandels der WKÖ auf eine einheitliche Vorgehensweise verständigt. Diesem Plan zufolge bleiben am ersten Tag eines Blackouts alle Geschäfte vorerst geschlossen, damit notwendige Vorkehrungen getroffen werden können. Ab dem zweiten Tag werden von 10 bis 15 Uhr bei Märkten von Spar, Interspar, Maximarkt-, Billa-, Penny-, ADEG-, Sutterlüty-, Hofer-, Lidl-, Nah- und Frisch-, Unimarkt- und M-Preis Sackerl mit gemischten Frischeprodukten ausgegeben. Aus logistischen Gründen könnten, so die Aussendung des Landwirtschaftsministeriums, im Krisenfall keine Wünsche für den Inhalt berücksichtigt werden. Zusätzlich können fertig zusammengestellte Lebensmittel- und Getränke-Sackerl gegen Barzahlung erworben werden. Diese Notfall-Sackerl sollten vor den Geschäften direkt ausgegeben werden und beinhalten etwa Wasser, haltbares Brot, Konserven sowie Fertigprodukte oder auch Kerzen; auf Wunsch auch Hygieneartikel oder Babyprodukte.

Darüber hinaus werden vom Lebensmittelhandel ab dem zweiten Tag eines möglichen Blackouts von 9 bis 10 Uhr Lebensmittel an die Gemeinden und Blaulichtorganisationen ausgegeben. Ab dem dritten Tag können aus Gründen der Lebensmittelsicherheit nur mehr Produkte aus dem Trockensortiment ausgegeben werden. Die Ausgabe und Organisation dieser Sackerl wird in enger Kooperation mit den Städten und Gemeinden stattfinden, heißt es. Sowohl Städte- als auch Gemeindebund wurden bei der Erstellung des Blackout-Konzeptes eingebunden.

Die Vertreter einzelner Lebensmittelhändler zeigten sich nach dem Termin zufrieden. So etwa Fritz Poppmeier, Vorstandsvorsitzender Spar: "Unser Auftrag ist es, die Bevölkerung in jeder Lebenslage zu versorgen. Dazu braucht es vorausschauende Planung und unser Krisenteam hat in hochprofessioneller Weise einen Plan für den Fall eines länger dauernden Stromausfalls entwickelt. Wir sind sehr stolz, dass in Abstimmung mit allen Lebensmittelhändlern nun eine einzigartige Branchenlösung entstanden ist." Auch Michael Haraszti, Vorstand Rewe International sieht, dass "auf den Lebensmittelhandel in jeder Situation Verlass ist", dies konnte man bereits in den vergangenen Jahren unter Beweis stellen. "Es freut mich, dass nun im Falle eines Blackouts ein gemeinsamer Plan der ganzen Branche vorliegt. Dies schafft Klarheit und Sicherheit für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und alle Menschen in Österreich", sagt der Rewe-Vorstand weiter. 

Hofer-CEO Horst Leitner begrüßte diesen Schritt der Lebensmittelhändler und das "entschlossene, konzentrierte Vorgehen im Falle eines Blackouts. Gerade in einer Ausnahmesituation sind wir gefordert, als systemerhaltende Betriebe alle an einem Strang zu ziehen und Verantwortung zu übernehmen - zu 100 Prozent und im Sinne und Interesse unserer Bevölkerung." Alessandro Wolf, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Lidl Österreich, hoffe zwar, dass man das erarbeitete Konzept nicht brauchen wird. Trotzdem, sagt er weiter, sei es gut, dass man vorbereitet ist. "Das ist einmal mehr ein Beweis, dass der Lebensmittelhandel abseits des Wettbewerbs seiner Verantwortung im Sinne der Gesellschaft nachkommt."

"Verantwortungsvolle Branche"

Auch für die Nah&Frisch-Kaufleute und ihre Mitarbeiter sei dies "eine Selbstverständlichkeit, Teil einer solchen gemeinsamen, österreichweiten Lösung zur Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Artikeln, im Falle eines Blackouts zu sein. Wir werden unseren Beitrag leisten, dass auch in den vielen Klein- und Kleinstgemeinden im ländlichen Bereich, und dort im Speziellen für weniger mobile Menschen, der Zugang zu Lebensmitteln aufrechterhalten bleibt", so Hannes Wuchterl, Geschäftsführer ZEV Nah&Frisch Marketingservice. Für die Interessensvertretung des österreichischen Lebensmittelhandels, dem Fachverband des Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich sei der "Lebensmittelhandel eine verantwortungsvolle Branche, die ja bereits bewiesen hat, dass sie auch für Krisenzeiten fit ist. Die heute vorgestellte Branchenlösung für einen möglichen Blackout-Fall, die gemeinsam mit der Wirtschaftskammer erarbeitet wurde, ist europaweit beispielgebend und zeigt, dass der Lebensmittelhandel als systemkritische Infrastruktur auch für den Krisenfall gerüstet ist", so Christoph Tamandl, Geschäftsführer des Fachverbands.

Auch der österreichische Handelsverband äußerte sich zu dem heutigen Roundtable, und begrüßte die gemeinsam beschlossenen Maßnahmen. Alles in allem wurden Themen, wie Energiesparmaßnahmen, Steigerung der Energieeffizienz, die Reduzierung des Stromverbrauchs und die Netzstabilität, aber auch die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln in knapp 90 Minuten beraten. Im heurigen Winter gäbe es keine erhöhte Blackout-Gefahr und begrüßt "praxistaugliche Blackout-Präventions-Konzepte, die für die Versorgungssicherheit in Österreich von entscheidender Bedeutung – gerade jetzt in der Gaskrise - sind", sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Bereits im Sommer hat der Handelsverband zu diesem Zweck einen Blackout-Ratgeber publiziert, der mit den heimischen Händlern gemeinsam einen Maßnahmenplan im Notfall beinhaltet.

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