GPA-djp: Sicherheit für Angestellte
 
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Sicherheit für Angestellte

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Martin Müllauer, Anita Palkovich und Josef Hager von der GPA-djp fordern mehr Entlastung für Handelsangestellte, die mit Gewalt am Arbeitsplatz zu tun haben.© CASH
Martin Müllauer, Anita Palkovich und Josef Hager von der GPA-djp fordern mehr Entlastung für Handelsangestellte, die mit Gewalt am Arbeitsplatz zu tun haben.© CASH

Die GPA-djp sieht ein zunehmendes Aggressionspotenzial im Handel und fordert Schutz, Betreuung und Fortbildungen für die Mitarbeiter.

Die GPA-djp ist besorgt, denn die Mitglieder bemerken eine zunehmende Anzahl an Meldungen von körperlicher und psychischer Gewalt am Arbeitsplatz. Eine Momentaufnahme davon bietet eine IFES-Studie von 2017, bei der 317 Handelsangestellte im Burgenland befragt wurden. Ein Viertel davon wurden am Arbeitsplatz bereits von Kollegen oder Kunden angeschrien, 22 % beleidigt und 10 % sogar bedroht. Auslöser für die eskalierenden Situationen sind laut den Angestellten ein schlechter Führungsstil (91 %), zunehmende Gewaltbereitschaft (91 %), steigender Arbeitsdruck (90 %) und zu wenig Personal (73 %).

Anita Palkovich, Wirtschaftsbereichssektretärin der GPA-djp, weiß: "Im Handel brauchen die Angestellten ein starkes Nervenkostüm. Die Aufgaben werden mehr und abhängig vom Standort müssen zunehmende Kundenfrequenzen mit weniger Personal bewältigt werden. Unter anderem dadurch kommt es vermehrt zu Spannungsfeldern und das bemerken wir. In den vergangenen Jahren erhalten wir vermehrt Anfragen zu körperlicher und psychischer Gewalt - ein Trend, der uns von den Betriebsräten bestätigt wird."

LEH besonders betroffen
Ein Umstand, der Eskalationen begünstigt ist auch das Machtgefälle zwischen Kunden und Angestellten: "Kunden sind anonym während Mitarbeiter, etwa durch ein Namensschild, das nicht sind. Das senkt die Hemmschwelle." Besonders betroffen sind die Mitarbeiter des LEH, wo es laut ihr täglich zu Vorfällen kommt.

Josef Hager, stellvertretender Vorsitzender Wirtschaftsbereich Handel der GPA-djp und Betriebsratsvorsitzender der dm Drogeriemarkt GmbH, schildert, wie Mitarbeiter weniger durch Gewalt am Arbeitsplatz belastet werden können: "Als Arbeitgeber kann in die Fortbildung und die Unterstützung der Angestellten investiert werden. So kann der präventive Umgang mit Gewalt gelernt werden, um viele Situationen zu entschärfen. Das Verhalten in einer gewalttätigen Situation und die psychologische Betreuung danach sind ebenfalls sehr wichtig für die mentale Gesundheit der Mitarbeiter."

Die steigende Anzahl der Meldungen von Gewaltfällen kommentiert Hager: "Es ist unklar, ob die Fälle sich wirklich häufen, da die Dunkelziffer bislang hoch war. Oft werden Zwischenfälle nicht gemeldet, da die Mitarbeiter teils gar nicht wissen, an wen sie sich wenden können."

Dem stimmt Martin Müllauer, Vorsitzender Wirtschaftsbereich Handel der GPA-djp und Betriebsratsvorsitzender der Morawa Buch- und Medien GmbH, zu: "Der Umgang mit Gewalt am Arbeitsplatz erfolgt oft zögerlich - das wollen wir ändern. Es braucht neben präventiven Maßnahmen rasche und unbürokratische Hilfe für Betroffene und im Endeffekt mehr Respekt für Handelsangestellte."

Die GPA-djp fordert daher:

  • Ein Recht auf Supervision innerhalb von einer Woche nach einem Vorfall
  • Mindestbesetzung in Filialen
  • Gewaltschutzbeauftragte ab 20 Beschäftigten
  • Gewaltfreie Gestaltung von Arbeitsplätzen, etwa durch ausreichende Freiflächen und Rückzugsräumlichkeiten für Mitarbeiter


Viele Unternehmen kämen diesen Ansprüchen bereits nach, teils mit eigenen Betreuungsprogrammen und durch die Kooperation mit der Exekutive. Nach den funktionierenden Vorbildern sollen branchenweite Standards geschaffen werden.

Unterstützung von der WKO
Der grundlegenden Aussage der GPA-djp stimmt Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel der WKO, zu: "Wir stehen selbstverständlich auch für einen respektvollen Umgang mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern." Er sieht in der Ausbildung der Handelsangestellten einen wichtigen Baustein für den Umgang mit Kunden und Kollegen - selbst, wenn diese gewalttätig werden. "Dabei und bei weiterführenden Trainings werden Händler und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Umgang mit schwierigen Kunden bestmöglich vorbereitet und ausgebildet."

Auch für unkomplizierte Hilfe nach Übergriffen spricht sich Buchmüller aus, sieht die Idee eines Gewaltschutzbeauftragten jedoch als unnötige Bürokratie. 
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