Sonntagsöffnung: Verhaltene Erwartungen an de...
 
Sonntagsöffnung

Verhaltene Erwartungen an den Shopping-Sonntag

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Laut einer Umfrage der Uni Linz wollen österreichweit nur 15 Prozent den verkaufsoffenen 4. Adventsonntag für Einkäufe im stationären Handel nutzen.

Der 19. Dezember ist kein gewöhnlicher Sonntag. Am 4. Advent darf der Handel nach den Lockdowns in der Weihnachtszeit ausnahmsweise von 10 Uhr bis 18 Uhr öffnen - geschlossen bleiben müssen nur Lebensmittel- und Drogeriefachhandel. Eine entsprechende Verordnung wurde nun in allen neun Bundesländern erlassen. "Österreich steht ein langes Einkaufswochenende bevor. Shoppen können alle, die geimpft oder genesen sind unter Einhaltung der FFP2-Maskenpflicht. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Dank des Sonderkollektivvertrags der Sozialpartner ist auch den Ansprüchen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Rechnung getragen worden", so Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, die weiter sagt: "Ich bin zuversichtlich, dass sich diese einmalige Möglichkeit zu einem Gewinn für die Kundinnen und Kunden und den Handel entwickelt", so Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck.

Umfragen bremsen die Euphorie allerdings etwas. Eine Studie der Uni Linz zufolge würden nur 15 Prozent der österreichischen Konsumenten den Sonntag für Einkäufe im stationären Einzelhandel nutzen. Damit sei der Umsatz mit einem Freitag, aber nicht mit einem Samstag in der Adventzeit vergleichbar. Prognostiziert werden dem Non-Food-Handel Zusatzumsätze in Höhe von rund 150 Millionen Euro brutto. Da nicht alle Geschäfte geöffnet hätten, würden die Sonntagsumsätze nicht an die saisonal bedingt hohen Umsätze des vierten Advent-Einkaufssamstags im gesamten Einzelhandel mit rund 400 Millionen Euro heranreichen, so Ernst Gittenberger vom Institut für Handel, Absatz und Marketing an der Johannes Kepler Universität Linz.

Mehr als die Hälfte sperrt auf.

Eine Studie hat auch der Handelsverband durchgeführt. Alle Einkaufszentren und mehr als die Hälfte der heimischen KMU-Händler werden diese Möglichkeit wahrnehmen, am Sonntag zu öffnen, ist sich Geschäftsführer Rainer Will sicher. Gerade kleinere Händler seien sich aber noch unsicher, ob sich das Aufsperren für sie rentiert, denn auf Konsumentenseite würden nur ein Drittel überlegen, am 19. Dezember shoppen zu gehen, bei 10 Prozent sei es fix.

Der Wiener Handel ist jedenfalls gewappnet, die Lager sind gefüllt, wie Margarete Gumprecht, Handelsobfrau der Wirtschaftskammer Wien klarstellt. Erwartet werden 220.000 Wiener, die ihren Weihnachtseinkauf erledigen wollen, das soll einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro bringen.

Einmalige Sache

Wie Wirtschaftsministerin Margarethe Schramböck mehrmals in ihrem Statement betonte, soll der Einkaufssonntag eine einmalige Sache sein. Das erwarten sich auch die Kritiker der Sonntagsöffnung. "Wieder einmal beweist die Gewerkschaft Weitsicht und Unterstützung in schwierigen Zeiten. Ein Indiz, dass wir das Motto 'Wir lassen in dieser Krise niemanden zurück' verstanden haben und leben", so der Wiener FCG/GPA Vorsitzende Peter Gattinger. "Wir erwarten uns jedoch jetzt von der Wirtschaft und deren Vertretern, dass diese ihr Wort halten und keine weiteren Angriffe auf den freien Sonntag unternehmen."

Schwaches Weihnachtsgeschäft

Die Sonntagsöffnung wurde deshalb gefordert, weil durch den Lockdown die Geschäfte an drei Einkaufssamstagen geschlossen halten mussten. Schon allein deshalb liegt man weit hinter den Erwartungen für das Weihnachtsgeschäft im stationären Handel. Die Umsatzprognose von Handelsverband und Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) für den österreichischen Einzelhandel geht heuer von einem weihnachtsbedingten Mehrumsatz von 1,2 Milliarden Euro netto aus. Das entspricht zwar einem Plus von 100 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr (1,1 Mrd. Euro netto), allerdings war vergangenes Jahr das Weihnachtsgeschäft ebenfalls stark durch die Pandemie nach unten gedrückt worden.

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