APA-DeFacto: „Soziale Medien können die Kompe...
 
APA-DeFacto

„Soziale Medien können die Kompetenz der Medien nicht ersetzen“

APA-DeFacto/Jacqueline Godany
V.l.n.r.: Katharina Schell (APA-medialab), Alexander Raffeiner (Moderation), Petra Bernhardt (Universität Wien), Klemens Ganner (APA-DeFacto), Lisa Totzauer (ORF) und Andre Wolf (Mimikama). © APA-DeFacto/Jacqueline Godany
V.l.n.r.: Katharina Schell (APA-medialab), Alexander Raffeiner (Moderation), Petra Bernhardt (Universität Wien), Klemens Ganner (APA-DeFacto), Lisa Totzauer (ORF) und Andre Wolf (Mimikama). © APA-DeFacto/Jacqueline Godany

Geschwindigkeit und Komplexität von Nachrichten sind in den vergangenen Jahren stark angestiegen, Falschmeldungen können ebenso schnell verbreitet werden. Was man dagegen tun kann, wurde bei einem APA-DeFacto Event erläutert.

„Gesicherte Informationen im post-faktischen Zeitalter“: So lautete der Titel einer APA-DeFacto Veranstaltung, die ganz im Zeichen von „Fake News“ und Falschmeldungen stand. Fake News können nicht nur Privatpersonen oder Organisationen verunglimpfen, sondern auch Unternehmen. Was versteht man eigentlich im genauen unter diesem Begriff und wie kann man entgegenwirken? CASH war vor Ort und versucht, Antworten zu geben.

„Falschmeldungen gab es schon immer“, so APA-DeFacto-Geschäftsführer Klemens Ganner, der das Event eröffnete. „Doch der Distributionsweg und die Geschwindigkeit haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert.“ Ganner rät, „in Zukunft noch genauer zu recherchieren und dementsprechende Redaktionsstandards festzulegen.“

Einer, der sich mit dem Thema Falschinformation täglich beschäftigt, ist Andre Wolf des Blogs Mimikama, der Fake News und Falschmeldungen im Netz aufdeckt. „Warum funktionieren Falschmeldungen? Weil wir Angst haben“, so Wolf, „und wir durch diese Informationen unsere Angst bestätigt wissen.“ Den Begriff „Fake News“ mag Wolf eigentlich nicht, „da dieser oftmals falsch angewandt wird“. Im U.S.-amerikanischen Raum sind Fake News meist kommerziell getrieben und leiten auf Seiten weiter, auf denen Werbeanzeigen platziert sind. Wolf rät: „Kommen wir doch einfach zurück zu den Begriffen die wir immer hatten, so wie Falschmeldungen oder in manchen Fällen auch einfach Lügen. Manchmal kann es auch vorkommen, dass dem Redakteur bei der Recherche ein Fehler unterlaufen ist.“

Bei vielen Fake News werden Texte und Bilder unabhängig voneinander in einen neuen Kontext gebracht und sind somit nicht richtig. Manchmal werden auch einfach Bilder zusammengeschnitten. Ein Problem sieht Wolf vor allem darin, dass Artikel nicht mehr in der Tiefe gelesen werden: „Man scrollt dann einfach nur mehr durch Facebook und liest Überschriften beziehungsweise sieht die Bilder.“

Geschwindigkeit und Komplexität nehmen zu
Dem Thema nahm sich danach eine Podiumsrunde an, die neben Wolf und Ganner noch aus Petra Bernhardt (Universität Wien), Lisa Totzauer (ORF eins), Katharina Schell (APA, APA-medialab) bestand. „Es hat sich nicht viel geändert gegenüber früher“, so Totzauer von ORF eins. „Was sich geändert hat sind die unterschiedlichen Recherchemöglichkeiten.“ Ebenfalls ist die Geschwindigkeit und die Komplexität der Nachrichten gestiegen, so Totzauer. In sozialen Medien ist es oft schwer zu unterscheiden, ob etwas richtig oder falsch ist. Zudem macht es die Menge an Nachrichten unmöglich, alle einer Recherche zu unterziehen.

Kann die APA hier in Zeiten höherer Komplexität als Gatekeeper dienen? Schell von der APA dazu: „Lange hat es so ausgesehen, als könnten soziale Medien den etablierten Nachrichtenunternehmen den Rang abjagen. Diese können aber die Kompetenz in den Medien bis heute nicht ersetzen. Kunden, die mit uns arbeiten, können sich darauf verlassen, dass Nachrichten, die wir weitergeben, richtig sind.“ Für Ganner ist dabei die Einordnung und Bewertung von Quellen ganz wichtig und wird in Zukunft einen noch stärkeren Fokus einnehmen.

Ist der Schaden einmal angerichtet ...
Nicht nur inhaltlich können Nachrichten falsch sein. „Falschinformationen können sich schnell verbreiten, wenn Fotos in einen neuen Kontext gesetzt werden“, so Bernhardt von der Universität Wien. Das lässt sich etwa am Foto mit einer Muslimin beim Anschlag in London vor wenigen Wochen erkennen. „Die Person wurde als jemand dargestellt, die sich nicht um die Opfer kümmert“, so Bernhardt, „mit Bildern können Emotionen transportiert werden, an Personen, die bereits ein bestimmtes Bild von Personengruppen im Kopf haben.“

Ist der Schaden einmal angerichtet, ist dieser oftmals nur schwer korrigierbar. „Das ist ein gutes Beispiel. Oftmals werden Falschinformationen so schnell verbreitet, dass ein Faktencheck oft nichts bringt, da diese schon verbreitet wurde“, so Schell, die sich an diesem Punkt in die Diskussion einbrachte. Außerdem dürfe es nicht zur Aufgabe von seriösen Medien werden, ihre ganze Arbeit darauf zu konzentrieren, Falschmeldungen aufzudecken, wie Schell betonte: „Man berichtet dann nicht mehr über die Information an sich, sondern über die falschen Fakten. Hier muss man aufpassen, sich nicht in eine Blase zu begeben. Man hat sonst bald einen anderen Job.“ Außerdem sollte man laut Totzauer „Menschen, die absichtlich Falschinformationen verbreiten, keine Bühne geben“.

Warum tun soziale Netzwerke wie Facebook so wenig gegen Fake News und Falschmeldungen? „Facebook wird dann ein Problem bekommen, wenn es sich finanziell nicht mehr für sie auszahlt“, so Schell. Nach Einschätzung der Expertin hat der Social Media Riese deshalb auch in letzter Zeit mehr darauf geachtet, nicht als vollkommen unseriöser Kanal zu enden. „Facebook hat erkannt, dass hier ein Problem entstehen kann.“

Ein Video-Stream der Veranstaltung ist unter diesem Link abrufbar.
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