Spar: So wurde Spar zur Nummer 1
 
Johannes Brunnbauer
Spar-Vorstandsvorsitzender Fritz Poppmeier: "Dynamik braucht Stabilität."
Spar-Vorstandsvorsitzender Fritz Poppmeier: "Dynamik braucht Stabilität."

2020 war für die Spar Österreich-Gruppe ein äußerst erfolgreiches Jahr. Sie haben nicht nur die Marktführerschaft im heimischen LEH übernommen, sondern konnten den Konzernumsatz über alle drei Geschäftsfelder um 5,6 Prozent auf 16,60 Milliarden Euro steigern. CASH war in Salzburg für das erste Fachgespräch zur Bilanz vor Ort.

 
Jahr für Jahr war die Spar Österreich Gruppe fast ein Jahrzehnt lang Wachstumssieger im LEH. Im Jänner 2020 überholte sie dann die Rewe International und sicherte sich erstmals die Marktführerschaft (CASH hat berichtet) - eine Tatsache, die sich das ganze Jahr über nicht mehr ändern sollte. Die Spar war gekommen, um zu bleiben. "Wir kamen in den vergangenen zehn Jahren in kleinen Schritten der Marktführerschaft immer näher, die Corona-Pandemie und deren Auswirkungen haben nicht nur bei uns die Entwicklung massiv beschleunigt", erklärt Spar-Vorstandsvorsitzender Fritz Poppmeier im CASH-Interview zur Bilanz.
Positive Entwicklungen und Wachstum gibt es auch auf Konzernebene, auch wenn das Jahr das Unternehmen wie die gesamte Branche und die Gesellschaft vor besondere Herausforderungen stellte: "In diesem besonderen Jahr 2020 haben wir die Nahversorgung perfekt aufrechterhalten. Das war zeitweise eine echte Herausforderung. Wir konnten dabei unsere Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Aber nicht nur das: Wir wollten zudem ganz bewusst auch unseren Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten und in Arbeitsplätze, Gesundheit, Bildung und nachhaltige Bauprojekte investieren."
So hat der Konzern fast 5.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und in allen Ländern den fast 90.000 Mitarbeitern Corona-Prämien ausbezahlt. 36 Millionen Euro flossen allein in die Bereitstellung von Masken. „In Österreich haben wir über 10 Millionen Gratismasken an die heimische Bevölkerung verteilt, 15.000 freiwillige Tests beim Personal durchgeführt und 150 Lehrlinge mehr als im Vorjahr ausgebildet. Zeitgleich haben wir 720 Millionen Euro in die weitere Verbesserung der Nahversorgungsstruktur investiert. Dass wir zu alledem 2020 die Marktführerschaft in Österreich erringen konnten, ist unseren großartigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verdanken und ist eine wirklich schöne Auszeichnung durch unsere vielen treuen Kunden", so Fritz Poppmeier.

Entwicklungen im Österreichischen LEH

In Österreich erreichte Spar ein Umsatzplus von 16 Prozent, was deutlich über der allgemeinen Marktentwicklung liegt, die Nielsen mit +10 Prozent angibt, und liegt brutto bei 8,32 Milliarden Euro. Gleichzeitig gewinnt Spar 1,8 Prozentpunkte Marktanteil und setzt sich mit nunmehr 34,6 Prozent Marktanteil an die Spitze des österreichischen Lebensmittelhandels.
„Dass wir zu alledem 2020 die Marktführerschaft in Österreich erringen konnten, ist unseren großartigen Mitarbeitern zu verdanken“
Fritz Poppmeier

Spar betreibt in Österreich aktuell 1.578 Standorte (Spar, Eurospar und Interspar), 696 davon werden von selbständigen Kaufleuten betrieben, die ebenfalls deutlich über der Branche gewachsen sind, obwohl einige aufgrund des fehlenden Tourismus ebenfalls massive Umsatzeinbußen hinnehmen mussten. "Hier muss man sich wirklich die Details ansehen, denn Regionen, die stark vom Tourismus, gerade in den Wintermonaten, geprägt sind wie einige Gemeinden in Salzburg oder Tirol, haben den Rückgang stark zu spüren bekommen. Auch spezielle Standorte an Verkehrsknotenpunkten, nahe der Grenzen oder bei Bahnhöfen und Flughäfen mussten Einbußen hinnehmen. Doch über alle Regionen hinweg konnten wir ein sehr erfreuliches Ergebnis erzielen", beschreibt Poppmeier.

Europäische Unterschiede

Eine andere Situation zeigte sich während der Lockdowns beispielsweise in Italien, wo die Mobilität der Menschen viel eingeschränkter war, erzählt der Italienfan Poppmeier: "Hier haben große Standorte, die normalerweise aus umliegenden Regionen angesteuert werden, teilweise überdurchschnittlich verloren, während oft kleinere Nahversorger gute Ergebnisse verzeichnen konnten."

Leichte Steigerung auf Konzernebene

Aber auch auf Konzernebene ist das Ergebnis erfreulich. In allen drei Geschäftsfeldern zusammengenommen - Lebensmittelhandel, Sportfachhandel und Shopping-Center - wuchs der Brutto-Verkaufsumsatz um insgesamt 5,6 Prozent auf 16,6 Milliarden Euro. Allerdings waren die Bedingungen für den Handel nicht nur in den einzelnen Bereichen, sondern auch in allen acht Ländern, in denen das Unternehmen tätig ist, sehr unterschiedlich. 

Der neue Spar im steirischen Weinitzen (Eröffnung September 2020) ist ein Paradebeispiel für eine klimafreundliche Bauweise und ein besonderes Einkaufserlebnis.
Spar/Werner Krug
Der neue Spar im steirischen Weinitzen (Eröffnung September 2020) ist ein Paradebeispiel für eine klimafreundliche Bauweise und ein besonderes Einkaufserlebnis.
Durch die besonders positive Entwicklung im Bereich Lebensmittelhandel konnte das Konzernergebnis vor Ertragssteuern (EBT) auf 353 Millionen Euro leicht gesteigert werden. Sowohl in Ungarn, Slowenien, Kroatien als auch Norditalien wuchs Spar in diesem Feld über dem Markt und ist jeweils unter den Top 3 der örtlichen Lebensmittelhändler zu finden. In Nord-Italien ist Spar mit 2,43 Milliarden Euro Bruttoverkaufsumsatz ebenfalls Marktführer. In den vier Ländern zusammengenommen konnte ein Gesamtumsatz von 6,20 Milliarden Euro erwirtschaftet werden.

Prekärer war die Situation bei den Restaurants, dem Sportfachhändler Hervis und den 29 Shopping-Centern der SES, die mehrere Wochen lang geschlossen halten mussten. Hervis hatte so ein Umsatzminus von 7,3 Prozent zu verkraften, die SES -13,2 Prozent.
 

Online boomt

In Ungarn, Slowenien und Österreich führt die Spar-Gruppe auch Lebensmittel-Onlineshops. Die Nachfrage danach ist regelrecht explodiert: In Slowenien wuchs der Online-Umsatz um 150 Prozent, in Ungarn um 250 Prozent. In Österreich stiegen 2020 die Bestellungen in den drei Online-Shops (Lebensmittel, Haushalt und Freizeit sowie Weinwelt) um 50 Prozent an, der Umsatz wuchs um 60 Prozent. Bei Hervis verdoppelte sich der Online-Umsatz. In allen Ländern wurden die Lieferkapazitäten ausgebaut. "Natürlich konnte beispielsweise Hervis seinen Online-Umsatz während dieser Zeit steigern, doch Online-Umsätze können und sollen nie die stationären Umsätze oder gar das Einkaufserlebnis und die Servicequalität vor Ort ersetzen, sondern ergänzen", sagt Poppmeier. Gerüchten, die besagen, Interspar hätte während dieser Zeit Produkte aus den Hervis-Filialen verkauft, erteilt er eine klare Absage: "Wir haben unsere Sortimente dahingehend sicher nicht verändert."

Expansion in allen Geschäftsfeldern

Die Anzahl der Standorte der Spar Österreich-Gruppe wuchs von 3.207 (2019) auf 3.242 (2020). Neben neuen und zahlreichen modernisierten Standorten wurde mitten im ersten Lockdown im Mai 2020 auch das neue Shopping-Center Aleja Laibach in Slowenien eröffnet. Poppmeier bedauert die abgesagten Eröffnungsfeierlichkeiten in Sloweniens Hauptstadt, "doch Gesundheit und Sicherheit gehen immer vor", so Poppmeier. Gerade Aleja sei ein gutes Beispiel für langfristige Investments: "Der Standort ist gut, die Shoppartner-Mischung optimal, das wird sich in den nächsten Jahren sehr gut entwickeln", ist er überzeugt.
Hervis setzte ebenfalls im Mai erstmals das neu entwickelte Ladenkonzept im Salzburger Europark um. Auch in die Erweiterung der Logistikzentren investierte Spar kräftig: In Österreich wurde die 4. Baustufe des Zentrallagers in Wels in Angriff genommen, in Italien sind das Frische-Distributionszentrum und der neue Tann-Fleischproduktionsbetrieb in Monselice in Betrieb gegangen und es erfolgte der Startschuss für ein Lager in der Emilia-Romagna. Für die laufenden Expansionsprojekte stemmte der Spar-Konzern im Jahr 2020 ein beachtliches Investitionsvolumen von 720 Millionen Euro.

Krisensicherer Arbeitgeber

Über 4.900 zusätzliche Arbeitsplätze hat der Spar-Konzern 2020 in allen Ländern geschaffen, davon allein 4.200 in Österreich. Insgesamt arbeiten rund 90.000 Mitarbeiter unter dem Dach der Spar Österreich-Gruppe, davon sind fast 3.250 Lehrlinge. In Österreich werden aktuell 2.635 Lehrlinge ausgebildet, das sind um 150 mehr als im Vorjahr. Ausgelernten Lehrlingen gibt Spar eine Arbeitsplatzgarantie.

Eigenmarken stillen die Nachfrage

Corona gab den auch sonst gut performenden Eigenmarken noch einmal zusätzlichen Aufwind. Die Homeoffice und Homeschooling Eigenmarke Spar office verzeichnete einen Zuwachs von 40 Prozent. Die Nachfrage nach den feinen italienischen Produkten unter der Eigenmarke Despar war mit +29 Prozent und nach Spar Premium mit +25 Prozent sogar höher als nach S-Budget (+22 %). Besonders im Trend lag Bio. Der Umsatzzuwachs der Bio-Linie Spar Natur*pur war seit 10 Jahren konstant zweistellig und bewegte sich pro Jahr im Durchschnitt um +17 Prozent. 2020 hob die Bio-Linie endgültig ab und erreichte ein Umsatzplus von +28 Prozent.
Interspar hat im Jubiläumsjahr gleich fünf Standorte einem kompletten Relaunch unterzogen, für 2021 sind einige Eröffnungen geplant. Darunter: ein Interspar in Perg, ein weiterer in der Schottengasse in 1010 Wien, der Flagshipstore, der in der ehemaligen Creditanstalt-Zentrale im ersten Halbjahr seine großen, schweren Bankhaustüren öffnen wird: "Wir sind sehr glücklich, dass wir dort einen Interspar eröffnen dürfen, es wird ein ganz besonderes Premium-Einkaufserlebnis für jedermann an jedem Tag", erzählt Poppmeier stolz von dem besonderen Projekt, das viele Überraschungen bereithält.

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