Schlecker: Staatsanwalt knöpft sich Anton Sch...
 
Schlecker

Staatsanwalt knöpft sich Anton Schlecker vor

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat Anklage gegen den einstigen Drogeriemarktbetreiber Anton Schlecker erhoben.

Auf 270 Seiten listet sie 36 Fälle auf, in denen der Unternehmer und seine Familie kurz vor der Insolvenz Vermögen beiseite geschafft haben sollen und sie so dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben sollen. Zudem wird dem Unternehmer Bilanzbetrug vorgeworfen. Für die Geschäftsjahre 2009 und 2010 soll er die Verhältnisse seines Unternehmens unrichtig wiedergegeben haben. Gegen die Schlecker-Kinder hat die Staatsanwaltschaft zudem Anklage wegen Untreue und Insolvenzverschleppung erhoben. Sie sollen sich als Geschäftsführer einer Logistiktochter mehrere Millionen Euro haben ausschütten lassen, obwohl das Unternehmen Verluste machte. Zwei Wirtschaftsprüfern von Ernst&Young wird zudem vorgeworfen, die Bilanzen falsch testiert zu haben.

Den Anwälten zufolge seien zahlreiche Vorwürfe des Staatsanwalts „absurd“. Nun entscheidet das Landgericht, ob die Klage zugelassen wird und ein Hauptverfahren starten kann. Beobachter rechnen mit langjährigen Prozessen durch mehrere Instanzen.  Im schlimmsten Fall würden dem ehemaligen Unternehmer langjährige Haftstrafen drohen.

Schlecker meldete im Januar 2012 Insolvenz an. Der Konzern betrieb rund 9000 Drogeriemärkte in ganz Europa. Die Gläubiger forderten mehr als 1 Mrd. Euro. Rund 10 Mio. Euro zahlte Schlecker bereits aus eigener Tasche.  Die knapp 900 österreichischen Schlecker-Filialen übernahm der Unternehmer Rudolf Haberleitner, der mittlerweile mit seinem Nahversorgerkonzept Dayli scheiterte und ebenfalls Insolvenz angemeldet hat.
stats