Fernost: Stehaufmännchen Hongkong
 
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Hongkong birgt für Österreichs Außenhandel große Chancen. Vor allem das liberale Unternehmens- und Steuerrecht sowie die vielen Standortvorteile machen die ehemalige britische Kronkolonie für österreichische Unternehmen besonders attraktiv.

Hongkongs Wirtschaftswachstum lag im Jahr 2008 bei plus 3,1 Prozent. Für 2009 wird – aufgrund der Wirtschaftskrise – ein negatives Wachstum von etwa 4,7 Prozent hervorgesagt. Die Exporte Hongkongs waren bereits in den ersten zwei Monaten 2009 um ein Viertel geringer als vor einem Jahr. Dr. Martin Glatz, Außenwirtschaft Österreich/Regionalmanager Fernost, beurteilt diese Entwicklung zwar kritisch, aber nur bedingt als bedenklich: „Hongkong reagiert sehr schnell auf das Wirtschaftswachstum – sowohl positiv als auch negativ. Wir haben es hier mit einem Stehaufmännchen zu tun, das sich von diesen Einbußen wieder sehr schnell erholen wird.“

Warum das so ist, liegt seiner Meinung nach an den durchwegs liberalen Bestimmungen und den wenig vorhandenen Handelsschranken, die Exportieren und Importieren so einfach machen wie in kaum einem anderen Land. Immerhin lieferte Österreich im vergangenen Jahr Waren im Wert von etwa 452 Millionen Euro nach Hongkong. Im Laufe der letzten zehn Jahre konnten die Exporte nach Hongkong insgesamt verdoppelt werden. Hongkong selbst wiederum profitiert von der rasant steigenden Bedeutung Festlandchinas, denn dort beliefen sich die Exporte 2008 auf eine Höhe von 1,9 Millarden Euro. Das wirkt sich ebenso positiv auf den österreichischen Außenhandel aus.

Trotz vieler vorhandener Unterschiede, wie etwa bei der Währung und in der Handelspolitik – die aufgrund der von Deng Xiaoping entwickelten Doktrin „Ein Land, zwei Systeme“ noch bis 2047 bestehen werden – bemüht sich Hongkong darum, mehr Brücken nach China zu schlagen. Gestrebt wird klar nach Integration und der Nutzung von neuen Synergien. Die reine Lieferung von Waren über Hongkong wird nämlich immer seltener werden. Diesen Trend registriert Glatz deutlich: „In dem Ausmaß, in dem sich China öffnet, werden Geschäfte direkt abgewickelt werden.“

Standort und liberales Recht als Anreiz



Ausländische Investoren schätzen die Vorteile des Rechtssystems Hongkongs und die Tatsache, dass sich in der ehemaligen britischen Kronkolonie die sprachlichen und kulturellen Unterschiede zum Westen in Grenzen halten. Etwa 80 österreichische Firmen verfügen bereits über operative Tochterunternehmen in Hongkong und profitieren dabei von einem einfachen Steuer- und Niederlassungsrecht. Aber nicht nur das, auch der Standort Hongkongs bietet viele Vorteile, denn die geografische Lage ermöglicht die optimale Betreuung benachbarter Länder wie etwa der Philippinen oder Taiwans. Außerdem wartet Hongkong mit ausgesprochen attraktiven Märkten für österreichische Produkte und Dienstleistungen auf. Glatz betont: „Die Konsumgüterbranche oder das Marktsegment der Beratungstätigkeit, aber vor allem die Kreativwirtschaft bieten optimale Chancen für österreichische Unternehmen, die nach Kooperationen im asiatischen Wirtschaftsraum suchen.“ Weitere spannende Branchen sind laut Glatz außerdem Umwelttechnik, Hochtechnologie und Bauwirtschaft.
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