Bundeskartellamt Deutschland: Tengelmann/Edek...
 
Bundeskartellamt Deutschland

Tengelmann/Edeka: intensive Prüfung

Bundeskartellamt
Präsident Andreas Mundt (Bundeskartellamt): Wird Tengelmann/Edeka-Deal intensiv prüfen. © Bundeskartellamt
Präsident Andreas Mundt (Bundeskartellamt): Wird Tengelmann/Edeka-Deal intensiv prüfen. © Bundeskartellamt

Ein hochkonzentrierter Lebensmitteleinzelhandel mit einer sich noch weiter verschlechternden Marktstruktur, so sieht der Präsident des deutschen Bundeskartellamtes, Andreas Mundt, den deutschen Markt. Somit steht der geplanten Übernahme der Tengelmann Supermärkte durch die Edeka eine sehr intensive Prüfung ins Haus.

Am 7.10.2014 kündigte Karl-Erivan W. Haub, Geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann, bekanntlich den Ausstieg aus dem Supermarktgeschäft an. Käufer soll – wenn das Bundeskartellamt zustimmt - der Edeka-Verbund sein (http://www.cash.at/archiv/edeka-uebernimmt-kaisers-tengelmann/) Die 451 Kaiser's Tengelmann-Filialen sollen am 30. Juni 2015 abgegeben werden. Ob dieser Deal tatsächlich über die Bühne gehen wird, dazu gibt es sehr unterschiedliche Stimmen, gespannt ist die Branche allemal. Denn erst vor wenigen Wochen, am 24.9.2014, gab das deutsche Bundeskartellamt die Ergebnisse der Sektoruntersuchung Lebensmitteleinzelhandel bekannt, aus der klar hervorgeht, dass Andreas Mundt zum Schluss kommt, dass die Spitzengruppe den deutschen LEH – Edeka, Rewe, Schwarz Gruppe und Aldi – mit rund 85 Prozent Anteil am gesamten Beschaffungsvolumen dieses dominiert. Die Einsprüche von Händlern zu diesem Ergebnis wurden widerlegt, so das Bundeskartellamt. Mundt wird die Absicht von Tengelmann und Edeka deshalb intensiv prüfen. Unter diesem Aspekt stehen die Übernahmepläne unter keinem guten Stern. Anders, vermuten einige, wenn man sich die Ereignisse rund um Schlecker vor Augen führt. Durch die Schließung des Unternehmens erreichte diese Causa eine politische Dimension, die das Bundeskartellamt vielleicht nicht heraufbeschwören möchte.

Als „allein politische“ Entscheidung schätzt auch Markant AG-Geschäftsführer Franz Friedrich Müller die Lage Tengelmann/Edeka ein. „Ich wage keine Voraussage“, stellte Müller anlässlich des 3. Informationstages der Markant Österreich in Wien fest. Dass Tengelmann nun nicht mehr über die Markant verrechnet wird, bedeute für selbige auf Grund des Volumens in der Höhe von rund 820 Millionen Euro (3 % des Verrechnungsumsatzes) nicht viel. Allerdings bedeute dies für die Handelsbranche wiederum den Wegfall eines Familienunternehmens, und damit ginge im Handel etwas verloren.

Mit dem Verkauf an Edeka kann Tengelmann-Boss Karl-Erivan W. Haub den Mitarbeitern immerhin eine Zukunftsperspektive bieten, sagt er. Edeka AG-Vorstandsvorsitzender Markus Mosa sagt, dass das Ziel sei, mit der Übernahme den genossenschaftlichen Förderauftrag im äußerst harten Wettbewerbsumfeld im Lebensmittelhandel fortsetzen zu können und die Standorte nach und nach an selbstständige Kaufleute zu übergeben. 

Während sich der Tengelmann/Edeka-Deal wegen der angekündigten intensiven Prüfung durchaus in die Länge ziehen wird, ging es beim am 1. Oktober 2014 angemeldeten Deal des deutschen Händlers J. Bünting Beteiligungs AG (Käufer) und der Jibi Handel GmbH. & Co (Verkäufer) sehr schnell. Bereits am 8. Oktober gab das Bundeskartellamt den Deal frei. Auf deren website stellt Andreas Mundt dazu (im Wortlaut zitiert) und mit Sicherheit im Hinblick auf die ihm zu diesem Zeitpunkt schon bekannte Absicht der Häuser Tengelmann/Edeka fest: „Mit der Übernahme von 88 Jibi-Standorten stärkt Bünting seine Marktstellung als einer der größeren regionalen Lebensmittelhändler weiter, nachdem bereits im Jahr 2013 die Übernahme der 33 Standorte von Minipreis freigegeben worden war. Die heutige Freigabe zeigt auch, dass es für kleinere Lebensmitteleinzelhändler im Falle einer Veräußerung durchaus Alternativen zu Edeka oder Rewe gibt.“ Die Übernahmen von Bünting liegen alle in jenen Gebieten, in denen die Edeka das mit Abstand führende Unternehmen im LEH sei, so Mundt weiters und so lässt die Stärkung von Bünting dort eine gewisse Belebung des Wettbewerbs erwarten. Der Händler kommt – die Jibi-Übernahme soll mit Jänner 2015 schlagend werden – auf einen Brutto-Gesamtumsatz von zirka 2,5 Milliarden Euro.

Kaiser's Tengelmann erzielt einen Netto-Umsatz von 1,8 Mrd. Euro und beschäftigt 15.958 Mitabeiter. Der Edeka-Verbund erzielt 2013 einen Netto-Gesamtumsatz von 46,2 Milliarden Euro (+ 3,1 %), führt ein Standortnetz von 11.585 und beschäftigt 327.900 Mitarbeiter.   

Edeka AG-Vorstandsvorsitzender Markus Mosa: Will das Tengelmann-Supermarktgeschäft kaufen. © Edeka
Edeka
Edeka AG-Vorstandsvorsitzender Markus Mosa: Will das Tengelmann-Supermarktgeschäft kaufen. © Edeka


Karl-Erivan W. Haub (Tengelmann): Sieht mit Verkauf von Kaiser's Tengelmann immerhin noch eine Zukunftsperspektive für die Mitarbeiter. © Tengelmann
Tengelmann
Karl-Erivan W. Haub (Tengelmann): Sieht mit Verkauf von Kaiser's Tengelmann immerhin noch eine Zukunftsperspektive für die Mitarbeiter. © Tengelmann
stats