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Übergewicht: Gesunden Lebensstil fördern statt Extra-Steuern

Frank Helmrich
Mag. Marlies Gruber, Ernährungswissenschafterin und wissenschaftliche Leiterin des f.eh © Frank Helmrich
Mag. Marlies Gruber, Ernährungswissenschafterin und wissenschaftliche Leiterin des f.eh © Frank Helmrich

Vertreter aus Wissenschaft, Gesundheitsförderung, Wirtschaft, Politik und Verwaltung, Medien sowie Eltern- und Konsumentenvertreter nahmen an der Konsensus-Umfrage des „Forum Ernährung Heute“ (f.eh) teil. Als hauptverantwortlich für einen gesunden Lebensstil sehen sie in erster Linie Konsumenten und Eltern (90 %) sowie Bildungseinrichtungen (87 %).

Unlängst hat die WHO Extra-Steuern für zuckerhältige Getränke zur Eindämmung von Übergewicht gefordert. Wie der Anstieg von Übergewicht eingebremst werden kann und wer dafür verantwortlich tragen soll/kann, fragte das f.eh Experten und Stakeholder bei einer aktuellen Umfrage in Österreich. Während das Abstrafen durch Extra-Steuern abgelehnt wird, sehen die Befragten vor allem Konsumenten, Eltern und Bildungseinrichtungen, aber auch die Lebensmittelproduktion und den Handel in der Pflicht.

„Wie eine heiße Kartoffel wird die Verantwortung für den eigenen Lebensstil, die Essgewohnheiten und das Bewegungsverhalten hin und her gereicht. Geht man davon aus, dass alle verantwortlich sind, fühlt sich keiner unter Zugzwang. Es stellt sich also die Frage, in welchem Ausmaß die Politik, aber auch Schulen, Arbeitgeber, Sportförderung, die Lebensmittelwirtschaft und jeder Einzelne Verantwortung tragen sollen und können“, so Marlies Gruber, wissenschaftliche Leiterin des f.eh.

Eigenverantwortung braucht Rahmenbedingungen

Wer eigenverantwortlich handeln soll, braucht jedoch passende Rahmenbedingungen. Den größten Hebel sehen die Befragten bei Kindergärten und Schulen, schließlich verbringen Kinder und Jugendliche den Großteil ihres Alltags in Bildungseinrichtungen. Rund drei Viertel der Befragten bewerten das Vermitteln eines gesunden und freudvollen Lebensstils sowie mehr Bewegung und die tägliche Turnstunde als sehr effektiv. Jeder Zweite spricht sich für ein Schulfach „gesunder Lebensstil“ oder fächerübergreifende Projekte zum Thema aus. „Bildung und die Stärkung von Ernährungs- und Lebensstilkompetenzen müssen in den Mittelpunkt der Gesundheitsförderung rücken, um langfristig Übergewicht eindämmen zu können“, sagt Marlies Gruber.

Gesund – Geschmack – Genuss

Damit die gesündere Wahl auch die leichtere wird, richten knapp zwei Drittel der Experten und Stakeholder eine klare Botschaft an die Lebensmittelhersteller: Gesundes Essen soll schmackhaft sein und Genuss vermitteln. Die Bedeutung von Genuss bestätigt auch das f.eh-Genussbarometer: „Genießen fördert die Gesundheit. Denn Genießer essen abwechslungsreicher und langsamer und haben auch deutlich häufiger Normalgewicht“, stellt Gruber fest. Darüber hinaus spricht sich ein Drittel der Befragten für eine größere Produktvielfalt, kleinere Portionen in der Gastronomie sowie kleinere Packungsgrößen aus. Oft diskutiert wurden jüngst Steuern auf energiereiche Lebensmittel und Getränke. Bei der f.eh-Umfrage befürworten jedoch nur 5 % Extra-Steuern, und nur 8 % sprechen sich für eine Regulierung des Lebensmittelangebots aus. (Die Umfrage war eine zwei-wellige Delphi-Umfrage im Juli und August 2016; Respondenten Welle 1: n=57; Welle 2: n=38.)

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Wer kann und soll letztendlich Verantwortung übernehmen? © forum. ernährung heute
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Wer kann und soll letztendlich Verantwortung übernehmen? © forum. ernährung heute


Zielführende Maßnahmen im öffentlichen Bereich zur Förderung eines gesunden Lebensstils © forum. ernährung heute
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Zielführende Maßnahmen im öffentlichen Bereich zur Förderung eines gesunden Lebensstils © forum. ernährung heute
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